Neuer Preisrutsch im Mobilfunk?

by

Die Presemitteilung ging fast im isländischen Ascheregen unter. Ay Yildiz, die KPN/E-Plus Marke für die türkische Community senkt in Deutschland die Preise.

6 Cent pro Minute verlangt Ay Yildiz statt bisher 9 Cent für Verbindungen innerhalb des gesamten E-Plus-Netzes (inkl. Ay Yildiz, Aldi, Blau, Simyo, Vybemobile etc.) und nur noch 16 Cent statt bisher 19 Cent für Anrufe von Deutschland in das türkische Fest- Mobilnetz und zu deutschen Festnetz- und deutschen Mobilfunkanschlüssen außerhalb des E-Plus-Netzes (einschließlich der virtuellen Mobilfunker vistream und ring, welche die Funkmasten mitbenutzen.)

Sind das Vorboten einer neuen Preissenkungsrunde? 9 Cent in alle deutschen Netze ist momentan der übliche Standard-Preispunkt. Wer es günstiger will, kann den Preis rechnerisch mit allerlei schwer durchschaubaren „Rabatten“ und „Rückerstattungen“ auf 8 oder gar 7,5 Cent/Minute drücken. Daneben gibt es gesplittete Angebote, wo Telefonieren innerhalb der Community (zum eigenen Anbieter) bereits für 3 Cent möglich sind, während der „Rest“ für 11 Cent zu haben ist, mit 60/1 Taktung ist das Aldi-Talk/Medion-Mobil-Angebot schon interessant, wenn Freunde, Familie und Bekannte auch bei Aldi unter „Vertrag“ sein sollten.

Schauen wir uns die neuen Auslandstarife von Ay Yildiz in Deutschland nach Europa an: Hier werden 16 Cent zu Festnetz und 36 Cent zu Mobilfunk berechnet, das können Fonic Kunden (im o2-Netz) noch günstiger haben: Da kostet ein Anruf ins Ausland 9 Cent ins europäische Festnetz, zu Mobilfunk sind es 29 Cent. Das sind Preise, wo man endlich ungestört telefoniert und sich keinen weiteren Kopf mehr drüber macht. Wenige wissen, daß es in den USA rufnummerntechnisch keinen Mobilfunk gibt, weswegen auch alle amerikanischen Mobilfunkanschlüsse für 9 Cent pro Minute zu erreichen sind. Simyo und Aldi-Talker (beide im Netz von E-Plus) kommen mit 12 Cent in Richtung Ausland (Festnetz) und 29 Cent Mobilfunk auch noch sehr gut weg.

Richtig gut bei Ay Yildiz sind hingegen die Tarife nach Aserbeidschan oder in den Irak, wohin die türkischsprachige Community durchaus Kontakte haben kann: Mit 16 Cent (Festnetz) und 36 Cent (Mobilfunk) liegt der Anbieter deutlich unter den sonst üblichen 99 Cent (Simyo) oder den absurd hohen 1,99 Euro bei den meisten Prepaid-Anbietern und nach oben verlaufen die Grenzen irgendwo bei 2-3 Euro die Minute in bestimmten Vertragstarifen.

Bedeuten die neuen Preise bei Ay Yildiz erste Anzeichen für einen generellen Preisrutsch?

Mancher Tiefstpreisfan würde sich 6 oder 7 Cent generell oder wenigstens zu Mobilfunk und 2-3 Cent zu Festnetz wünschen. Machbar wäre das vielleicht schon, die erzielbaren Margen würden dann aber noch tiefer sinken. Viel tiefer als 8 Cent/Minute zu allen Mobilfunk-Zielen kann keiner gehen, weil der amtlich regulierte Interconnect-Entgelt nicht viel niedriger ist und mit gefährlichen Mischkalkulationen, die von ausgehungerten Fans schnell gesprengt würden, mag keiner rechnen.

Im übrigen: Geld für einen weiteren Netzausbau und für die neuen Frequenzen bleibt bei solchen Preisen immer weniger übrig, weil Bestandskunden, die immer noch 29 Cent oder 79 Cent in fremde Netz zahlen werden früher oder später mitbekommen, daß preislich etwas nicht stimmt. Und gesund ist das langfristig nicht.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Eine Antwort to “Neuer Preisrutsch im Mobilfunk?”

  1. RonlyBonly Says:

    Sehr geehrter Herr Gajek,

    6 Cent/Minute von ay Yildiz ins gesamte e-plus-Netz ist ein interessanter Preis (wenn an anderer Stelle natürlich entsprechen teurer) für Menschen mit vielen e-plus-Kontakten, die nicht gleich ein „Mein BASE“-Vertrag abschließen wollen.

    Leider ist bei den simyo-Preisen für Anrufe nach Deutschland ins europäische Festnetz ein Fehler bei Ihnen eingeschlichen: Der Preis ist – genau wie bei Aldi-Talk – 12 Cent (nicht: 9 Cent) pro Minute. [Quelle: https://www.simyo.de/tarif/ins-ausland-telefonieren.html ]

    [Anmerkung von hrgajek: Danke für den Hinweis. Ich habe es soeben korrigiert]

    Anmerkung zu Anrufen nach nordamerikanischen Mobilfunkanschlüsse:
    Zumindest in den USA zahlen (die meisten?) einheimischen Mobilfunk-Teilnehmern mit, wenn sie ausländische Anrufe annehmen. Also zahlen mobile US-Amerikaner dafür, daß es nach außen hin keinen Unterschied zwischen Mobilfunk und Festnetz gibt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: