Frequenzen: Nur Gewinner!

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Die Schlacht ist geschlagen und Alle haben gewonnen!  Nach fast 10 Jahren stand wieder eine Frequenzauktion an. Diesmal ging es um wesentlich mehr Frequenzen als seinerzeit bei UMTS (= unerwartete Mehreinnahmen zur Tilgung von Staatsschulden), aber diesmal wurde sachlich und nüchtern geboten, zeitweise war es regelrecht langweilig.

nur Gewinner bei der Frequenzversteigerung

Frequenzversteigerung 2010 - die Ergebnisse

Seit heute (Donnerstag) Mittag ist nach 224 Runden an 27 Auktionstagen die Auktion endlich rum, am Ende standen für die 41 Frequenzblöcke knapp 4,4 Mrd. Euro auf der Gebührenuhr von Herrn Schäuble.

Die Summe teilt sich wie folgt auf:

  • Vodafone D2 GmbH – 1.422.503.000 Euro (für insgesamt 12 Blöcke)
  • Telefónica O2 Germany GmbH & Co. OHG – 1.378.605.000 Euro (für insgesamt 11 Blöcke)
  • Telekom Deutschland GmbH – 1.299.893.000 Euro (für insgesamt 10 Blöcke)
  • Erste MVV Mobilfunk Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (dahinter steckt E-Plus) – für „nur“ 283.645.000 Euro (für insgesamt 8 Blöcke)

Telefonica o2 Germany (liebevoll „To2GER“ abgekürzt) konnte sich zwei mal 5 MHz (geppaart) der begehrten „digitalen Dividende“ auf 800 MHz angeln, und hat sich das 616 bzw. 595 Millionen Euro pro Paketkosten lassen, Telekom bekam auch zwei Blöcke, mit 570 und 582 Millionen am günstigsten, während Vodafone schlappe 683 und 627 Millionen auf den Tisch des Hauses in der Canisius-Straße zu Mainz blättern darf. Dazu kommen noch die Kosten für Frequenzen auf 1,8 auf 2,0 und 2,6 GHz.

E-Plus hat sich für 21.5 Millionen 2×5 MHz auf 1800 MHz gegönnt, ferner 2x 4,95 MHz auf 2,0 GHz zu 103 resp. 84 Millionen und noch ein paar Blöcke auf 2,6 GHz. Der wahre Gewinner der Auktion ist E-Plus, denn sie haben für relativ „günstige“ 283 Milionen nur solche Frequenzen ergattert, die sie sofort und ohne besondere Auflagen dort nutzen können, wo sie es für sinnvoll halten.

Ihre Konkurrenten und Gewinner der 800 MHz Frequenzen müssen jetzt erst bestimmte „abgelegene Provinz“-Regionen mit Netz versorgen, bevor sie dahin gehen können, wo sie zahlungskräftige Power-Surf-Kunden zu finden glauben.

E-Plus erklärt sogleich, daß sie ihre Herausforderer Strategie fortsetzen werden. Das bedeutet: kreative Angebote zu bezahlbaren Preisen, das bedeutet aber auch hier und da löchriger Netzausbau, hier und da holpriger Service und nicht immer gleich die allerneueste Technik, sondern eher bewährte Kost. Für preisbewußte Kunden kann das Angebot von E-Plus ideal werden. Die günstigen Preise werden auch dafür sorgen, daß die „Großen“ nicht gleich total abheben, sondern sich auch ein wenig daran erinnern, was marktmäßig möglich ist und was nicht.

o2 ist mit der Frequenzvergabe auf 800 MHz endgültig unter die „Großen Drei“ aufgerückt. Nun darf man gespannt sein, ob es ihnen gelingen wird, auch in absoluten SIM-Karten/Kundenzahlen näher oder über die 20 Millionen Marke zu klettern. E-Plus wird seinen 3. Platz in Karten/Kundenzahlen sicherlich mit Zähnen und Klauen verteidigen.

Morgen (Freitag) werden die Frequenzurkunden ausgehändigt und nach Zahlung der „Gebühren“, kann es theoretisch sofort los gehen, zumindest auf den Frequenzen außerhalb von 800 MHz (weil bei 800 MHz noch einige juristsche Klippen sprich eingereichte Klagen) zu umschiffen sind. o2 dürfte seine Klage sicher zurückzhiehen und E-Plus sicher auch, sie hatten ja von vorneherein angekündigt, nicht soviel Geld ausgeben zu wollen, und das hat sogar funktioniert.

Und wieder hat es keiner geglaubt. E-Plus kann schon nächste Woche neue Stationen auf 1800 MHz mit bewährter GSM/EDGE Technik ausrollen und die letzten Funklöcher stopfen, auf 2,0 GHz wird man UMTS weiter ausbauen und in den Ballungszentren kann man sich dann mal in Ruhe an die neue LTE-Technologie auf 2,6 GHz heranmachen.

LTE-Endgeräte wird es zu Beginn als „USB-Sticks“ geben (in der Szene auch „Dongles“ genannt), einige Laptops, Note- oder Netbooks werden früher oder später eingebaute LTE/UMTS-HSPA/GSM-EDGE Modems enthalten. „Normale“ Telefone mit LTE werden wir wohl erst in 2-3 Jahren sehen. Zum reinen klassischen Telefonieren brauchen wir LTE so schnell bestimmt nicht, da bieten GSM und UMTS genügend Reserven.

Preislich sollte man nicht mit weiteren Senkungen rechnen. Eher wird es bei Daten eine Differenzierung geben. Wenn es langsam sein darf, sind Preise mit 24 Cent pro MB ohne weitere Verpflichtungen möglich oder Datenpakete ab 2-3 Euro pro Tag bis zu 20-30 Euro im Monat. Wer LTE-HiSpeed nutzen will, darf dafür zu Beginn sicher erst mal kräftig in die Tasche greifen, alles andere wäre eigentlich überraschend.

Mit den 4,4 Milliarden Euro kann Herr Schäuble den schnurlosen Mikrofonen des Bühnenvereins (Theater, Musikveranstalter etc.) neue Frequenzen verpassen und auch sonst noch einige „gute“ Dinge tun, gemessen an den EURO-Rettungs-Milliarden sind die LTE-Einnahmen eher als „Peanuts“ zu betrachten.

Nun wäre das also geklärt. Wie gehts weiter?

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4 Antworten to “Frequenzen: Nur Gewinner!”

  1. Thomas Kuhn Says:

    Wie es weiter geht? In Sachen LTE vermutlich erst einmal mangels nennenswert verfügbarer Hardware (und) Netze sicher erst einmal sehr gemütlich.
    Beim ersten „kommerziellen“ LTE-Netz in Stockholm (TeliaSonera) üben sich bisher nur ein paar early Adopter in homöpatischer Zahl im innerstädtischen Netz. Bisher faktisch für lau – ab Sommer dann zu happigen Monatstarifen. Meine These: Für die nächsten zwei bis drei Jahre ist die Technik dem Markt noch weit voraus.
    Gruß
    kt

  2. Peter Says:

    Wird es LTE dann sowohl auf 800 MHz und 2,6GHz geben?
    Hat man bei LTE auch „atmende“ Zellen?

    • hrgajek Says:

      Hallo Peter,

      in der Tat wird es LTE (4G) zunächst auf 800 MHz und 2,6 GHz (2600 MHz) geben.
      Irgendwann soll UMTS (3G) und UMTS-HSPA (3,5G) auch auf 900 und 1800 MHz stattfinden, im Moment wird dafür 2,0 / 2,1 GHz verwendet.

      UMTS kannst Du Dir wie einen großen Raum vorstellen, wo alle Leute gleichzeitig miteinander reden. Der eine englisch, der nächste französisch, der übernächste hessisch, einer bayrisch. Sind wenige Leute im Raum, verstehen die sich ganz gut und reden leise und kommen gut durch. Sind mehr Leute im Raum, reden sie lauter und kommen nicht mehr so weit durch.

      Bei LTE wird „dreidimensional“ gefunkt. Der eine guckt geradeaus, der nächste verdreht den Kopf etwas und so findet jeder Teilnehmer einen Winkel, wo er noch durchkommt, die zahlen atmen nicht.

  3. 16LE Says:

    „E-Plus wird seinen 3. Platz in Karten/Kundenzahlen sicherlich mit Zähnen und Klauen verteidigen.“ – sorry, aber – sie versuchen sich so teuer wie möglich zu verkaufen, verständlich. Es gäbe, bei 40% Marge, noch etliche Punkte, bei denen man den Kunden entgegenkommen könnte — hoffentlich hat Lidl-Mobile Erfolg und läßt Gregori&Co neu nachdenken. (Ich finde auch „Discounter“ noch zu teuer.)

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