Was erwarten Nokia-Fans? – Innovatives Lernen aus der Vergangenheit

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Vor ein Tagen las ich im Twittter von Michael Spehr (FAZ), daß Nokia jetzt auch die Fans davon liefen.

Die Frage, wo Nokia steckt und wo es hin geht, ist nicht neu und viele mehr oder weniger bekennende Fans sind verzweifelt oder haben sich zu anderen Marken abgewandt, je nachdem, was sie mit ihrem Handy vor haben.

Was ist denn nur passiert? Nokia verschlafe Innovation, heißt es in der Fangemeinde, es fehle z.B. ein echter iPhone Killer, der mit einem Donnerschlag der Apple-Welt zeigen könne, wo der Hammer hängt, am besten sollen Millionen von iPhone-Fanatikern ihre Geräte aus dem Fenster werfen und in den nächsten Nokia-Store stürmen…

Hallo da draußen, ist das denn realistisch?

Um Nokia zu verstehen, sollten wir mal einen Blick zuwerfen. Nokia wurde berühmt durch geniale Ideen, aber auch durch seine Behäbigkeit. Innovationen brauchen einfach ihre Zeit, bevor sie auf den Markt kommen können.

Beispiele: Auf einer CeBIT wurde vor vielen Jahren ein Alpha-Prototyp eines Nokia 9110 gezeigt, der 2. Auflage des legendären Communicator und da dauerte es noch gut 2 Jahre, bis das Gerät wirklich in die Läden kam. Es hilft doch nichts, halbfertige oder hoch fehlerhafte Geräte auf dem Markt zu werfen, nur um hip dazustehen, „wir haben was Neues und wir habens als Erstes…“  (Und viele Nokia Geräte waren und sind (?) zum Zeitpunkt der Auslieferung noch… verbesserungsfähig 🙂

Die Zeiten, wo ein Handy, egal was es kann oder macht für 1 Euro zu haben ist, und wenn  man dafür den siebzehnten Schubladenvertrag abschließt, um das Handy „abzahlen“ zu können, sind wohl für immer vorbei. Also überlege ich mir doch, was ich mir neu kaufe, sehr genau. Frage bei Freunden, Bekannten, im real life oder im Internet oder gehe in ein Laden und lass mir das erst mal zeigen.

Wahre Apple-Fans kaufen alles, was von Apple kommt. Ob da Zuckerbonbons, Rhabarber-Leberwurst-Marmelade, vielleicht ein Staubsauger oder ein Riesenhandy mit dem man nicht telefonieren kann, drin ist. Das ist so und das kann nicht das Maß aller Dinge sein. Was würde ein Geschrei über Nokia hereinbrechen, wenn man das neueste Nokia Super-Handy in Deutschland nur noch mit einem – sagen wir o2 Vertrag – bekäme – ohne Vertrag wärs nicht lieferbar, wenn Applikationen nur über einen bestimmten Store zu haben sind, und Applikationen erst den Privat-TÜV des Nokia-Vorstandsvorsitzenden durchlaufen müßten, bevor sie aufs Handy kommen dürften? Apple meint sich das leisten zu können, aber ob das auf Dauer funktioniert, werden wir noch sehen.

Richtig: Bei Nokia läuft seit einiger Zeit nicht mehr so rund wie es sollte. Wenn man nun die Sparkommissare los schickt, werden als erstes die zarten Pflänzchen kreativer Erfinder und Macher die Flucht ergreifen, weil Druck und Angst keine gute Quelle für geniale Ideen sind.

Nokia macht aber Dinge, die sich andere Hersteller nie trauen: Eine Handyplattform zur Verfügung zu stellen, welche die Entwickler-Community dann passend mit „eigener“ Software versorgen kann, wie das N900.

Vielleich könnte man einmal etwas total bahnbrechendes machen:

Alle guten Geräte der Vergangenheit hervolholen und neu auflegen und dabei noch besser machen. Vielleicht das Nokia 2110i oder das Nokia 6310i mit dem genial einfachen Benutzerinterface und den Original-Anschlußbuchsen, aber im Handy zeitgemäße Technik mit

Quadband GSM, GPRS/EDGE ? Wer noch ein Auto mit passenden Anschlußbuchsen hat, wäre dafür überaus dankbar.

Wetten? Diese Repliken ließen sich wie geschnitten Brot verkaufen.

Die Communicator-Modelle. 9000 für heute etwas groß, aber der 9110 wäre auch heute noch konkurrenzfähig. Vielleicht das Schwarz-Weiß-Display behalten, aber innendrin Quadband GSM, GRPS/EDGE, vielleicht sogar UMTS/HSPA und viel viel Speicherplatz, ein Schacht für eine Micro-SD-Karte (notfalls anstatt der MMC)

Vielleicht den Communicator 9500 mit gleichem Look and Feel aber einem kleinen Touchscreen, der via Stift bedienbar ist? Das Innenleben wesentlich schneller und mit stabilerer Software als bisher?

Wenn das alles klappt, wird dabei auch das Know How entstehen, um Schlachtschiffe wie das N97 beweglicher und zuverlässiger zu machen.

Nokias Stärken sind Telefone, mit denen man Telefonieren und richtig arbeiten kann. Bei den klickibunten Spielzeugen aus Fernost bin ich mir da nicht so sicher.

Was in der Branche eine Innovation wäre, wäre die Beständigkeit: Geräte, die vor 10 Jahren gekauft wurden, die heute noch mit Software und Service unterstützt werden. Abwärtskompatible Anschlüsse und Adapter. Dann könnte Nokia den Leuten von Apple die lange Nase zeigen, die von ihren iPhone Kunden der Stunde 0 jetzt erwarten, ihr Handy wegwerfen zu müssen, weil alle künftigen Updates nicht mehr auf ihren iPhones 1.0 laufen sollen.

Nokia, das wäre innovativ.

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2 Antworten to “Was erwarten Nokia-Fans? – Innovatives Lernen aus der Vergangenheit”

  1. martin Says:

    Die Seitenhiebe auf Apple finde ich etwas gewagt. Nokia ist notorisch dafür bekannt, buggy Handys auszuliefern und niemals mit Updates zu versorgen. Ob Apple wirklich keinen Legacy-Zweig des OS 3 pflegen wird, wird sich hingegen erst noch zeigen.

  2. Markus Göbel Says:

    Das N900 würde ich seit heute eher als Negativbeispiel sehen:

    http://www.areamobile.de/news/15416

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