Netzauslagerung: Macht Vodafone den gleichen Fehler?

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Vor drei Jahren hat Vodafone Chef Friedrich Joussen in einem Focus-Interview gesagt, daß er sein Netz nicht auslagern werde, da dies ja seine Kernkompetenz sei. Das war 2007 absolut richtig und ist es heute auch noch. Doch die aktuellen Meldungen sind alarmierend: Jetzt will Vodafone auch seinen Netzbetrieb auslagern. E-Plus hat damit angefangen, o2 machte es nach und jetzt Vodafone? Ein kapitaler Fehler.

Der Bereich Vodafone-Netzbetrieb mit rund 630 Beschäftigten soll an einen externen Partner wie die deutsch-französisch-amerikanische Alcatel-Lucent, die schwedische Ericsson, die deutsch-finnischen Nokia-Siemens-Networks  oder die chinesische Huawei ausgelagert werden. Die betroffenen Vodafone-Mitarbeiter wurden gestern im Rahmen einer Betriebsversammlung darüber informiert,  die Gründe nannte Vodafone Technik-Chef Hartmut Kremling in einer Rundmail.

Ganz klar: Für die betroffenen Mitarbeiter wird es (zunächst) eine Arbeitsplatzgarantie geben, die Konditionen der bisherigen Arbeitsverträge werden erstmal übernommen – typischerweise ein, zwei oder drei Jahre, danach wird neu verhandelt.  Die richtig guten Leute werden sich das genau anschauen und sind schneller weg, als man schauen kann.

Vodafone begründet seine Auslagerungspläne mit „steigenden Anforderungen und dem bald beginnenden Einsatz des neuen Mobilfunkstandards LTE“. Deshalb soll die Netzwartung „bevorzugt“ an einen Netzwerkausrüster vergeben, der dann auch gleich die Ausrüstung mitliefert.

Nichts verstanden?

Stellen Sie sich eine Bäckerei vor, wo der Bäcker seine Backstube an den Hersteller des Backofens „auslagert“. Der Backofenhersteller backt ihm künftig auch gleich die Brötchen. Das klingt auf den ersten Blick toll, weil der Bäcker nur noch die Brötchen, Brezeln und Brote bezahlen muß, die ihm die Backstube liefert. Regelmäßige Löhne und Gehälter, Fortzahlungen im Krankheitsfall all das hat der Bäcker erst einmal los und der Backofenhersteller wird darauf achten, daß er seine „Kosten“ im Griff hat.

Vielleicht hat sich der Backofenhersteller im Kleingedruckten das Recht ausbedungen, mit dem Backofen auch einmal Brötchen für den Nachbarn zu backen, oder in ruhigen Zeiten sein Backpersonal in eine andere Backstube um zu dirigieren. Ergebnis: Die Leute sind intensiver und gleichmäßiger ausgelastet.  Klingt doch toll – oder etwa doch nicht?

Wenn aber der Bäcker auf einmal mehr Kundschaft als geplant hat oder bei ihm um die Ecke eine große Fete steigt, dann muß der Bäcker bei seinem Lieferanten bitten und betteln, daß er ihm kurzfristig hilft. So Knall auf Fall geht das aber nicht mehr, weil die ehemaligen Leute längst anderweitig verplant sind. Weil aber der Lieferant seinem Kunden was Gutes tun will, schlägt er ihm vor – gegen Aufpreis natürlich – zusätzliches Personal anzufordern. Ob das neue Personal vom „eigenen“ Netz wirklich Ahnung hat, ob dieses „Fremdpersonal“ ein persönliches Interesse hat, daß das „eigene“ Netz immer gut funktioniert oder die nur wissen wollen, wann Feierabend ist, weil sie frustriert sind, das weiß man heute nicht.

Aber die Kostenrechner von Vodafone plc im schönen England möchten gute Zahlen sehen, weil die Londoner „City“ (ein Synonym für die Londoner Börsenwelt) supergute Zahlen sehen wollen. Auf der anderen Seite winken die sinkenden Kundenzahlen (weil der Markt vollkommen übersättigt ist) und weil viele Kunden ihre Verträge kündigen oder Karten reduzieren und nicht mehr einsehen, für 79, 69 oder 59 Cent pro Minute zu telefonieren, wenn es für 9 Cent oder noch weniger geht.

Da die EBITDA-Margen von rund 40% nicht angegriffen werden dürfen, kommt es zu Sparzwängen und Frust bei den Beschäftigten. Eine Spirale wird losgetreten, die am Ende nicht gut sein kann.

Das Fatale: E-Plus hatte damit als Erster scheinbar Erfolg. Die quartalsmäßig vorgelegten Zahlen sehen immer traumhaft aus. Ok, von E-Plus erwartet die Kundschaft eigentlich nur niedrigste Preise. Ultimative Netzqualität liegt da nicht unbedingt im Focus, aber wenn man die Kunden danach fragt, dann klagen sie über Funklöcher, Überlast, Gesprächsabbrüche.

Das Dumme ist nur: In Sachen Funklöchern, Überlast und anderen Störungen haben die „Großen“ die „Kleinen“ erschreckend eingeholt. Warum sollte also ein Kunde zum „teuren“ Netz gehen, wenn es da auch nicht (mehr) besser ist?

Ist Mannesmann D2 (heute Vodafone D2) nicht als das „bessere Netz“ gestartet, lagen die Netzbauer von Vodafone D2 in Sachen UMTS/HSPA Ausbau ihrer Konkurrenz nicht jahrelang meilenweit vorraus?

Von nichts kommt nichts. Man kann nicht nicht sein Netz zusammen sparen und gleichzeitig hoffen, mit möglichst hohen Tarifen weiter am Markt bestehen zu können. Soll heißen: Wenn Vodafone etwas teurer als anders wo sein will oder muß, dann müssen sie dafür auch ultimativ mehr und besseres Netz und Service bieten.

Frustrierte Kunden kündigen und gehen. Sicher: Bei den „Anderen“ tobt der gleiche Sparwahn, aber vielleicht hat man Glück und erwischt einen Anbieter, der da, wo man es erwartet wirklich gutes Netz liefern kann.

Vor wenigen Jahre hat die E-Plus-Gruppe ihren Netzbetrieb an den Technologie-Konzern Alcatel-Lucent ausgelagert, um Kosten zu sparen. Erzkonkurrent o2 hat seine Netz-Wartung und -Service Anfang des Jahres an den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei abgegeben. Damals betonte o2, dass die Verantwortung für Netzbetrieb und die Netzentwicklung weiterhin beim Unternehmen selbst liegen, auch E-Plus legt darauf allergrößten Wert, daß die Netzplanungsabteilungen weiterhin in E-Plus Hand sind.

Man mag mich für sozialromantisch oder für altmodisch halten, aber : Ein Netz ist das wichtigste „Asset“ wie es neudeutsch heißt, ein Alleinstellungsmerkmal („USP“) womit man sich wirksam von der Konkurrenz abheben kann. Wenn Netz A in Klein-Kleckersdorf  funktioniert, Netz B aber nicht, kann das für viele Kunden ein Entscheidungsgrund sein, zu A zu gehen oder gar zu wechseln.

Man darf aber nicht laut über sein eigenes gutes Netze sprechen wollen, dann aber in der Praxis alles „kaputt“ sparen. Am Anfang wird noch alles gut laufen. Irgendwann geht dann etwas schief und dann wird man sich wundern, wie „lange“ die Wege von der Reklamation des Kunden bis zur Lösung und Beseitigung des Problems auf einmal dauern, weil keiner mehr direkt zuständig ist und alle guten Leute längst weg sind.

Wir Kunden, die wir immer wieder von günstigen Preisen träumen haben die Entwicklung vielleicht stärker beschleunigt, als uns lieb sein kann. Gleichwohl: Wenn ein Netz nicht funktioniert, scheuen sie sich nicht, der Hotline freundlich aber bestimmt auf die Nerven zu gehen, bis es die Verantwortlichen mitbekommen.

Ohne Netz ist jeder Anbieter gar nichts. Das scheint irgendwie in Vergessenheit zu geraten.

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8 Antworten to “Netzauslagerung: Macht Vodafone den gleichen Fehler?”

  1. Ingolf Says:

    Tja, E-Plus (Base, Simyo …) ist wenigstens billig. O2 hat mit dem O2 0 einen innovativen Tarif. T-Mobile hat neben dem guten Netz wenigstens noch das iPhone. Mit Vodafone verbinde ich neben dem guten Netz vor allem hohe Preise und Vertragstarife mit lauter Haken und Ösen. Außer dem guten Netz gibt es eigentlich wenige Argumente Vodafone zu wählen. Trotzdem werde ich das Netz erst einmal weiternutzen. Nicht weil ich überzeugter Vodafone-Fan bin, sondern weil sie die Vertragstarife irrsinnig subventionieren und sich so über Auszahlungen rechnerisch recht günstig mobiltelefonieren lässt. Wo kriegt man schon gleich eine (5 Gigabyte) Daten“flat“ für rechnerisch 15 Euro im Monat?

  2. harry Says:

    Die Entscheidung von Vodafone ist falsch. Die Netztechnik ist der Kern des Unternehmens.

  3. Otto Knopf Says:

    Die Mitarbeiter, die bisher mit „Herzblut“ für „Ihr Netz“ da waren, werden dann wohl in Zukunft nur noch „Dienst nach Vorschrift“ machen – mit entsprechender Netzqualität! Und ob die Kunden diese Qualität dann für teures Geld noch nutzen wollen???

  4. Uwe Says:

    Das der überlastete Zeitarbeiter, der am Ende der Kette steht und für 3 Kunden gleichzeitig einen Mast reparieren soll bei einem Stundenlohn von 8 Euro brutto dann Dienst nach Vorschrift schiebt ist eigentlich logisch.
    Logisch ist aber auch, das selbst die loyalsten Kunden irgendwann merken, das sie über den Tisch gezogen werden : Premiumpreise verlangen aber Discount Service bieten ist noch nie langfrsitig gut gegangen …

    Wenn ich einen Mercedes kaufe, möchte ich auch ungern einen Motor vom Dacia Logan da drin finden und meinen Kundendienst bei freundlichen Landmaschinenmechaniker mit angeschlossenem Dacia Sercive machen lassen – dann kaufe ich mir gleich das Original direkt bei Dacia und spare mir die 80% Mehrkosten gegenüber dem Mercedes …

  5. Fido Says:

    Der Satz
    „Da die EBITDA-Margen von rund 40% nicht angegriffen werden dürfen …“
    zeigt bereits, dass die Vermutung
    „Wir Kunden, die wir immer wieder von günstigen Preisen träumen haben die Entwicklung vielleicht stärker beschleunigt, als uns lieb sein kann.“
    micht ganz hinhauen kann. Ich sehe die Schuld hier nicht bei den Kunden. Im Bereich Mobilfunk sind die Deutschen überdurchschnittlich ausgabefreudig und wir haben – von den Gesprächspreisen bei Simyo und Verwandten mal abgesehen – keine günstigen Mobilfunkpreise hierzulande.
    Wenn trotz Spitzen-Margen gespart wird, liegt das nur am Geldscheffel-Wahn der Netze bzw. ihrer Aktionäre.

  6. Frank Says:

    Vodafone plant jetzt auch die IT auszulagern

    Hier ein Text eines Flugblatts der IG-Metall:

    IT-Bereiche sollen verlagert werden

    Das Vodafone-Management lässt prüfen, ob bestimmte ITAufgaben
    in Ratingen wegfallen sollen. In dieser Woche untersuchen
    Mitarbeiter der indischen Vodafone-Tochter VISPL (Vodafone
    India Services Private Limited), ob und wie die Aufgaben
    des Monitorings und der Abteilung Backup & Scheduling nach
    Indien verlegt werden können. Betroffen sind 80 Mitarbeiterinnen
    und Mitarbeiter, davon 56 in Ratingen, die jetzt um ihre Arbeitsplätze
    bangen. Offiziell soll die Entscheidung in der zweiten Julihälfte fallen.

    Spielt Qualität keine Rolle mehr?

    Das Data Centre in Ratingen-Lintorf arbeitet exzellent. Es wurde
    mehrfach ausgezeichnet, neben den Zertifizierungen für Qualitätsmanagement, IT Service Management und Information
    Security Management erhielt es in diesem März das TÜV-Zertifikat
    für ein besonders energieeffizientes Rechenzentrum. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten gute Arbeit, die technische
    Infrastruktur stimmt. Doch das alles scheint für das Management nicht mehr zu zählen. Kurzfristig wurden in der vergangenen Woche die betroffenen Beschäftigten durch das Management informiert, dass
    eine Verlagerung nach Indien geprüft werde. Outsourcing ohne Ende?
    Sollte das Gutachten zu dem Ergebnis kommen, dass eine Verlagerung
    der Aufgaben an die Vodafone-Tochter in Indien technisch und ökonomisch sinnvoll ist, wäre dies zum Oktober 2010 das Aus für den Bereich Monitoring, der Bereich Backup & Scheduling würde im
    Januar 2011 folgen. Die Geschäftsführung hat sich bisher noch nicht dazu geäußert, ob die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort in anderen Abteilungen weiterbeschäftigt würden.
    »Die Entscheidung ist unsinnig «, ärgert sich Max Kompalik, Betriebsratsvorsitzender bei Vodafone in Ratingen-Lintorf,
    »eine gut funktionierende Rechenzentrumsstruktur wird so
    zerschlagen«. Erfahrungen in anderen Bereichen zeigen, dass
    solche Verlagerungen zu großen Problemen und weniger
    Qualität führen, da das IT-Wissen sich nicht beliebig an einen
    anderen Standort in der Welt weiterreichen lässt. Dies geht zu
    Lasten der Kundenzufriedenheit. Viele Firmen haben dies erkannt
    und haben Aufgaben wieder nach Deutschland zurückverlagert.
    Die Motivation der betroffenen Mitarbeiter ist verständlicherweise
    im Keller. Wie die Kolleginnen und Kollegen im D2-
    Field-Service müssen sie die Erfahrung machen, dass ihre gute
    Arbeit nicht mehr zählt. Nicht nur die Betroffenen machen
    sich Sorgen um ihre Zukunft, viele Beschäftigte fragen sich,
    welche anderen Bereiche künftig betroffen sein könnten. Vieles
    deutet darauf hin, dass die Verlagerung dieser beiden Aufgabenbereiche
    nur der Aufgalopp dafür ist, sämtliche operativen IT-Arbeiten nach Indien abzuziehen. Gutachten nur zum Schein Die IG Metall und ihre Betriebsräte rechnen nicht damit, dass das Gutachten zu dem Ergebnis
    kommt, dass der Standort in Ratingen-Lintorf besser geeignet
    sei. Die VISPL prüft, und wird wohl kaum zu dem Ergebnis kommen, dass sie nicht in der Lage ist, die IT-Bereiche zu übernehmen.
    Die IG Metall ruft alle Beschäftigten auf, sich an der Unterschriftenaktion
    zu beteiligen und sich solidarisch mit den betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu zeigen. Es geht dabei auch darum, die eigenen Arbeitsplätze
    in Ratingen-Lintorf zu sichern. Nur möglichst breiter Druck der schäftigten
    kann das Management jetzt noch stoppen.

    hier noch zwei Links zu dem Thema:

    http://www.vodafone.igm.de/news/meldung.html?id=39368

    http://www.transnet.org/Gewerkschaftsarbeit/Branchen/Telekommunikation/.ARCOR/10_07_14_Vodafone_Ratingen/

  7. DroppCall Says:

    Ich bin auf die gesamte Führung von VF nicht gut zu sprechen:-(

    Sie sollten an einem biblisch heißen Ort am eigenen Leibe erfahren, wie sich die Leute an der Basis fühlen.

    (Edit: Leicht entschärfte Fassung)

  8. Paulchen Says:

    Nachdem nun der Fieldservice zum 1. Oktober 2010 an Ericsson ausgegliedert wird, bleibt abzuwarten, wie sich die Netzqualität im Funk- und Festnetz weiter entwickelt. Und wie die Kunden reagieren…
    Wenn der (vermutlich kurzfristige) Spareffekt vorbei ist, kann man sich fragen welche Abteilung die nächste ist, die dem Sparzwang Englands und dem Shareholdervalue zum Opfer fallen.
    Wir werden sehen………..

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