Ganz Deutschland ist flächendeckend versorgt…

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Ganz Deutschland ist flächendeckend mit digitalem GSM-Mobilfunk versorgt. Nur in ein paar kleinen Gebieten gibt es einige unbeugsame Gallier…

Funkloch bei Raubach (Odenwald)

Funkloch bei Raubach (Odenwald)

Im Ernst: Ist Deutschland im Jahre 18 nach dem Start des GSM-Mobilfunks flächendeckend versorgt? Kann man in jedem bewohnten Ort oder auf jeder öffentlich befahrbaren Straße mobil telefonieren? Mitnichten.

Während die Techniker bereits am Netzausbau mit der vierten Generation namens „LTE“ tüfteln, leiden eine ungezahlte Menge Mitmenschen noch unter Funklöchern mit der fast schon altmodischen GSM-Technik. Sicher, nicht immer sind die Kostenrechner der Netzbetreiber schuld, die mit möglichst wenig Stationen möglichst viel Fläche „irgendwie“ erreichen wollen, hier und da gibts auch einige unbeugsame Strahlenschutzgegner, die keine neuen Sendestationen möchten, weil es schwer zu verstehen ist, daß die Strahlenbelastung dadurch stärker wird, wenn zu wenige Sendestationen erreichbar sind, weil das Handy am Kopf dann mit voller Leistung nach der nächsten Basis „schreien“ muß, aber das nur am Rande.

Eine schlichte Internetseite wie http://www.kein-netz.de/ meldet täglich über Twitter neue Funklöcher, die Statistik dort zeigt aktuell 1032 Funklöcher bei T-Mobile, 663 bei Vodafone und „nur“ 865 bei E-Plus und 709 bei o2 an. Heißt das, T-Mobile hat soviele Funklöcher oder sind T-Mobile Kunden einfach nur anspruchsvoller? Wenn T-Mobile (und Vodafone) zu den – je nach gewähltem Tarif – teuersten Anbietern im Lande gehören, dann erwarten die Kunden da halt einfach mehr Netzausbau und Qualität.

Für Menschen, die ihr Handy ernsthaft brauchen, gibts im Moment zwei Möglichkeiten: Man verwendet eine ausländische SIM-Karte, welche in allen Netzen roamen kann. Der Spaß bietet wesentlich mehr Möglichkeiten, weil abwechselnd irgendein Netz doch noch verfügbar ist, geht aber bei Vieltelefonierern richtig ins Geld, weil nicht nur abgehende sondern auch ankommende Gespräche deutlich teurer als bei einer inländischen Karte sind. (z.B. 25 Cent ankommend, 60 Cent abgehend) denn Sie telefonieren per Roaming als „Ausländer in Deutschland“.

Die zweite Möglichkeit ist der Einsatz eines Dual-SIM-Handys. Diese Handys, welche der Alptraum der großen Netzbetreiber zu sein scheinen, haben zwei SIM-Karten und zwei Handys in einem Gehäuse. Sie sind ankommend auf zwei Nummern erreichbar und abgehend können SIe jedesmal wählen, welches Netz (und welchen Tarif) Sie verwenden möchten: Vielleicht einen 9 Cent-Tarif mit bezahlbaren Datenoptionen im E-Plus oder o2 Netz und einen 9 Cent-Tarif oder eine Festnetz/Netzintern-Flatrate in einem D-Netz beispielsweise.

Ganz Deutschland ist flächendeckend versorgt?

Aus 89447 Zöschingen (Bayern) meldet ein Blogleser:

  • T-Mobile: GSM / 3G nicht verfügbar
  • Vodafone GSM/3G: ***verfügbar***
  • E-Plus GSM: ***verfügbar*** (3G nicht)
  • o2:  GSM/3G nicht verfügbar

Das ist nur ein willkürliches Beispiel, aber es zeigt, daß man nicht mehr vorhersagen kann, daß der Testsieger T-Mobile wirklich überall verfügbar ist und E-Plus überall nur das „schwächste“ Netz habe. So einfach ist es schon lange nicht mehr. Und es gibt auch Ballungsgebiete mit ärgerlichen Funklöchern – in allen Netzen. Mehr als genug.

Kleiner Insider Tipp: Probieren Sie mal ein UMTS-Handy. Es gibt Ecken in Deutschland, wo etwa Vodafone D2 oder o2 nur mit UMTS versorgen. Mit einem älteren GSM-only Handy sind Sie da verloren, mit UMTS können Sie hingegend problemlos telefonieren. Nun haben UMTS-Handys der ersten Generation oft Probleme mit einem sauberen Handover zwischen GSM (2G) und UMTS (3G). Oder vor Ort stehen noch Sender der ersten UMTS-Generation, welche die Umschaltung irgendwie nicht hinbekommen. Da kann es passieren, daß man trotz „Netz“ nicht erreichbar ist. Dann muß experimentieren und notfalls den UMTS oder GSM Modus im Handy wieder abschalten. Macht irgendwie auch keine Freude.

P.S. Geschäftstüchtige Tourismus-Manager machen aus der Not eine Tugend und bieten Urlaub im Funkloch an. Vielleicht ein Kompromiss: „Handyschutzgebiete“ in Deutschland ausweisen, wo dann aber ausreichend kabel- oder glasfaser gebundende Telefonzellen montiert werden und sonst kein Sender hinkommt. Wer dorthin fährt, weiß, worauf er sich einläßt.
Wir sehen: Es gbt noch viel zu tun. Fangt endlich an.

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4 Antworten to “Ganz Deutschland ist flächendeckend versorgt…”

  1. iDet Says:

    Hallo Hennig,

    wieder mal ein sehr schöner Beitrag von Dir! Zum Thema Tourismus-Manager: Der kleinste Netzbetreiber versucht schon seit Jahren auf Spiekeroog eine eigene Versorgung zu realisieren. Seit dem Abschalten des T-Mobile-Roamings kann man am Strand ein paar schwache o2-Balken bekommen.

    Die Inselgemeinde sucht mit Hilfe von so genannten Fachleuten nach einer Gesamtlösung. Ich habe schon oft in Spiekeroog angerufen, ob nun endlich o2-Versorgung vor Ort ist …. nee.

    Es ist schrecklich wie lange es oft dauert bis Netzbetreiber bauen dürfen. Vor rund neun Jahren wollte damals noch T-Mobil einen Mast bei uns in der Nähe bauen. Damit hätte sich in meinen Ortsteil die Versorgung deutlich. Durch einen Bürgerinitiative ist das Vorhaben eingestampft worden.

    T-Mobile, vodafone und ePlus und o2 haben hier nur ganz schwache Versorgung, wobei die beiden letztgenannten durch einer besseren Standort auch die „bessere“ Versorgung bieten. T-Mobile wird GSM- und UMTS-mässig nicht mehr machen. vodafone auch nicht. Nur o2 hat einen neuen Standort gefunden. Wenn diese onAir ist wird o2 hier der besten Anbieter sein. Mal sehen wie lange es dauert bis sich die anderen mit an den Mast hängen wollen 😉

    Nein … ich finde diese Netzlücken einfach nur peinlich. Vor allem bei den den Großen. Gerade vodafone ist im GSM oft sehr sehr dünn!

    Auch LTE wird die GSM-Löcher nicht schließen !!!!!

  2. Tweets that mention Ganz Deutschland ist flächendeckend versorgt… « Henning Gajek's Blog -- Topsy.com Says:

    […] This post was mentioned on Twitter by KEIN-NETZ.de and KEIN-NETZ.de. KEIN-NETZ.de said: KEIN-NETZ.de meint nein 🙂 RT @ HRGajek Ganz Deutschland ist flächendeckend versorgt…: http://wp.me/pSBRX-5R […]

  3. Andreas G. Says:

    Bei dem genannten Mobilfunkprovider gibt es in Österreich jetzt einen EU-weiten Vertrag, wenn man nur eine SIM-Karte bestellt, sogar ohne Mindestlaufzeit – inklusive Minuten, die europaweit gültig sind. Genauso gehören Inklusiv-SMS zu einem unglaublich günstigen Preis dazu. Der Tarif heißt „Willkommen Österreich“ Netzbetreiber (EU-Weit günstig) Nur als Tip am Rande.

    Zur Roaming Erreichbarkeit: Das sind ja seit der Senkung auf nur 17 Cent jetzt also keine grossartigen Kosten mehr. Wenn man (mit der österreichischen Karte!) selber abgehend telefoniert dann (im Rahmen der Inklusiv-Minuten) gratis sozusagen und empfangen hmm 17 cent ist doch nix oder wie seht ihr das!!

    (Anmerkung von hrgajek: Ich habe versucht, den Text lesbarer zu gestalten.)

  4. Marc Dávid Várdai Says:

    Die Erwartungshaltung des Durchschnittsdeutschen speist sich meiner Meinung nach aus der vorgelebten Erreichbarkeit in unseren Nachbarländern. Warum sollte man in der großartigen BRD Abstriche im Empfang machen müssen, wenn in Österreich selbst jedes letzte Kuhkaff mit besten Werten gesegnet ist? Dass dabei die Meisten vergessen, dass in Deutschland grundsätzlich mehr Menschen auf viel mehr Fläche herumwuseln, is denen doch unerheblich. Erst wenn fünf von fünf Balken erreicht sind, und die Datenflatrate endlich auch wirklich eine Flatrate ist, wird sich das Problem von selbst erledigt haben.

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