Du ungebliebte de-mail-Adresse ?

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Für viele Menschen sind PCs und Internet bis heute eine reine (praktische) Spielerei.

PCs zu Hause: Oft höchst modern und leistungsfähig.
PCs in der Firma: Alte Gurken, schwach auf der Brust, vielleicht noch unter Windows 3.1, vielleicht schon Windows 95, 98, ME oder gar 2000?

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e-mails zu Hause: Meist ein Free-Mailer wie GMX, web.de, Freenet.de seltener AOL.com und schwer im Kommen: googlemail. Oft eine Adresse beim verwendeten Internet-Zugangs-Provider wie T-Online, online.de (1&1) oder. Ganz edel: eine eigene Domain – bei Privatleuten eher seltener.

e-mail in der Firma: Seriöse Firmen mit ernsthafter IT haben eine Adresse mit Firmendomain also Vor.Nachname @ firma . de oder so.

Private e-mails in der Firma abrufen? Gerne, wenns der Chef erlaubt, aber nicht übertreiben!
Private e-mails mit einem e-mail-Programm via POP3 abrufen, oder gar IMAP4? Ähm, was ist das denn?

Private e-mail-Adresse dem Chef verraten, damit der nach Dienstschluß noch was fragen kann … Oh , nee, lieber nicht.

Hat man mit Behörden zu tun, ist Telefon und vielleicht ein Fax angesagt oder der klassische Brief.
Neuerdings auch per Homepage, e-mails an die Behörde gehen per web-Formular, vielleicht auch schon per „richtiger“ e-mail an eine Adresse, die von zig verschiedenen Leuten gelesen wird (oder auch nicht) und irgendwann beantwortet wird (oder auch nicht)

Private e-mail Adressen wie „Pusteblume@provider“ mögen privat ganz nett sein, im beruflichen oder offiziellen Mailverkehr sehen sie etwas „komisch“ aus.

Wichtige, amtliche Dinge per e-mail verschicken, ist schwierg. Technisch kann man das machen, aber noch fehlt eine Garantie, daß die Unterlagen beim richtigen Empfänger zweifelsfrei angekommen sind?
Wie stellt man sicher, daß der Mailempfänger sicher sein kann, daß der Absender der e-mail auch „echt“ ist?

Mails aus Afrika, Asien oder von sonstwo, die einem Millionengeschäfte versprechen, sind sicherlich nicht echt, aber die Spammer werden immer kreativer. Mails werden gelesen und gelöscht. Ex und hopp.

Seit Jahren gibts eine Möglichkeit seine Mails zu „signieren“, Internet-Cracks schwören auf „PGP„, doch der Aufwand ist beachtlich, übliche Mailprogramme brauchen Plug-Ins und wer lieber über den Web-Browser mailen will, hat größte Schwierigkeiten.

Da wurde de-mail erfunden. Eine offizielle staatlich anerkannte Mailgeschichte, die im ersten Anlauf die Deutsche Telekom, GMX.de und Web.de (United-Internet) und die Deutsche Post anbieten wollen, weitere werden folgen.

Die Idee ist klar: Ich schreibe einer Behörde oder Firma eine eMail und die wissen dann genau, daß ich es bin und ich weiß, daß die es wirklich gekriegt haben.

Dazu muß nach der Anmeldung eine Identitätsprüfung gemacht werden, etwa, daß man mit Pass oder Personalausweis und einem Schrieb des zugelassenen Mailanbieters auf die Post oder das Rathaus geht und sich das alles bestätigen läßt. Wer web.de Kunde der allerersten Stunde ist, bekam seinerzeit eine Postkarte mit einem Freischaltcode, eine schwache Form der Identitätsprüfung, die bald aufgegeben wurde, weil das Porto doch zu teuer war.

Die Deutsche Post hatte epost, eine wegweisende Idee einer elektronischen Adresse, doch die Kostenrechner bei der Post sahen nur den Aufwand für die Computer-Systeme und wußten nicht so recht, wie man Mails berechnen könnte, das Verfahren wurde eingestellt und viel Vertrauen in die „Post“ zerstört. Wer sich jetzt bei der Post neu anmeldet, hat gute Chancen seine „alte“ epost-Adresse wieder zu bekommen.

Jetzt kommt de-mail wieder und eigentlich sollten wir uns freuen können. Tun wir aber nicht. Die Bedenkenträger, Skeptiker und Miesmacher beherrschen die Szene. Immerhin: de-mail ist freiwllig. Wer es nicht nutzen will, braucht es nicht zu beantragen.

Vielleicht liegt auch die Aussicht schwer im Magen, daß de-mails künftig Geld kosten könnten. Einige Mails könnten im Monat frei sein, oder Mails mit amtlicher Zustellquittung kosten Geld, sicher ist nur, daß die Preise unter denen eines heutigen Papierbriefes liegen müssen. Wer viele Mails verschickt, dem wird es sicherlich schwül, wenn er die alle bezahlen soll. Hier muß schleunigst Klarheit und Wahrheit her.

Und damit nicht genug: Wenn künftig eine de-mail nicht ankommt, soll die Beweislast beim Bürger liegen. Das klingt am grünen Tisch klar und eindeutig, ist in der Praxis aber unrealistisch, weil offenbar kaum jemand weiß, wie gut private PCs gewartet und konfiguriert werden. Da muß es einen Mechanismus geben, der dem Absender auch meldet, wenn der Empfänger mit seinem PC Probleme hat und die Mails momentan nicht empfangen kann (oder will?) und dann darf eine steckengebliebene Mail nicht zum Nachteil ausgelegt werden!

Sonst wird sich kaum jemand trauen, eine de-mail Adresse zu beantragen, weil sonst künftig nicht gelesene oder „nicht erhaltene“ Mails zum gewaltigen Nachteil ausgelegt werden können.

Viele Menschen sehen PC und Internet als nette „Spielerei“. Wenn eines Tages die Quasi-Pflicht zum „Abholen“ der elektronischen Post kommt, sehen viele Menschen „rot“ schalten ab und schimpfen. Daß der Trend auf die Dauer kaum aufhaltbar ist, wollen viele Menschen nicht einsehen.

Klar: Der freundliche Briefträger, der persönlich die Post an der Tür abgibt, ist mir auch symphatischer. Aber die Zeiten wandeln sich. Ich habe mich für de-mail „vorregistriert“ und wünsche mir ein einfach nutzbares, bezahlbares und gut funktionierendes System. Mit reinem Verweigern und Herumjammern wird das bestimmt nicht kommen.

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9 Antworten to “Du ungebliebte de-mail-Adresse ?”

  1. Thomas K. Says:

    Hallo,

    also auch ich bin Kunde bei http://www.gmx.de und habe als solcher die Möglichkeit diese Email-Adresse zu erhalten.

    Beantragt habe ich diese auch bereits, wenn gleich ich von der Art und Weise wie es funktioniert nicht gerade begeistert bin.

    Schon wieder muss man sich eine neue Email-Adresse zulegen, schon wieder verwirrt man damit Freunde, Bekannte und Geschäftspartner.

    Wieso kann man nicht einfach eine besondere Zertifizierung einrichten beim Anbieter, welche es erlaubt, seine bisherige Adresse auch weiterhin benutzen zu können ?

    Ich bin doch bereits Kunde von GMX und habe nun, nicht nur die Email-Adresse: mustermann@gmx.de sondern soll zukünftig auch mustermann@gmx.de-mail.de erhalten.

    Unpraktisch und verwirrend.

    Dieser Dienst wird sicherlich nicht ankommen in dieser Art, so meine bescheidene Meinung …

  2. Tobias Says:

    Bei aller Umweltliebe und Technikbegeisterung zweifle auch ich daran, dass die de-mail der letzte Versuch bzw. die Endlösung sein wird.
    Eine vollständige Umstellung auf e-post kann erst erfolgen, wenn die Rentner und Computer-Gegner Geschichte sind und durch die Tech-Generation abgelöst werden. Würde man heute versuchen die Briefpost zu reduzieren und den Vorgang bewusst verkomplizieren um auf e-post zu drängen, wäre böses Blut und negativ-Image vorprogrammiert….

  3. Tweets that mention Du ungebliebte de-mail-Adresse ? « Henning Gajek's Blog -- Topsy.com Says:

    […] This post was mentioned on Twitter by Henning Gajek. Henning Gajek said: Du ungebliebte de-mail-Adresse ?: http://wp.me/pSBRX-6g […]

  4. hrgajek Says:

    Hallo Thomas,

    so ist das nicht gedacht. Die de-mail Adresse soll ja nur für „wichtige“ Sachen benutzt werden. Für die Kleinanzeige oder die Einladung zum Kegeln, Boccia, Kneipentour etc. kannst Du ja weiterhin mustermann@provider verwenden 🙂

  5. Michael Dornieden Says:

    Und wie funktioniert das ganze bei einer eigenen Domain?!

  6. Michael Says:

    Hallo Henning,

    auch mangels komfortabler Bedieneroberfläche werde ich ePost nur für Korrespondenz mit Behörden/als Telegrammersatz
    für Mitteilungen an Menschen ohne Internet nutzen (55 Cent ist für Ausdrucken/Eintüten/Zustellen lassen preiswert).
    Also nicht für meine wichtigen E-Mails, sondern nur als notwendiges Übel…

    Denn wenn man sich erst einmal an die bedienerfreundliche Webapplikation Google Mail gewöhnt hat, ist die Bedienung
    von epost.de und ähnlichen Bedieneroberflächen eine Qual!

    Von Hand schreibe ich seit Jahren nichts Offizielles mehr; Ausdrucken muss ich nur Kündigungen und Post an Behörden.
    Dank einer reichhaltigen Auswahl an Copy-Shops habe ich aber privat noch nie einen Drucker kaufen müssen.
    Für Schriftverkehr mit Behörden und Firmen nutze ich nun den EPOSTBRIEF, wie er grammatikalisch falsch genannt wird.
    (Abkürzungen schreibt man in Versalien, Postmanager sollten mal Bastian Sick lesen… 🙂 )

    Vielleicht reagiert die Post auf Verbesserungsvorschläge von Großkunden besser als auf Stimmen eigener Mitarbeiter…

    Ciao,
    Michael

  7. hrgajek Says:

    Hallo,

    die ePost Idee ist doch ideal:
    Oma Meier-Müller schreibt einen Brief an
    matthias.mustermann@epost.de
    c/o epost-Zentrum
    Postfach
    Postleitzahl Ort

    Die Post öffnet den Brief scannt ihn ein und schickt den Scan an matthias.mustermann per e-mail.

    Matthias Mustermann schreibt an Oma Meier Müller. Die bekommt eine e-mail Adresse bei der aber „hinterlegt“ ist, daß die Mail beim ePost-Zentrum ausgedruckt und per Briefträger zugestellt wird.

    Das halte ich für eine sinnvolle Geschichte.

    Das de-mail Prinzip wäre in der Tat längst mit einem Schlüsselverfahren a la PGP machbar…

  8. Ingolf Says:

    Wozu brauche ich das?

    Will ich etwas online bestellen, geht das auch heute schon ohne diese tolle Mailadresse. Will ich hingegen meinen Handyvertrag kündigen, bedarf es – natürlich nur aus Sicherheitsgründen – der besonderen Schriftform. Wetten, dass man auch künftig per Brief oder Fax kündigen muss? Per de-mail wäre es schließlich viel zu einfach. Da könnte ja der Kunde auf die Idee kommen, seinen Vertrag ganz easy loszuwerden.

    Nächste Frage: Warum sollte ich es Behörden kostengünstiger ermöglichen mich zu erreichen? Die Tatsache, dass die förmliche Zustellung eines Bußgeldbescheides derzeit saftig Porto kostet, ist für mich als Bürger ein Vorteil. Könnte man diese Schreiben erst einmal quasi vollautomatisch für einen Nullinger verschicken, wäre es noch attraktiver immer neue Starenkästen aufzustellen.

    Am gravierendsten ist das Sicherheitsproblem. Dieses betrifft nicht nur die Hackersleute, sondern auch staatliche Stellen. Als Bürger werde ich so natürlich viel einfacher überwachbar, wenn meine ganze Korrespondenz in einem solchen Postfach liegt und dort womöglich auch noch dauerhaft gespeichert bleibt, weil es ja so bequem ist. Um derzeit an die gleichen Informationen zu kommen, müsste man schon eine Hausdurchsuchung machen und selbst dann würde vermutlich nur viel weniger gefunden werden.

    Nach alledem fällt mir derzeit einfach kein vernünftiger Grund ein, warum ich mir eine solche Mailadresse zulegen sollte.

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