„Antennagate“ – Physik bleibt Physik

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Ein neuer „Skandal“ erschüttert die Mobilfunkbranche: Antennagate. Oder ist es nur ein Lüftchen im Wasserglas? Das Antennenproblem.

Getroffen hat es jetzt Apple.

Der Weltkonzern Apple lud nach Kalifornien, um ausgewählte Journalisten zum „Antennagate“ beim iPhone4 zu informieren. Dessen Sende/Empfangs-Antenne befindet sich seitlich im Gehäuserahmen. Wenn man das iPhone ungeschickt hält, kann der Empfang schlechter werden oder ganz verloren gehen. Die Lösung: Ein „Verhüterli“ , eine wenige Cent teure Schutztasche, deren Wert unter Fachleuten – sagen wir mal – „umstritten“ ist.

Schlechter Empfang ist nervig bis katastrophal, wenn die Verbindung wegbricht. Wieviele Kunden unter schlechtem Empfang leiden, wir wissen wir nicht. Zuviele Kunden nehmen das als „gottgegeben“ hin, wenn ihr Netz nicht ausreicht. Schlechter Empfang ist in den USA aber ein noch viel größeres Problem, als hierzulande, weil US-amerikanische Netze längst nicht so dicht ausbauen (können), das Land ist dort einfach viel zu groß.

Versuche haben gezeigt, daß ungeschicktes Halten eines Handys mit integrierter Antenne schon den Empfang verderben kann, das ist logisch, weil es ein physikalisches Phänomen ist. Denn: Ohne Antenne gibts keine Funkverbindung.

Früher™ hatten die Handys noch Außenantennen oder wenigstens Antennenanschlüsse, heute ist das nicht mehr „schick“. Fragen Sie mal nach einem Ericsson GH 178, 197, Nokia 1011, 2110(i), Siemens S1, S3, oder S25 oder späteren Geräten wie dem Nokia 6150. Die haben noch sichtbare Außenantennen und empfangen an Stellen, wo heutige Modelle längst die Flügel hängen und die „Balken“ auf „Null“ rauschen lassen.

Apple versucht nun sein Antennenproblem als allgemeines Problem darzustellen, was nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig ist. Erstens ist das Problem nicht so dramatisch, jenachdem mit welchem Netz und in welcher Gegend man unterwegs ist. Zweitens kann man den Empfang drastisch verbessern, indem das Handy nicht ans Ohr gehalten, sondern mit einer Freisprecheinrichtung (Knopf im Ohr) betrieben wird.

Die Firma Research in Motion, kurz RIM, besser bekannt unter ihrem Produktnamen „Blackberry“ wehrt sich gegen die Unterstellungen von Apple: „Der Versuch von Apple, RIM in Apples selbstgemachtes Debakel mit hineinzuziehen, ist nicht akzeptabel. Bei Apples Behauptungen über Produkte von RIM scheint es sich um einen bewussten Versuch zu handeln, die Öffentlichkeit über das Thema Antennen-Design irrezuführen und von der eigenen schwierigen Situation abzulenken. RIM ist weltweit führend im Antennen-Design und stellt seit über 20 Jahren effiziente und leistungsstarke Produkte zur kabellosen Datenübertragung her. In dieser Zeit hat RIM bewusst davon abgesehen, auf Designs zurückzugreifen, wie sie Apple im iPhone 4 genutzt hat, und stattdessen innovative Designs eingesetzt, die das Risiko von Verbindungsabbrüchen minimieren, besonders in Bereichen mit limitiertem Empfang.

Eines ist sicher:

Kunden von RIM brauchen keine zusätzliche Hülle für ihr BlackBerry Smartphone, um vernünftigen Empfang zu haben. Apple hat bewusst Design-Entscheidungen getroffen, für die das Unternehmen nun auch Verantwortung übernehmen sollte, statt zu versuchen, RIM und andere in eine Situation mit hineinzuziehen, die ausschließlich mit Apple zu tun hat.“

Deutliche Worte. Der Empfänger eines beispielsweise Blackberry Curve 8310 kann sich im Alltag gut sehen lassen, wenn man nicht gerade abseits jeglicher Sendestationen unterwegs ist. Beim neuen Nokia E72 wurde die Antenne nach Foren-Berichten „unten“ unter der Tastatur eingebaut, während sie im E71 noch „oben“ (unter dem Gehäusedeckel) zu finden ist. Der Unterschied macht sich in der Praxis deutlich bemerkbar.

Würde wenigstens ein Netzbetreiber die Chance, die ihnen das iPhone bietet, doch begreifen und einen massiven Netzausbau starten. Ein Netzbetreiber, der auch da noch Erreichbarkeit bietet, wo andere Netze längst aufgegeben haben. Wissen Sie wie das ist, wenn Sie dringend telefonieren wollen und nicht können, ihr Nachbar aber kalt lächelnd weiter telefoniert?

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5 Antworten to “„Antennagate“ – Physik bleibt Physik”

  1. Thomas Says:

    Du sprichst mir aus der Seele! Bei meinem Nokia 2220 ist die Antenne unten -das muss man sich mal vorstellen- hinter den Hauptasten, und zwar genau da, wo die Handfläche naturgemäß drüberliegt! Das war mal wieder eine Meisterleistung der Ingenieure….
    Liebe Handyhersteller: Was um alles auf der Welt ist eigentlich an einer Außenantenne in ordentlicher Position, links oder rechts am „Kopf“ des Handys in Form eines Stummels oder -im Idealfall- zum herausziehen so furchtbar??? Die könnte man doch auch so installieren, dass man diese bei nichtgebrauch komplett versenken kann, ähnlich wie die Bedienstifte mancher Taschencomputer! Bei den professionellen Funkgeräten (Tetra-, BOS usw.) geht es doch auch!!!

  2. Patrick Says:

    Ja da bin ich auch dafür, baut endlich wieder Antennen an mobile Telefone. Ich denke da gern an den Commu (Nokia 9110) zurück, welcher ne kleine Antenne zu ausklappen hatte..

  3. Tim Says:

    Nokia E71: Antenne unten -> schlechter Empfang
    Nokia E51: Antenne oben -> hervorragender Empfang

    So einfach ist das. Bei Apple kann man immerhin noch mit mangelnder Erfahrung im Bereich Mobilfunk argumentieren, was bei Nokia doch deutlich schwieriger ist…

  4. Tom Says:

    Warum sollen die Handybetreiber ihre Netze ausbauen, damit die Hersteller schlechtere Antennen verbauen können? Immerhin sind Handymasten nicht unumstritten, kosten Geld und brauchen Energie. Ich sehe da eher Apple und Co. in der Verantwortung.

  5. harry Says:

    Die Empfangsempfindlichkeit vieler neuen Handys sind nur für Großstädte geeignet. Wo man früher problemlos telefonieren konnte, habe ich heute Gesprächsabbrüche.

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