Abschied vom Accompli

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Jetzt war es soweit. Ich habe mich wieder von einem Handy getrennt. Diesmal musste ein besonderes Exemplar das Haus verlassen: ein Motorola Accompli 008. Nachdem das Display gänzlich ausgestiegen ist, war es leider soweit und das Gerät gehört auf den Elektronikschrott. Dennoch ist mir das Telefon einen Blogeintrag wert. Es war in vielen Dingen ein Wegbereiter.


Der Motorola Accompli, ein Smartphone mit Touchscreen

Der Accompli 008

Ich bestellte mir mein Exemplar damals im Jahr 2003 als erste Vertragsverlängerung, die ich in meinem Leben gemacht habe. Aus heutiger Sicht betrachtet ist der Accompli ein Meilenstein gewesen der Vieles, was heute als besonders „cool“ dargestellt wird, schon konnte – teils gar besser.

Feature 1: der Touchscreen. Das Gerät konnte über einen Touchscreen bedient werden. Die verschiedenen Anwendungen waren einfach über vier Auswahlübersichten ausgewählt. Die Eingabe von Schrift erfolgte entweder per halbwegs gut laufender Erkennung oder per eingeblendeter Tastatur. Sonderzeichen waren ein gewisses Problem, aber auch das ging irgendwie. Das Gerät an sich hatte nur vier Tasten. Mit zweien konnte man scrollen, die anderen waren für Funktionen dar. Ein Escape gab es auch. Einmal wurde ich nach einer Tastensperre gefragt. Ernsthaft. Dabei war die nun wirklich simpel: zuklappen, fertig.

Feature 2: Multimessaging. Neben den üblichen SMS konnte sich das Gerät noch über andere Dienste verbinden. So war ein E-Mail-Client eingebaut – Versand via GPRS – und eine Fax Funktion. Letztere habe ich ein paar Mal genutzt. Hat echt Spaß gemacht, per Mobiltelefon Faxe zu versenden. Direkt und ohne Probleme.

Feature 3: Organizer. Das Gerät hatte einen vollständigen Organizer an Bord. Von der Terminverwaltung bis hin zu einfachen Texten, das wichtige war an Bord.

Feature 4: Internetzugang. Natürlich war ein Browser dabei. Ich erinnere mich noch gut, als ich mit der „click L“ Option im T-Mobile Roaming bei meinen Bekannten gewartet und gesurft habe. Das war ein Erlebnis. Dank GPRS hat die Uhr nicht mitgetickt (WAP – Wait and Pay) und auf dem Display konnte man die Texte gut lesen, wenn sie auch teils arg groß dargestellt wurden.

Feature 5: Java. Das war genial. Dank J2ME und OTA konnte man sich drahtlos Programme auf das Handy laden. Besonders cool waren die SMS Tools, die dann eine Onlineverbindung geöffnet haben und die SMS per Internet weggesendet haben. Da hat eine SMS ins Ausland nicht mehr 20 cent sondern nur noch rund 5-6 cent gekostet.

Feature 6: das eingebaute Modem. Da hatte jemand nachgedacht. Bluetooth gab es noch nicht. Dennoch war es möglich, das Handy gleichzeitig zu laden und an den Laptop zu verbinden. Das Ladekabel hat die nötigen Verbindungen einfach durchgeschleift. Dann reagierte das Handy über normale AT Befehle und ich konnte surfen. Später ist dann der Geheimtipp aufgekommen: die E-Plus Professional Prepaid und eine lokale Interneteinwahlnummer. Surfen war noch nie so billig: 3 cent pro Minute!

Wenn ich mir diese Features ansehe, dann fällt mir auf, dass sie heute teils nur anders heißen – teils ist es sogar schlechter geworden. Bei einem iPhone kann ich mir nur über den „Appstore“ Programme laden. Der Accompli konnte es quasi von allen Seiten des Internets. Zugegebenermaßen sind Browser wie der Opera Mini heute meilenweit besser als der damalige Accompli. Aber gut, große Farbdisplays gab es noch nicht. Für das letzte Feature, das eingebaute Modem, gibt es heute sogar einen neuen Namen: Tethering. Das besondere ist eben: heute müssen Kunden teils Geld dafür bezahlen, eine Standardfunktion eines Handys nutzen zu dürfen. Und das allerbeste: sie machen es sogar!

Meinem Accompli will ich nochmals meinen Dank aussprechen. Du hast mir per Javatool auf günstige Weise SMS um die Welt gesendet, meinen Laptop ins Internet gebracht und dafür gesorgt, dass ich irgendwann 2003 oder 2004 meine erste Bestellung per Handy aufgegeben habe. Klar hatte das Teil auch Probleme: die Lackierung war nicht sonderlich robust und der eingebaute Lautsprecher etwas leise – aber hey, nobody is perfect.

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Eine Antwort to “Abschied vom Accompli”

  1. 16LE Says:

    Bei mir haben wohl jüngst 2 Handys aufgegeben, die nicht viel jünger sind als Dein Accompli.

    Was mir an neuen Handys fehlt: Eine ausziehbare Außenantenne, die einen viel besseren Empfang bieten würde und eben in der Tasche kaum auffiel/stören würde.
    Ich hätte gerne mehr Klapphandys zur Auswahl mit Displays, die ich auch bei Sonne gut lesen könnte; zur Not eben Monochromdisplays.

    Ob es eines Tages wieder Handys geben wird, mit denen man einfach nur verdammt gut telefonieren kann, einen normalen Organizer haben (vielleicht noch mit Radio) und das war es?! Kein Handy, das irre groß ist und bald das Kaffee-Kochen lernen wird?!

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