Die Freiheit haben, etwas billiger zu telefonieren…

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Seit es Mobiles Telefon für Jedermann in Deutschland gibt, träumen die Kunden von verständlichen und bezahlbaren Tarifen. Der Markt ist tief gespalten. Auf der einen Seite die Original Netzbetreiber mit ihren von der Mehrheit durchweg als „zu teuer“ empfundenen Tarifen mit 50-150 Fußnoten, was der Branche zwar bewußt ist, aber ohne Fußnoten geht es nicht. Die Tarife sind so kompliziert, weil per Fußnote alle denkbaren „Schlupflöcher zum Vorteil des Kunden“ sofort gestopft werden sollen, bevor es zu Gericht geht. 

Neues Tarifkonzept vom Mobilcom-Debitel

Neues Tarifkonzept vom Mobilcom-Debitel

Auf der anderen Seite die Discounter mit einfach einfachen Tarifen und teilweise Tiefstpreisen, die aber lange nicht für alle Dienste und Möglichkeiten gelten. 

Dazwischen liegen die Service-Provider, die teilweise noch richtig teuer und teilweise schon richtig günstig sind. Service-Provider können nur das verkaufen, was ihnen geliefert wird und sie leben – um das nochmal klar und deutlich zu betonen – nur von aktiven Kunden. Für ankommende Anrufe bekommen die Service-Provider (im Gegensatz zum Netzbetreiber) keinen Cent! 

 Service-Provider waren von der Politik gewollt: Das sind Zwischenhändler, die einem Kunden einen Mobilfunkvertrag mit passender SIM-Karte und einem mehr oder weniger passenden (?) Tarif verkaufen, seinerseits aber die Kunden gebündelt an den Netzbetreiber vermitteln, auf daß dieser sie „anschließt“, denn echte Service-Provider haben weder eigene Vorwahl noch eigene Vermittlungs- noch Sendetechnik. 

Im Laufe der Jahre ist Unmenge der Service-Provider im wesentlich auf zwei Anbieter zusammengeschmolzen. Der größte mit rund 17 Mio Kunden ist die Freenet AG, die wir unter dem aktuellen Markennamen Mobilcom-Debitel kennen, dazu gehören auch die bisherigen Marken Talkline, Debitel, Mobilcom (Unicom, Cellway, D-Plus, Axicom, Proficom, Martin Dawes, Ford 2000, Dekraphone oder Dekratel). Der zweite Anbieter ist die Drillisch Gruppe mit den ehemaligen Marken Alphatel, Drillisch, TelCo und Victor Vox. 

Danach kommt erst mal lange gar nichts, die Marke Tangens ging kürzlich bei TelDaFax auf und Liftacom ist soweit erkennbar nur noch im „Nischenmarkt“ Senioren unterwegs, weitere Marken sind höchstens absoluten Insidern ein Begriff.  

Ein Tarif bestand ursprünglich aus einer monatlichen Grundgebühr, welche 24 Monate zu zahlen ist und einer verbrauchsabhängigen Komponente, die pro Minute oder SMS oder Datenmenge abgerechnet wird. (Ganz am Anfang hat es auch Tarife ohne Laufzeit gegeben!) Anfangs wurden Gespräche im 6/6, 10/10 oder 15/15, sehr vereinzelt auch im 1/1 Sekundentakt abgerechnet. Die erste Minute voll zu berechnen entdeckte erstmals die Firma Mannesmann (Vodafone D2) für sich, weil die Konkurrenz überraschend die Preise gesenkt hatte. 

Seitdem es die Discounter gibt, ist der Markt gespalten:

Hier die hochpreisigen Angebote mit regelmäßiger Grundgebühr, irrsinnigen Minutenpreisen (bis zu 79 Cent und mehr), stark an „Wucher“ grenzenden Datenkosten, aber dem obligatorischen Handy für „nur einen Euro“.

Dort die Tiefstpreise für Gespräche oder für SMS oder für Daten, sinnvolle Kombinationen gibt es auch, aber irgendein Haken oder eine Nebenwirkung bleibt immer.

Nun versucht der Service-Provider Mobilcom Debitel einen Befreiungsschlag und zitiert dafür den Altbundeskanzler Konrad Adenauer: „Wir stehen vor der Wahl zwischen Sklaverei und Freiheit. Wir wählen die Freiheit.“ Gemach. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. 

Beim neuen „free-Tarif“ ist in der Tat revolutionär, daß ein Mobilfunkvertrag nicht mehr zwangsläufig 24 Monate dauern muß, egal, ob der Kunde das wollte oder nicht. Künftig gibt es eine 4wöchige Kündigungsfrist. Die entfällt nur dann, wenn der Kunde dazu ein Handy „für einen Euro“ zu benötigen glaubt, dann bleibt es bei 24 Monaten (ist ja logisch) und die monatliche Grundgebühr, die es beim „Free“-Angebot an sich nicht mehr gibt, wirkt sich dann in 10-20 Euro im Monat als Rückzahlungsrate für das Handy aus. 

Bei „free“ kostet jede Minute 19 Cent und jede SMS auch, sofern man nicht eine Option gebucht hat. Das Festnetz kostet „flat“ z.B. 9,90 Euro im Monat, 100 Minuten in alle Netze sind für für 14,95 Euro/Monat zu haben, eine mobilfunknetzinterne Flat kostet 9,90 Euro (E-Plus oder o2) respektive 14,95 (Vodafone D2). Andere Minutenpakete oder Flatrates in fremde Netze gibt es (noch) nicht. Da schlägt gleich die Angst der Tarif-Kaufleute durch. Das Free-Angebot, das uns irgendwie an „Mein Base“ erinnert, gilt es derzeit nur in den Netzen von Vodafone D2, E-Plus und o2, die Deutsche Telekom ist nicht dabei. 

Der Ansatz ist an sich nicht verkehrt, den wahren Preisfüchsen wird das alles weiter viel zu teuer sein. 19 Cent pro SMS sind gemessen am Datenaufkommen schon eine hohe Hausnummer, aber die lieben netten Kunden haben sich längst dran gewöhnt. Preisbewußte Kunden setzen da eher auf einen Discounter mit 9 Cent zu allen Netzen. 

Die 19 Cent pro Minute sind für einen Laufzeitvertrag eigentlich gar nicht so verkehrt. Sicher, es gibt auch Angebote mit 9 Cent, aber dort sollte der Kunde besser keine Fragen und Wünsche nach Service mehr äußern. Sicher deren Hotlines sind freundlich und bemüht, aber ihre Möglichkeiten sind begrenzt. 

Ist der Service bei Mobilcom nun soviel besser? Kommt darauf an. 

Wer die draußen weitgehend unbekannte „Plus-Option“ von Mobilcom-Debitel gebucht hat, die 3 Euro im Monat extra kostet, bekommt eine kostenlose 0800-Rufnummer genannt und dahinter melden sich Menschen, die freundlich und gut gelaunt sind und sogar richtig Ahnung vom Thema haben oder genau wissen, wo sie nachfragen müssen. Es geht also schon, nur extrem preisbewußte Kunden sind immer weniger bereit, dafür extra Geld auszugeben. Für 0 Euro ist aber so keine qualifizierte Hotline zu haben. 

Nehmen wir ein 100 Minutenpaket: Für 9,95 Euro sind wir auch knapp bei den discount-üblichen 9 Cent, aber warum es kein größeres Minutenpaket gibt, bleibt das Geheimnis der Tarifstrategen. 

Das 100-SMS-Paket (in alle Netze) ist für 14,95 Euro/Monat nicht so attraktiv,  es „lohnt“ sich vielleicht dann gerade, wenn garantiert 100 SMS verschickt werden, das wären rechnerisch 15 Cent/SMS. Für 9,90 Euro im Monat wäre das sicher attraktiver gewesen. 

Die Menge der Kunden, die ein „Handy für einen Euro“ haben wollen, ist größer als gedacht, hierfür sind die 10-20 Euro im Monat Aufpreis vorgesehen, womit man über 24 Monate seinen Ratenkredit abstottert. Wenn das bei Unterschrift so klar gesagt wird, ist dem nichts entgegen zu setzen. 

Wer mit „free“ ins Internet will, bekommt ab Werk den „Internet Starter“ eingestellt, der 1,99 Euro pro Tag kostet. Wenn man nur alle Jubeljahre einmal surft, sind die 1,99 eine ideale Kostenbremse. Wird aber häufiger oder gar jeden Tag gesurft, wäre das Internet mit rund 60 Euro im Monat viel zu teuer. Wird die Option abgeschaltet, kommen historische, aber heute unerträgliche Tarife zum Vorschein: Für das Netz von Vodafone verlangt man, ohne rot zu werden, 9,22 Euro pro MB bei 10-kB-Schritten plus 2 Cent Stundennutzungspreis, im Netz von o2 wird es genauso teuer, plus 9 Cent pro Stunden und E-Plus sieht mit auch nicht gerade attraktiven 1,99 Euro pro MB bei 10-kB-Takt wirklich noch „gut“ aus. 

Wer mehr surfen wollte, könnte die Monats-Flatrate „T@ke-away-Flat“ für 9,95 Euro buchen, sie ist auf das mobile Surfen per Handy oder Smartphone limitiert, ab 300 MB (Vodafone), 250 MB (E-Plus) beziehungsweise 200 MB (o2) wird hier auf 64 kBit/s im Downstream gedrosselt, womit man leben kann. Wer auch den Laptop einsetzen will, braucht dafür einen separaten Datenvertrag. 

Und Telekom (früher T-Mobile)? Die Szene murmelt, daß sich Mobilcom und Telekom (noch) nicht einigen konnten. War den Tarifspezialisten des Marktführers das Angebot schlicht und ergreifend viel zu günstig? 

Mit einem Tarif-Bonbon kann nur Mobilcom-Debitel aufwarten: Dem jederzeitigen Netzwechsel. Falls das ursprünglich ausgewählte Mobilfunknetz sich im Laufe eines Vertrages als „zu schlecht“ herausstellt, kann zu einem anderen Netz gewechselt werden, auch wenn die 24 Monate mit subventioniertem Handy noch nicht herum sind. Das kostet dann einmalig 29,95 Euro plus 9,95 Euro falls die vorhandene Rufnummer mitgenommen werden sollte, außerdem muß die SIM-Karte ausgetauscht werden.

Man muß Mobilcom-Debitel loben, daß sie verstanden haben, wohin der Markt tendiert, aber bis wir in ultimative Lobeshymnen ausbrechen können, muß an dem Tarif noch kräftig gearbeitet werden.

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Eine Antwort to “Die Freiheit haben, etwas billiger zu telefonieren…”

  1. Stevie Says:

    19 Cent pro Minute für ein Telefongespräch sind vielleicht noch zeitgemäß, aber 19 Cent pro SMS sind es definitiv nicht mehr. Die meisten Leute (zumindestens wenn Sie jünger als 40 Jahre sind) schauen nach meiner Erfahrung eher auf den SMS- als auf den Sprachminuten-Preis….

    In meinem „original“ Telekom-Mobilfunk PrePaid-Tarif zahle ich für netzinterne Gesprächsminuten 5 Cent, sonst 15 Cent, für netzinterne SMS 5 Cent, sonst 15 Cent — und das mit Original-Telekom-Service … Alternativ gibt es die 9-Cent-Discouter mit allen Vor- und Nachteilen.

    Ich seh in dem angebotenen Tarif kein Alleinstellungsmerkmal…

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