Die einfachsten Ideen kommen erst jetzt… – ein emotionaler Zwischenruf

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Manche Ideen sind so trivial bis einfach. Warum hat es 18 Jahre gedauert, bis sie umgesetzt wurden. Warum die einfachsten Tarif-Ideen erst jetzt?

Airbag im Auto (Foto www.sbboron.com)

Airbag im Auto (Foto http://www.sbboron.com)

Liebe Telekomiker, Vodaföner,

warum muß ausgerechnet O2 als fast zu spät gekommener Anbieter im deutschen Mobilfunkmarkt Euch einmal wieder schmerzhaft vorführen, wie man faire kundenorientierte Angebote realisieren kann?

Ein Kostenairbag. Diese O2-o-Idee ist so simpel und genial, daß sie E-Plus bei ihren „Versuchslabors“ Simyo mit der „Pille fürs Handy“ und Blau mit dem „Kostenschutz“ ab dem 1.11.2010 nachvollzieht:

Dort hat man begriffen, daß auch Altkunden automatisch von allen Tarifsenkungen profitieren: Einfach kurz vor dem 1.11. einmalig buchen (eine e-mail mit einer Erinnerung kommt automatisch und kosten tuts nichts) und dann wie gewohnt weiter Telefonieren, SMSen und surfen bis zu einer Kostengrenze von 39 Euro pro Monat und gut ist. Nach der Kostengrenze werden die Daten „gebremst“, wenn man nicht eine Datenoption „nachkauft“. Sondernummern und Roaming sind nicht dabei, ist ja logisch. Wer vorher schon sparen will, kann weiter die vorhandenen Optionspakete zubuchen, zahlt dann maximal 39 plus x Euro, wobei x der Preis für die gebuchte Option ist.

Den beim „Original“ noch fehlenden Daten-Kostenairbag liefert o2 jetzt nach. Wer mehr als 75 Euro in einem Monat versurft hat, bekommt diese Summe einmalig gestrichen und dafür ein Datenpaket gebucht. Das kostet zwar 15 Euro im Monat, aber ist quasi ein Rundumsorglos-Paket zum Surfen auf und mit dem Handy.

Liebe Telekomiker, Vodaföner und z.T. auch liebe E-Plus-Grupp-ler,

Wieviel Umsatzchancen habt ihr dadurch „vernichtet“, weil Ihr Kunden mit hohen Einmalrechnungen „geschockt“ und systematisch von der Nutzung abgehalten habt, anstatt Euren Kudnen zugehört und sie Ernst genommen habt?

Ihr fürchtet Euch, die punktuell immer noch zu hohen Preise zu senken, Eure 100 Seiten Fußnoten-Tarifhefte komplett zu entsorgen und einfache, klar verständliche Tarife zu machen und Euch auf Eure Kernkompetenzen zu kümmern:

  • Netzausbau
  • Netzqualität
  • eigener Kundenservice.

Ihr könnt von Glück sprechen, daß die große Kundenmasse unendlich träge ist. Aber irgendwann setzt sich diese Masse in Bewegung und wechselt. Und dann wird das Heulen und Zähneklappern ein Riesiges sein.

Liebe Finanzinvestoren in London, Frankfurt, Den Haag, Madrid und wo auch immer: Auch Shareholder müssen und wollen mobil telefonieren. Erst wenn der letzte Hotliner nach Nirwanistan ausgelagert, die letzte Sendestation an „Finanzinvestoren“ ausverkauft und der letzte Techniker mit wirklich Ahnung nach Taka-Tuka-Land ausgewandert ist und erst wenn in den Netzen eines Tages nichts mehr geht, erst dann werdet ihr es merken. Warum eigentlich nicht früher?

Oder war das jetzt zu emotional?

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5 Antworten to “Die einfachsten Ideen kommen erst jetzt… – ein emotionaler Zwischenruf”

  1. Matthias M. Says:

    Nee, war nicht zu motional. Nur in der Vorhersage etwas ungenau, denn nichts hindert Telekomiker und Vodazocker daran, sowas auch einzuführen, bevor sie von E-Plus und O2 bei den Gewinnen und Kundenzahlen eingeholt werden. Ich vermute, dass sie rechnen können und durch die Trägheit der Masse und Ängsten vor „Empfangsproblemen“ mit dem Melken der vorhandenen Kunden mehr Geld verdienen, als wenn sie ihr Hochpreis-Kartell jetzt schon aufgeben würden. Früher oder später werden sie es tun, aber ich denke eher später…

  2. sweetkoffie Says:

    …gerne gelesen 😉
    LG Sweetkoffie

  3. Schwarzblonder Says:

    Hallo Henning,
    wahre Worte. Selbst ich als langjähriger (15 Jahre) Vodafone bzw. D2 Kunde werde zum nächsten Jahr sämtliche Verträge bei VF kündigen. Ob ich dann den Anbieter wechsle ist mir momentan noch unklar.
    Momentan sieht es aber so aus. Leider sind zwar viele meiner Bekannten noch bei VF unterwegs jedoch wird die Anzahl der D1, E+ und O2 Benutzer in meinem Telefonbuch immer größer. Also werde ich mir wohl einen Anbieter suchen müssen der mir eine Flat in alle Netze anbietet (am Liebsten SMS inkl.). Das ist bei VF momentan noch zu teuer bzw. bieten sie nichts Vernünftiges an.

  4. Pascal Says:

    Der Kostenairbag ist gar nicht so fair wie er von vielen dargestellt wird:
    Jemand, der viele SMS schreibt, bucht die SMS-Flat. Auf Grund bestimmter Umstände (neuer Partner o.ä.) wird plötzlich viel telefoniert, sodass der Airbag anspringt.
    Diese Person zahlt jetzt mit 49 € 10 € mehr als er hätte zahlen brauchen. Er wird praktisch für die Buchung der SMS-Flat bestraft. Einfach ist das nicht, da man einen Monat im Voraus wissen muss, ob man in den Airbag hineinläuft (und man sich die Buchung der SMS-Flat sparen kann) oder nicht.

    Ein weiterer Punkt, den es meiner Meinung nach zu berücksichtigen gibt, sind die Fußnoten. Ein Kostenairbag provoziert Fußnoten. Da die Kapazität einer Mobilfunkzelle keine Verwendung als 24×7-Standleitung erlaubt, muss hier wieder mit schwammigen Begriffen wie „Missbrauch“ argumentiert werden, um einer bestimmten Klientel vorzeitig kündigen zu können, die die Mobilfunkzellen für andere – zahlende – Kunden blockiert. o2 hat das bekanntermaßen schon in einigen Fällen durchgezogen.
    Transparent wären an dieser Stelle die Tarife in Österreich, bei denen es keine Flats, sondern großzügige Minutenpakete für kleines Geld gibt. Da braucht man auch keine undurchsichtigen Fußnoten.

  5. hrgajek Says:

    Hallo Pascal,

    der Kostenairbag kostet also im „übelsten“ Fall rund 20 Euro mehr, wenn man die SMS-Flatrate und das 1 GB Paket bucht, weil man nicht sicher ist, ob…

    Was das „Übertreiben“ anbetrifft, stimme ich Dir zu.

    Vermutlich wird irgendwo tief im Kleingedruckten eine Maximal-Menge zu finden sein.

    Im Moment haben Prepaid-Kunden im Schnitt 6 Euro Umsatz im Monat. Durch das „Wegnehmen“ der „Angst“ wird dieser ARPU deutlich steigen. Sicher nicht auf 39 Euro, aber schon auf 10-20 Euro… und damit haben die Anbieter schon „gewonnen“ 🙂

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