Streit der (un)sicheren Post und Mailsysteme

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Mit epost ist die Deutsche Post schon einmal gescheitert, deswegen setzt sie jetzt alles dran, um epost 2.0 zum Erfolg zu machen, bislang trotz riesigem Werbegetöse mit wenig Erfolg.

epost keine normale e-mail

epost ist keine normale e-mail

DE-Mail soll gesetztlich geregelt werden

DE-Mail soll gesetztlich geregelt werden

Konkurrenz droht ihr durch DE-Mail , wo derzeit die Deutsche Telekom mit t-online.de-mail und United-Internet mit gmx.de-mail an den Start gehen wollen, aber noch nicht können. Zum einen fehlt immer noch das DE-Mail-Gesetz zum andern wissen Telekom und United-Internet noch nicht genau, wie sie rechtsverbindlich prüfen können, ob ihre potentiellen Kunden wirklich „echt“ sind: Die Deutsche Post mag ihren Konkurrenten das „Post-Ident“ Verfahren nicht anbieten, „denn das sind ja Wettbewerber von uns“ und GMX hat deswegen jetzt geklagt.

Es steht viel auf dem Spiel, für Post, Telekom, GMX und andere. Allen sei gesagt, das ganze Prinzip von epost und de-mail & Co. ist eine Fehlkonstruktion.

Hätte die Deutsche Post seinerzeit beim kostenlosen epost e-mail Portal „durchgehalten“ und damals alles richtig gemacht, dann hätten sie heute neben GMX die Nummer 2 oder gar die Nummer 1 sein können. GMX hat das geschafft, ein umfassendes e-mail System für alle, die es haben wollen (GMX = Global Mail Exchange), das in der Grundversion kostenlos ist und gegen moderate Kosten eine Menge an mehr oder weniger sinnvollen Zusatz-Funktionen bietet. Dadurch ist GMX (und sein alter ego web.de) weit verbreitet, nicht nur bei Computeranalphabeten, sondern sogar bei Internet-Cracks und Freaks, wenn auch Letztere die nicht 100%ge Einhaltung von RFC-Standards in versteckten Fachforen bekritteln und sich über arg nervige Newsletter im potentiell unsicheren HTML-Format aufregen.

Der epost (Version 1.0) gingen damals die Ideen und das Geld aus und echte Fachleute waren bei der Post zu wenige (oder zu teuer), somit wurde erst einmal zugemacht, die Kunden vergrault. Das neue epost-System ist jetzt unabhängig von klassischer e-mail und das gefällt vielen Kunden gar nicht, die einfach nur eine autorisierte e-mail wollen, wo man alle Internet-Teilnehmer erreichen kann, aber auch weiß, wer da was versendet hat, sprich ein beglaubigtes Absender-Zertifikat, das gibts schon lange, ist aber alles noch viel zu umständlich. (Oder verwenden Sie PGP im Alltag?)

Zu einem guten Angebot gehört ein gut gewartetes Spam und ein Sicherheitsfilter (AntiMalware, AntiSpyware, AntiVirus), aber kein isoliertes Mailsysten, das man extra kontrollieren muß und das völlig unflexibel und nach wie vor – sagen wir es freundlich – immer noch viel zu wacklig ist. Für den Versand aller Nachrichten 55 Cent wie bei epost (Version 2.0) zu verlangen, ist ebenso daneben, wenigstens wurde die Grundgebühr bei 0 belassen.

DE-Mail von Telekom/United Internet soll bei Null Grundgebühr sogar ein paar kostenlose e-mails enthalten, man darf auf die Details gespannt sein.

Die Deutsche Post weigert sich vehement, die klassische Internet Welt mit ihrer epost zu koppeln. Zwar kann das epost-Portal auch „normale“ e-mails empfangen, wenn man ein existierendes eMailkonto (eines Fremdanbieters) einbindet, die @epost.de-Adresse war aber in ersten Versuchen aus dem offenen Internet nicht erreichbar, ein Unding. Mal sehen, wie T-Online und GMX das lösen werden.

Klar: Die strikte Trennung der neuen e-Mail soll einen wirksamen Schutz vor Spam und anderem Ungeziefer bieten, doch diese Trennung wird auf Dauer nicht durchzuhalten sein. Gut ist bei der epost die kostenlose Alarmierung neuer epost-mails per SMS, denn nichts frustet mehr, als ein Postfach abzufragen, wo außer einem Kundennewsletter nix drin ist.

Und viele potentielle Kunden fürchten nichts mehr, als eine Kündigung von Job, Wohnung, Versicherung oder Handyvertrag, die künftig per Sicherheits eMail unbemerkt eingeht und als „zugegangen“ und unanfechtbar gilt. Eine „Urlaubsschaltung“ („Ich bin nicht da“) oder eine „Umleitung“ der Nachrichten sind nicht vorgesehen und die Weitergabe des Zugangscodes samt Passwort an Freunde oder Nachbarn eigentlich bei Todesstrafe untersagt, kann aber durchaus erforderlich werden, wenn man in Urlaub fährt oder mal ernsthaft krank ist, wo es vielleicht gar kein oder nur ein wackliges Internet gibt.

Wenn Sie epost schon haben, spielen Sie ruhig damit und hoffen, daß die SMS-Alarmierung immer zuverlässig funktioniert und auch weiterhin nichts kosten wird. Wenn Sie epost noch nicht haben, warten Sie einfach ab, wie sich das entwickelt.

Sicher scheint mir, daß epost und de-mail sich schnell vertragen werden (müssen), wenn die Gesetzeslage (irgendwann nächstes Jahr) klar ist, sprich epost wird dann von de-mail aus gesichert erreichbar sein und umgekehrt. Vielleicht nicht gleich, aber irgendwann schon.

Solange aber die Basics nicht funktionieren, werden alle drei Systeme nur ein Nischendasein fristen, weil die Freaks das so nicht wollen und die große dumpfe Masse neuer Technik erst einmal kritisch bis ablehnend gegenübersteht, wie man an tiefergelegten Bahnhöfen und anderen Megaprojekten leicht sehen kann.

Zu jammern, daß die böse böse gelbe Post die „Privaten“ behindert, ist blauäugig. Fakt ist, daß immer weniger Briefe geschrieben werden und immer mehr Konkurrenten sich um die wenigen Briefe prügeln. Das bedeutet, daß die gelbe Post sich ein neues Geschäftsmodell suchen muß und wo immer es geht zuviel Wettbewerb „vermeiden“ möchte. Dieser „Wettbewerb“ wird auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen, die für Hungerlöhne maximal arbeiten sollen, der Kunde hat wenig bis gar nichts davon, außer zu zittern, ob und wann seine Post denn auch ankommt.

Dafür haben Paketdienste gut zu tun, weil alles im Internet bestellt wird, aber besser bezahlt werden die gehetzten Leute dort auch nicht.

Gut möglich, daß eines Tages die Entscheidung zwischen einer gelben (halb- oder ganz staatlichen) Post, die langsam, behäbig aber relativ zuverlässig ihre Sachen befördert und irgendwelchen Privat-Buden gefällt werden muß. Die Privaten, die eher in Ballungsgebieten und sonst nach Lust und Laune für geringe Preise bei minimalem Service ihre Sachen befördern … oder auch nicht.

Die Ähnlichkeiten zum Telefonmarkt sind irgendwie ziemlich auffällig.

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4 Antworten to “Streit der (un)sicheren Post und Mailsysteme”

  1. stefsch Says:

    Der Artikel fasst die Problematik gut zusammen: Da die Kosten hoch (55ct für eine Email!?) sind, der Nutzen für die allermeisten gering und die Gefahr, dass etwas als rechtsgültig zugestellt gilt, was man (aus welchen Gründen auch immer) nicht zu Gesicht bekommen hat, groß ist, wird die Fachleute abschrecken und die kleinen Leute nicht hinter dem Ofen hervorlocken…… 😦

  2. Ingolf Says:

    Ein wirklich guter Artikel.

    Post/GMX/Telekom müssten dem Verbraucher zunächst einmal aber eine viel banalere Frage beantworten: Wozu brauche ich das eigentlich?

    Um vielleicht fünf bis zehn Briefe/Telefaxe, die ich Jahr verschicke, zu ersetzen, mit denen ich irgendwelche Verträge kündige? Am mangelnden bzw. zu geringen Benefit für den Endverbraucher wird das Projekt letztlich ebenso scheitern wie die Geldkarte.

    In meinem privaten Blog habe ich vor über zwei Jahren schon einmal einen Beitrag dazu geschrieben. Das gilt nach wie vor:

    http://www.bananenberg.de/de-mail-brauch-ich-nicht/

    Leider liest so etwas nur niemand von den Verantwortlichen.

  3. IT-Hase Says:

    Ich war Teilnehmer des Pilotbetriebs und habe sieben Verbesserungsvorschläge gemacht, die alle nur archiviert wurden.

    Die grottenschlechte Benutzeroberfläche (Beispiel: Blättern von einer zur anderen E-Mail geht nicht!) wurde kein Stück verändert und es gibt auch im Echtbetrieb weiterhin so wenig Speicherplatz wie beim Piloten.

    Fazit: Unbenutzbar und damit entbehrt es jeder Diskussion, ob man das braucht oder ob es sicher ist…

  4. Stevie Says:

    Die Idee ist sicherlich gut gemeint, wird sich aber nicht durchsetzen. Für über 95% aller aktuellen Kommunikationsfälle zwischen Privatleuten oder von Privatleuten und Firmenkunden ist die aktuelle Struktur ausreichend. (Unternehmen untereinander haben im Bedarfsfall das technische Know-How für sicherere Kommunikation.)

    In den anderen Fällen, in denen es auf die sicherer Übermittlung ankommt, gibt es derzeit nichts, was den klassischen Brief ersetzen kann:

    – Der Brief ist als „gelernte Kulturtechnik“ allgemein bekannt und akzeptiert. (Bis wirklich jeder weiss, was eine Email bedeutet, vergeht noch mindestens eine Generation!)

    – Der Brief ist günstig (55ct, bzw. als Einschreiben um die 2 Euro)

    – Der Brief erzeugt Aufmerksamkeit beim Empfänger (wird i. d. R. immer geöffnet und gelesen und landet nicht im Spam-Ordner)

    Besonders beim letzten Punkt gewinnt der Brief klar gegenüber allen elektronischen Varianten, die Kosten von geschätzten 20 Euro im Jahr fürs Porto sind auch weitaus geringer als für eine kleine Home-IT-Infrastruktur.

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