Rückblick auf das vorausliegende Jahr 2011

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Zum Jahreswechsel ist es üblich, die Glaskugel zu polieren und die Zukunft vorzusagen:

Im Jahre 2020 wird Herr Meier 20 neue Handys kaufen und 40 SIM-Karten bestellen, um am Ende 3,5 SMS pro Woche mit 132 Zeichen zu tippen, wovon er 10 am Ende auch verschickt.

Schneekugel (Bild www.lidl-foto.de)

Schneekugel (Bild http://www.lidl-foto.de)

Spaß beiseite.

Daß Smartphones weiter auf dem Vormarsch sein werden ist klar. Aber werden die Netze den steigenden Ansturm der Smartphones aushalten oder gibt es bald erste Frustreaktionen, weil die Daten im Stau allzuoft stecken bleiben?

Werden die Netzbetreiber endlich begreifen, für ihre Stammkunden in Alttarifen entweder eine automatische Tarifumstellung oder wenigstens einen Kostenschutz bei Datenübertragungen einzuführen? Oder riskiert man ganz bewußt frustrierte Kunden mit Schockrechnungen, die dann zu Datenabstinenzlern werden oder schlicht und einfach den langjährigen Anbieter wechseln?

Der Wettstreit der (Handy) Betriebssysteme:

– iOS besser bekannt als „iPhone“ – für die Fans einfachster Bedienung schon ein Traum. Daß auf dem Altar der Einfachheit gewisse Freiheiten – zu tun und zu lassen, was man mag – geopfert werden (müssen?), daß bestimmte Inhalte nicht so leicht oder auch gar nicht stattfinden, stört das die Masse?

Oder doch Android? Die Geräte werden immer besser und zugleich preiswerter, aber nicht jeder will seine Daten konsequent der „Cloud“ anvertrauen, schon ohne zu wissen, was mit diesen Daten passieren könnte…

Microsoft hat sich mit Windows 7 Mobile zurückgemeldet, der komplette Neuanfang kann eine Chance aber auch ein Fluch werden, wenn sich Stammkunden „alleine gelassen“ fühlen, weil es für ihre bereits installierten Plattformen und Software keine passenden Updates mehr gibt. Wenn Datensynchronisation statt über ein einfaches Kabel nur noch über die „Cloud“ stattfinden darf. Machen da alle Kunden mit?
Was spricht die Industriekundschaft? Bleiben die bei Versionen bis Windows Mobile 6.5? Wechseln sie auf 7.0 oder gleich auf etwas anderes? – Welche Chancen hat Microsoft auf Dauer?

Tablet PC?

Braucht man einen Tablet PC ? Oder kann man künftig überhaupt noch ohne ihn leben?
Möglicherweise öffnet der Tablet PC der Zielgruppe der bisher noch existierenden totalen PC-Verweigerer den Markt, weil ein solches Gerät einfach zu bedienen ist, als der klassische PC?

Oder kann man dort nur eine neue Zielgruppe einfacher Konsumenten erreichen, die maximal viel konsumieren, aber selbst gar nichts zum Web beitragen möchten?

Sprachtelefonie?

Bleibt sie erhalten oder steigen immer mehr Menschen auf getextete Nachrichten um? Die SMS wird nicht totzukriegen sein, die MMS wird weiter an Bedeutung verlieren (falls sie je eine hatte), mobile e-mail wird mit dem Instant-Messenger konkurrieren. Nur etablierte Messenger Anbieter wie ICQ machen sich keine Freunde, wenn sie ihre Kunden mit aller Gewalt zwingen wollen, nur noch den hauseigenen Client  anzuwenden, die Zukunft liegt bei plattform übergreifenden Messengern. Außer ICQ gibts noch AIM, Yahoo, MSN, Google und einige andere.

Wie geht es mit dem mobilen Bezahlen weiter?

Werden die Banken weiterhin in ihrer Starre verharren und argwöhnische jeden Mobilfunker beäugen, der da irgendetwas auf die Beine stellen möchte, ohne die Banken vorher zu fragen, ob er das denn darf?

Merke: Mobiles Bezahlen muß einfach und flexibel sein, nicht nur für die berühmten Klingeltöne oder Musikdownloads sondern im täglichen Leben bis zum Einkauf beim Bäcker, an der Tankstelle oder im privaten Umfeld, wenn einfach Geld zwischen Personen ausgetauscht werden soll. Die Banken haben da in der Vergangenheit viel zu lange geschlafen und könnten den Trend komplett verschlafen.

Die Gratiskultur des Internets stößt Moment an ihre Grenzen, weil bestimmte Produkte und Dienstleitungen nicht soviel Geld abwerfen, wie sie eigentlich müßten. Alles kostenlos im Netz zu finden, ist zwar einerseits schön, aber zuviel Werbung als Gegenleistung nervt, also doch Bezahlmodelle? Dafür siehe oben, gibt es zuwenig akzeptierte Zahlungsverfahren, Paypal ist weitverbreitet, aber bei vielen Usern wegen undurchschaubarer Aktionen des Unternehmens, unklaren Kosten und Funktionen (wenn Sie Geld empfangen müssen oder möchten, wird es kompliziert und teuer) nicht sonderlich populär.

Wer allerdings glaubt, für Schrottangebote viel  Geld nehmen zu können, ist auf dem Holzweg, der Mehrwert von Bezahlangeboten wird viel zu wenig deutlich oder ist einfach nicht vorhanden und wenn man den Kunden nur noch mit Gratis-Geschenken, die am Ende in einem teuren Abo münden, zu ködern glaubt, erhöht das die Popularität nicht wirklich.

Der Anbieter Vodafone sucht sein Heil neuerdings in unendlich vielen Gratisoptionen, die nur kurze Zeit gelten, aber den Eindruck erwecken, da gäbe etwas dauerhaft umsonst. Genauso schlimm finde ich, in den ersten 3-6 Monaten einen attraktiven günstigen Preis zu benennen, in den Folgemonaten aber dann wesentlich teurer fortzufahren. Das sorgt nur für Kundenfrust. Die Alternative von klar verständlichen  Tarifmodellen und Kosten traut man sich noch nicht, auch in Bonn, Düsseldorf oder München erliegt man gerne der Versuchung der versteckten Kostenerhöhungen, anstatt dem Kunden ein gutes Erlebnis für sein sauer verdientes Geld zu ermöglichen.

Die Konsolidierung des Anbieter-Marktes erscheint dringend geboten, lieber weniger SIM-Karten, die dafür wirklich genutzt werden, doch grundlegende Mechanismen dazu fehlen.

Beispiele?
Es ist (außer bei Vodafone) nicht möglich, Prepaidguthaben unkompliziert von einer Karte zur nächsten zu transferieren. Von anbieterübergreifendem Transfer will ich gar nicht mal zu träumen wagen.

Es ist (außer bei E-Plus und o2) nicht möglich, eine vorhandene Rufnummer auf einen bereits laufenden Vertrag aufzuschalten.

Es ist (bei quasi keinem Anbieter) möglich, auf einen Vertrag mit einer Karte zugleich mehr als eine Rufnummer aufzuschalten, sinnvolle Modelle gäbe es dafür einige. (Es gibt Ausnahmen bei Profikundenverträgen und Optionen wie „Twinbill“)

Zurück zum Jahr 2011:

2011 wird wohl der Sparwahn anhalten, bis… es zum großen Knall oder zur großen Erkenntnis kommt.

Wie diese große Knall aussieht – bricht erst einmal alles zusammen? – oder kommt die große Erkenntnis vorher und die Anbieter kriegen die Kurve, hängt auch ein wenig von uns Kunden ab, ob wir jeden Unsinn mitmachen oder uns durch aktives Kundenverhalten die Anbieter aussuchen, die klar verständliche Tarife und Leistungen anbieten und den Rest einfach am Wegesrand liegen lassen.

Auf jeden Fall wünsche ich ein Gesundes, erfogreiches, friedliches und erfolgreiches Jahr 2011.

Henning Gajek

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4 Antworten to “Rückblick auf das vorausliegende Jahr 2011”

  1. Hans Says:

    Generell tendieren Nutzer in Deutschland dazu die Cloudbasierten Dienste rund um Android (Google) kritisch zu sehen. Was nicht zuletzt an der Hetzkampagne unserer Verbraucherministerin gegen Google Streetview. Viele wissen aber gar nicht, dass man zum einen die Dienste von Google ja nicht nutzen muss auf dem Smartphone, und zum anderen ist es so, dass Google zur Nutzung von Diensten jedesmal explizit die Einwilligung der Nutzer einholt. Ganz im Gegensatz dazu: Apple. Mir persönlich ist ein ehrlicher Anbieter lieber als die versteckte Datensammelei von Apple ohne Wissen des Nutzers.

  2. John Says:

    Gerade beim Stichwort „mobiles Bezahlen“ muß noch viel passieren, damit ein Verfahren die Akzeptanz nicht nur bei Kunden, sondern auch den Händlern findet. Die Geldkarte ist unt anderem auch gescheitert, weil die Kosten für den Händler einfach zu hoch waren: 0,3 % vom Umsatz, mindestens 1 Ct. Disago, dazu die Kosten für das Terminal, die Kosten für den Netzbetreiber, an den das Terminal angeschlossen ist, monatliche Wartungspauschalen für Hard- und Software, Kontoführungsgebühren bei der Bank, … Die Akzeptanz einer solchen Sache kostet einmalig und monatlich viel Geld, bevor der erste Umsatz kommt.
    Ob die Teilnehmer von mpass erfolgreicher sein werden? Als Kunde habe ich erhebliche Bedenken, wenn ich in der O2’schen Pressemitteilung auch das Loblieb auf das tolle Risikomanagement von Easycash stosse. Bedeutet das etwa, das ab sofort, wenn ich bei einem Händler, der Easycash-Kunde ist, mit meiner EC-Karte zahle, dass das umgehend auch Einfluß auch meine Bewertung für mobiles Bezahlen hat? Hat meine Eigenschaft, Kunde von O2 zu sein oder auch nicht, Einfluß darauf, wenn ich beim Lebensmittelhändler mit Karte zahle? Gerade bei Easycash scheint Datenschutz ein Fremdwort zu sein, die Veröffentlichungen im Oktober 2010 sprechen da eine deutliche Sprache. Wurden die O2-Kunden, die für mpass vorregistriert sind, eigentlich vorher gefragt, ob Daten von Ihnen an Easycash weitergegeben werden dürfen?
    Ohne Offen- und Klarheit wird es jeder Dienst sehr schwer haben.

  3. Ralph Neubert DC5UN Says:

    > Auf jeden Fall wünsche ich ein Gesundes, erfogreiches, friedliches und erfolgreiches Jahr 2011.

    Wünsche ich Dir auch – ohne Nebel 🙂
    73 es 55 de DC5UN

  4. Ingolf Says:

    Ich denke, dass die Geldkarte vor allem deswegen gescheitert ist, weil sie dem Nutzer keinen Benefit gebracht hat. Ich habe sie jemals nur an den Fahrkartenautomaten eines Verkehrsverbundes eingesetzt, weil die Fahrkarten mit Geldkarte geringfügig billiger waren. Welchen Vorteil hätte die Geldkarte für mich sonst gehabt? Ich musste ebenfalls zur Bank, um sie aufzuladen. Da kann ich mir gleich Bargeld holen und weiß, was ich in der Tasche habe. Selbst wenn ich den Chip zuhause aufladen könnte, müsste ich weiterhin zur Bank, weil es kaum eine 100%ige Substitution des Bargeldes durch eine Geldkarte gäbe.

    Hinzu kommt ein gewisses Misstrauen in virtuelles Geld. Einen 100 Euro Schein kann ich im Geldbeutel sehen. Bei der Geldkarte bin ich auf die Funktionsfähigkeit eines Chips angewiesen und muss hoffen, dass der Händler korrekt von diesem Chip abbucht. Ich bin ja durchaus technikfreundlich, habe aber auch immer nur Kleinbeträge auf den Chip aufgeladen.

    Das Problem des fehlenden Nutzens haben die anderen Bezahldienste auch. Warum übers Handy zahlen, wenn ich an der Tanke oder im Supermarkt auch die bewährte Karte hinhalten kann? Vor allem habe ich keine Lust auf noch mehr Zahlungsmöglichkeiten, die ich im Auge behalten muss. Meine Kreditkarte werde ich ja trotzdem kaum abschaffen.

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