Verspätete Weihnachtsgeschenke…

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… wurden Sie zu Weihnachten reich beschenkt? Hoffentlich. Auf einige Geschenke hätten wir gerne verzichtet, andere tun am Ende ganz gut.

Weihnachtsgeschenke unterm Weihnachtsbaum

Weihnachtsbaum (Foto http://www.flensburg-online.de)

Beispiele?

Der idyllische Ort Rothenberg im Odenwald (rund 2000 Einwohner) wurde zu Beginn des GSM-Zeitalters als erster von Mannesmann D2 Privat versorgt, was dazu führte, daß ein großer Teil des Ortes bei D2-Privat Kunde wurde, viele sind das bis heute geblieben. Je nachdem, wie intensiv das eigene Handy genutzt wird, ist dieser Tage doch irgendwann aufgefallen, daß rund zwei Wochen vor Weihnachten das D2 Netz in Rothenberg ausgefallen war.

Wer im Glauben an den Fortschritt, seinen Telekom-Festnetzanschluß auf die mobile „zu Hause“ Lösung hatte umschalten lassen, war auch zu Hause auf einmal nicht mehr erreichbar. Weihnachten ohne Telefon?

Wer noch einen funktionierenden Anschluß hatte, rief bei der Vodafone-Hotline an. Die Antworten reichten von „Ja da ist eine Störung Ihrer Sendestation, das kann wegen des Wetters vorerst nicht behoben werden, Sie erhalten eine Gutschrift“ bis hin zu „Nein! Da ist keine Störung. Wenn Ihnen das nicht passt, können Sie ja kündigen“. Eine direkte Nachfrage bei Vodafone ergab: „In der Tat ist die zuständige Station ausgefallen, weil die Kabelzuleitung (gemietet von der Deutschen Telekom) ein Problem hat. Da draußen rund 30cm Schnee liegen , der Boden tiefgefroren und sich die Station gut versteckt mitten im Wald befindet, war da zunächst nichts zu machen.

Heute (am 30.12.) dann die erlösende Meldung der Telekom an Vodafone: Die Zuleitung ist repariert, die Station wieder am Netz! In der Tat, es funktioniert. Glückliche Gesichter im winterlichen Rothenberg.

Und die Moral von der Geschicht? Frei nach Manfred Krug: „Telekom, die machen das.“

Vodafone ist (wie viele alternative TK-Anbieter) auf den Lieferanten Telekom angewiesen, die Kunden verstehen die Zusammenhänge kaum und lassen ihren Frust an der Hotline aus.

Dafür hat in diesen Tagen die Deutsche Telekom ihren eigenen Mobilfunkkunden in genau jenem Rothenberg eine Aufrüstung auf UMTS spendiert. Der weit reichende GSM-Sender bei Eberbach-Brombach (Insider wissen, wo er wirklich steht) wurde auf UMTS-HSDPA aufgerüstet. Die D1-Abdeckungskarte im Netz hatte das schon länger als „bestehend“ angekündigt, die daraufhin befragte „Telekom_Hilft“ Twitter-Hotline beteuerte hingegen, daß die Karte hier etwas zu optimistisch sei, ein Ausbau auch nicht geplant. Doch HSDPA ist wirklich da, erste Tests lassen vermuten, daß der Node  B mit 1,8 MByte spezifiert sein dürfte. Wer informiert die Hotline?

In Rothenberg selbst gibt es bereits T-DSL (bis 16.000) aber in einigen Ortsteilen ist selbst langsamstes DSL weiterhin nicht zu haben. Ein Grabungsprogramm des Landes Hessen für Glasfaser-Leerrohre aber bereits unterwegs. Und es gibt Ortsteile von Rothenberg, wo nach wievor gar kein Mobilfunknetz geht. Telefon und Internet maximal mit ISDN – via Kupferkabel.

Dieser Ort soll nur als Beispiel dienen, es gibt in Deutschland noch viel zu viele solcher Orte, die nicht notwendigerweise weit von der Zivilisation entfernt liegen müssen. Aus welchen Gründen auch immer hat es sich nur noch nicht „gerechnet“, dort Netz hinzubringen.

E-Plus beglückt seine Kunden zum Jahresende mit dem Ende seiner Basisdaten für die Anbieter von „Location Based Services“. Das sind Dienstleistungen, die vom Standort des Kunden abhängen. Beispielsweise möchten Sie ein Taxi rufen, wissen aber nicht, wo Sie genau sind und welches Taxiunternehmen zuständig ist. Mittels LBS werden Sie angepeilt und richtig verbunden.

Mit LBS kann auch ein „Beobachtungsdienst“ angeboten werden, der den ungefähren Aufenthaltsort von Kindern und Jugendlichen ermittelt oder für Eifersüchtige Lebenspartner, die zu wissen glauben, daß der/die Andere eine(n) andern hat – oder doch nicht. Da E-Plus diese LBS-Dienste nur über externe Dienstleister angeboten hat, ergibt sich vermutlich daraus kein außerordentliches Kündigungsrecht des E-Plus-Vertrages für den Endkunden. Juristen mögen über Silvester in einschlägigen Gesetzesbüchern und Kommentaren schmökern.

Manche Kunden, die ihre Daten gerne unter Kontrolle halten möchten, sind über diesen neuen Schachzug von E-Plus vielleicht gar nicht so unglücklich, doch E-Plus wiegelt sofort ab: Behörden und Rettungsdienste bekommen die Standortinfos natürlich weiter wie bisher, denn dazu sind sie ja gesetzlich verpflichtet. Ach so.

Die Discount-Tochter FONIC des Netzbetreibers o2 liefert für dieses Jahr etwas verspätet ein Bonbon vom Allerfeinsten: Alle Kunden des Anbieters Fonic, also auch die Bestandskunden bekommen ab vermutlich Januar 2011 einen Kostenairbag von 40 Euro spendiert. Einfach so, vollautomatisch, ohne Anruf bei der Hotline, ohne nervigen Tarifwechsel, ohne Nebenwirkungen. So einfach kann man seine Kunden glücklich machen.

Vielleicht denken sich die gestreßten TK-Manager für 2011 noch mehr solche kundenfreundliche Dinge aus. Das ewige Herumsparen erzeugt doch nur Frust. Das Einführen sinnvoller Angebote, welche beim Kunden die Lust aufs Etwas-Mehr-Geld-Ausgeben auslösen, wäre vielleicht eine elegantere Lösung. Wetten?

Einen gesunden Übergang (ich sage bewußt nicht „Rutsch“) ins neue Jahr wünscht

Henning Gajek

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2 Antworten to “Verspätete Weihnachtsgeschenke…”

  1. Verspätete Weihnachtsgeschenke… « hrgajek.de – Henning Gajek's Blog Says:

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  2. iDet Says:

    Hallo Henning,

    vielen Dank für Deinen marktbeobachtenden Blick auch in diesem Jahr. Ich lesen Deinen Blog mit großer Freude. Ob es jemals sinnvolle Tarife, sinnvolle und entschlossene technische Umsetzungen gibt?

    Vielleicht nehmen sich die Netzbetreiber Deinen Vorschlägen an.

    Mein Favorit dieses Jahr ist das o2-Interne-Ideen-Portal … Ich bin mal gespannt was davon umgesetzt wird.

    Ich warte und warte seit Jahren auf das parallele Klingeln bei Multikarten.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Dir und den ganzen TK-Verrückten alles Gute für 2011.

    iDet

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