Händisch adressierte Briefe vom Zahlungsdienst

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Im Internet sind Bezahldienste wie Paypal oder moneybookers nicht mehr wegzudenken. Elementar wichtig ist für Kunden dieser Dienste, dass sie Vertrauen in die Leistung haben können. Jetzt habe ich selber erlebt, was es bedeutet, wenn dieses Vertrauen Kratzer bekommt.

Während der Recherche zu diesem Beitrag, bin ich über ein sehr interessantes Faktum gestolpert: vielen dürfte „Western Union“ ein Begriff sein. Der Anbieter ist sozusagen die Mutter aller grenzüberschreitenden Bezahldienste. Durch Spam und Betrugsversuche hat der Ruf des Dienstes zwar gelitten für Immigranten ist er aber eine sehr grosse Erleichterung. So ist es möglich, schnell und einfach Geld an die Familie zu Hause zu senden.

In diesen Markt drängen nun auch nach und nach Internetbezahldienste. Gerade moneybookers ist hier durchaus bekannt. Die sonst eher teuer geltenden Dienste sind in diesem Bereich relativ günstig. So kostet eine einfache Überweisung auf ein anderes Konto auch dann, wenn die Währung dabei umgerechnet werden muss, insgesamt nur ein paar Euro. Bei regulären Wegen sind schnell über 10% des eigentlichen Betrags weg.

Ein Manko der Dienste ist oft die Verifizierung der Teilnehmer. Dies ist für die Dienste jedoch wichtig, da sie nur so sicherstellen können, Geldwäsche oder Betrugsversuche wirksam zu bekämpfen. Um die Teilnehmer zu identifizieren, werden meiste Kreditkarten oder Kontoinformationen herangezogen. Teilweise ist es auch möglich, sich per Briefpost einen Code zustellen zu lassen, der dann den Empfang bestätigt.

Hier habe ich nun bei moneybookers etwas Erstaunliches erlebt. Ich habe einen solchen Briefpost Code angefordert.

Nach etwa zwei Wochen – ich hatte moneybookers schon vergessen – hatte ich dann einen ungewöhnlichen Brief im Kasten: es handelte sich um einen Brief aus der Ukraine. Der Brief war mit normaler Marke und handschriftlicher Adresse unterwegs. Einen Absender konnte ich von aussen nicht erkennen.

Der händisch adressierte Brief von moneybookers.

Von aussen sieht es kaum nach Geschäftspost aus.


Als ich den Brief dann öffnete, war ich gänzlich überrascht: daran befand sich ein, wie eine Fotokopie aussehendes Anschreiben von moneybookers mit dem Briefcode. Normalerweise hätte ich einen echt aussehenden Brief in einem maschinell adressierten Umschlag erwartet. Der hätte beispielsweise aus England, dem Sitz von moneybookers kommen können. Also fragte ich bei moneybookers nach: ist der Brief wirklich von Euch?
Das Anschreiben sieht aus wie eine Fotokopie

Das Anschreiben ist teils so schlechter Qualität, dass es unleserlich ist.


Die erste Antwort kam prompt und war – wie gewohnt – unbrauchbar. Darin wurde ich aufgefordert, eine Rechnung oder Ähnliches ihnen zuzusenden, weil die Zusendung eines Briefes nicht funktioniert habe. Ich reklamierte, dass ich sehr wohl einen Brief erhalten habe – dies genauso beschrieben habe – aber nicht glauben würde, dass er von moneybookers stammen könnte. Diesmal dauerte es wieder etwas, dann wurde ich aufgefordert, einen Scan des Briefes zuzusenden. Man wollte sich die Sache ansehen.

Kenner ahnen es: die letzte Anfrage ist jetzt über eine Woche her, der Brief über einen Monat alt, eine Nachfrage blieb unbeantwortet. Moneybookers kann oder will mir nicht sagen, von wem dieser Brief eigentlich ist.

Selbst wenn der Brief von jemand abgefangen wurde, kopiert und weitergeleitet, ginge von diesem keine Gefahr aus. Die Daten, die dort stehen, sind für jedermann über öffentliche Register abfragbar und der Code nützt wahrlich nur mir etwas. Was mich jedoch stört, ist der Outsourcing Wahn, der hier erkennbar ist. Der Dienstleister hat seinen Briefverkehr hier soweit ausgelagert, dass er selber nicht mehr weiss, was er eigentlich schreibt und was nicht. Sollte man sich dann mit seinem Dienstleister streiten, wird es spannend. Wie ist hier sichergestellt, dass alle relevanten Informationen wirklich bei einer sachkundigen Person landen? Wird dann der Fall auch in die Ukraine geschickt oder sitzt in England jemand, der versucht in der Ukraine jemanden zu erreichen, der dann irgendwas über die Schweiz wissen muss?

In einem bin ich mir sicher: Vertrauen baut man so nicht auf.

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Eine Antwort to “Händisch adressierte Briefe vom Zahlungsdienst”

  1. Tom Says:

    Ich habe genau den gleichen Brief erhalten (Absendedatum 28.12.2011). Tatsächlich habe ich mich zuvor bei moneybookers.com um eine Validierung bemüht und habe die Geschichte ebenfalls vergessen, bis dieser ominöse Brief im Briefkasten war.
    Ich wohne übrigens auch in der Schweiz.
    Hmmm, ich überlege mir ersthaft den Account zu löschen…

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