CeBIT 2011: Wolkige Aussichten

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Alle Jahr wieder ruft Hannover zur CeBIT. In den letzten Krisenjahren blieben viele Aussteller und somit viele Besucher fern in diesem Jahr soll alles anders und besser werden. Vor allen wolkig.

CeBIT 2011 (Bild Messe Hannover)

CeBIT 2011 (Bild Messe Hannover)

Die Wolke – The Cloud – das Rechnen mit oder in der Wolke soll das große Thema der CeBIT 2011 in Hannover werden, die in diesen Tagen stattfindet.

Cloud? Wenn Sie einen e-mail Anbieter über seinen Webmail-Zugang im Internet nutzen, dann nutzen Sie schon lange Cloud-Computing, aber natürlich bietet diese Idee noch einiges mehr. Softwarepakete (etwa fürs Office), einen Web-Kalender für Sie alleine oder gemeinsam mit Kollegen und Freunden, Speicherplatz für die Bilder vom letzten Urlaub oder für die Firma, die sich nur noch wenig eigene IT kauft, sondern sich einfach – je nach Bedarf – Speicherplatz und Programme („Software as a service“) im Netz dazu bucht. Klingt doch toll oder?

Leute, die sich nicht so richtig auskennen, sind verunsichert oder staunen, Datenschützer haben alle Hände voll zu tun („Wie sicher sind die Daten in der Wolke?“) Kostenrechner reiben sich die Hände. Wenn alles im Netz stattfindet, braucht man nur noch einen einfachen PC oder nicht einmal den mehr und die Kosten für hauseigene IT-Spezialisten fallen auch weg. Oder etwa doch nicht?

Da sind die professionellen Wahrsager der Branche gefragt. Axel Freyberg, Partner bei der Beratungsfirma A.T. Kearney und Leiter der zentraleuropäischen Communications and High Tech Practice orakelt:

„Das mobile Datenvolumen wird sich in den nächsten fünf Jahren verzehnfachen. Dabei werden sich die mobilen Zugangswege zu Internetanwendungen … verschieben. Insbesondere App-fähige Zugangspunkte ins Internet werden sich vermehrt auch in Appliances (=Anwendungen) wie etwa Navigationssystemen, in-Car-Entertainment-Systemen, eReader, Uhren oder sogar in Skibrillen … finden. Während heute Dreiviertel aller Nutzer mit ihrem eReader ins Netz gehen, wird Branchenprognosen zufolge in fünf Jahren fast jedes Gerät als Internetzugang genutzt. Gleichzeitig wird dann fast jeder zweite tragbare Mediaplayer Netzzuggang bieten. Dabei geht der relative Anteil der traditionellen Zugangspunkte ins Internet – wie etwa über den Laptop – klar zugunsten alternativer Zugänge zurück. Diese werden ihren relativen Anteil verdoppeln und als Ergebnis zu einer stark heterogenen Landschaft von Zugangspunkten für Internetanwendungen führen.“

Wir rennen also bald alle nur mit hochleistungfähigen Smartphones und anderen Geräten (Devices) herum, um „Apps“, kleine Miniprogramme laufen zu lassen: „Wo gibts günstige Äpfel, hat der Friseur noch einen Termin frei, gehe ich heute Abend in die Disco oder was kostet der Liter Treibstoff fürs Auto aktuell?

„Dass die Grenzen zwischen Laptop/PC, Smartphone und Appliances immer mehr verschwimmen, zeigen Beispiele wie die Partnerschaft zwischen Microsoft und Nokia, die u.a. eine Etablierung von Bing, Zune und Xbox Live auf dem Smartphone als Ziel haben, im Automobilumfeld die Apps Lösung von BMW zur Übertragung von Apple iPhone Applikationen oder die Android-basierte Lösung von Continental für den Nutzfahrzeugemarkt“, so Herr Freyberg weiter. In einer ruhigen Minute versuche ich mir gerade vorzustellen, wie die hochoptimierten Netze am Anschlag vor sich hin „glühen“, werden sie diesen gigantischen Datenansturm überhaupt verkraften? Werden sie weiter ausgebaut, wo doch die Kunden immer weniger dafür bezahlen wollen?

Herr Freyberg verspricht Entspannung: „Nicht nur der Zugang zur Internetanwendung ist im Wandel – die Anwendung selbst ist es auch. Während die Downloads von Mobile Apps aus ‚App-stores‘ bis 2012/2013 weiter steigen werden, werden sie danach langsam zurückgehen und sukzessive u.a. von html5 basierten Widgets abgelöst werden. Im Gegensatz zu konventionellen Apps stellen Widgets ein Internet Browser basiertes Interface zur Verfügung, über das auf Cloud Services zugegriffen wird.“

Aha: HTML5 das neue Mantra der Branche. Flash ist dann out und Apple glücklich. Für alles eine App?

Ja. Sogar fürs mobile Bezahlen. Herr Freyberg meint dazu: „,Bezahl-Apps‘ werden in Zukunft vielfältiger und komplexer und setzen zusehends auf Livedaten/-inhalte aus dem Internet. In diesem Umfeld werden jene Anbieter erfolgreich sein, die auf große Inhalteangebote zugreifen können, wie z.B. die etablierten Anbieter wie Google, Viacom oder Microsoft.

Nutzer werden in diesem Umfeld verlangen, nicht nur überall und jederzeit, sondern auch über alle unterschiedlichen Appliances hinweg auf abonnierte Inhalte oder Apps zugreifen zu können.“

Soweit so klar. Aber er hebt auch warnend den Finger, denn: „Damit geraten geschlossene Ökosysteme à la Apple iTunes durch die Limitierung auf ausgewählte Appliances von einem Hersteller (iPad, iPhone, iPod) in einen wachstumshemmenden Nachteil. Wenn sie nicht hinter anderen offenen Ökosystemen wie Android zurückfallen wollen, werden sie sich für andere Hardwareanbieter öffnen müssen.“

Eigentlich logisch. Mal gespannt, ob und wann Apple sich dieser Erkenntnis sich „öffnet“ und welche neuen Geschäftsmodelle in Cupertino ausgeheckt werden dürften.

Bleibt die Frage: Wenn alles im Netz statt findet und dieses Netz einmal gestört ist oder von bösen Menschen gestört wird („Cyberwar“), sind dann alle Informationen „weg“ ? Könnte es sein, daß in einigen Jahren wieder ein „back to the roots“ sprich, „mein eigener Computer ist meine eigene Daten-Burg“ erfolgen wird?

Bei aller „wolkigen“ Begeisterung. Was ich zu Hause auf meinem Rechner, der Speicherkarte oder der Backup-Festplatte habe, kann ich auch dann noch erreichen, wenn das Netz ausfällt und bei einem Stromausfall solange meine lokalen Stromquellen (Batterien, Solarzellen) noch mitspielen. Aber der Wolke kommen wir wohl nicht vorbei, bzw. sind bereits mittendrin.

Die Wetteraussichten: Heiter bis wolkig.

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