Kein Mitleid mit TelDaFax

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Die aktuelle Insolvenz des Stromhändlers Teldafax wundert mich nicht.

Logo Teldafax (Quelle www.TelDaFax.de)

Logo Teldafax (Quelle http://www.TelDaFax.de)

Sicher, für die betroffenen Mitarbeiter an der Basis, in Buchhaltung und bei den CallCentern von oder für Teldafax  ist es bitter. Aber es ist nun mal klar, daß ein permanenter Verkauf unter Einkaufspreis, nur um neue Kunden zu gewinnen, nicht funktionieren kann.

Es hätte so funktionieren sollen: Wenn TelDaFax irgendwann soviele Kunden und damit Marktmacht gewonnen hätte, hätten sie bei ihren Kunden die Preise erhöhen und/oder bei den Lieferanten die Einkaufspreise senken können. Die Lieferanten haben ihnen aber jetzt schon die rote Karte gezeigt, weil sie nicht gezahlt haben. Die Kunden wären sowieso sofort abgesprungen, wenn die Preise erhöht worden wären.

Was hat TelDaFax mit Telekommunikation zu tun?

Einiges. Die Abkürzung steht für Telefon Daten und Fax.

Erinnern Sie sich: Gestartet war man als günstiger sekundengenauer Anbieter von Call by Call (frühere Vorwahl 010 30) und Preselection.

Damals träumten die Manager von unmöglichen Zahlen und die Quittung kam prompt: Mit den ersten Tarifsenkungen beim marktbeherrschenden Anbieter Telekom und dem Aufkommen von Flatrates ist das Nutzungsaufkommen bei Call by Call implodiert. Preselection brachte eh nix, weil der Kunde sich nur eine neue Fessel anlegte, anstatt das muntere CbC-Preisroulette aktiv zu nutzen. Verträge sind längst out.

Doch die Branche hat sich auch selbst zerstört. Immer mehr Call-by-Call-Vorwahlen gehören am Ende immer weniger Anbietern, einige von ihnen ändern die Preise im 15Minuten-Takt, ködern die Kunden, die einmal ein der Zeitung oder im Internet eine billige Vorwahl „gefunden“ zu haben glauben und erhöhen dann schwupps die Preise ins Unermeßliche.

Reklamierende Kunden haben es mit immer wieder neuen Firmen, Abrechnungsunternehmen und Inkasso-Gesellschaften zu tun, nur wenige haben Lust und Zeit dem grausamen Tun wirksam Einhalt zu gebieten und zahlen, mit schwerwiegenden Folgen:  Mitdenkende Kunden machen um Call-by-Call seitdem einen riesengroßen Bogen. (Und das betrifft auch Internet-by-Call für alle, die keine Flatrate haben können oder wollen.)

TelDaFax versuchte es zwischendurch mit DSL und schließlich mit Strom. Auch hier witterten die Manager erneute Morgenluft mit unglaublichen Provisionen: Wenn der Kunde seinen Anbieter wechselt und per Vorkasse bezahlt. Damit konnte man, eine kurze Zeit lang wenigstens, günstigere Preise vortäuschen, bis… Das Ende kam nicht unerwartet.

Nach der Odyssee des Service-Provider-Unternehmens „Tangens“, einst als Gegenstück zum übermächtigen Debitel-Konzern gegründet, landeten Tangenskunden bei der TelDaFax „Tochter“ Hugotel. Sofern sie nicht vorher ausgestiegen sind. Und Debitelkunden? Reiben sich die Augen, weil die Rechnung jetzt von der Freenet AG kommt und das Produkt Mobilcom-Debitel heißt.

Für betroffenen TelDaFax/Hugotel-Telefon-Kunden, sind folgende Szenarien denkbar: Übelstenfalls würde die Handykarte gesperrt und etwaiges Prepaid-Guthaben könnte weg sein. Vielleicht greift hier auch die Netzbetreiber-Haftung und der Original-Netzbetreiber springt ein und rettet die Kunden. Kommt darauf an, wieviele Kunden es sind und wie lautstark sie sich bemerkbar machen.

Insolvenz bedeutet ja noch nicht, daß der Betrieb sofort eingestellt wird. Ein Insolvenzverwalter muß jetzt schauen, was noch zu retten ist und den Laden verkaufen oder zerlegen oder still legen. Falls Sie betroffen sind, sollten Sie ihre nächste Strom oder Telefonrechnung genauer lesen. Handykunden sollten die Karte auch einmal einschalten, damit sie keine SMS verpassen.

Was lernen wir daraus oder auch nicht?

Beim ewigen Schnäppchenjagen, einmal mehr überlegen, zum welchem Anbieter man geht und zu welchem nicht.

Was die Strompreise betrifft, es ist ähnlich wie beim Telefon. Besseren Service zu günstigeren Preisen gibts so gut wie nirgends. Aber die Gier nach dem ultimativen Schnäppchen läßt die Sicherungen regelmäßig durchbrennen.

Nein. Da habe ich kein Mitleid.

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12 Antworten to “Kein Mitleid mit TelDaFax”

  1. Harald Says:

    Hallo,

    Sehr guter Blog der den Nerv trifft besonders die letzten Worte !

  2. Julia Says:

    Das waren nicht unbedingt die schlecht kalkulierten Preise alleine.

    Wenn eine Firma die Bilanz 2008 und 2009 immer noch nicht erstellt bzw. prüffähig hat, zeigt das noch mehr.

    Die Bilanz 2008 musste spätestens zum 31.12.2009 veröffentlicht werden. Die Bilanz 2009 musste zum 31.12.2010 veröffentlicht werden.

    Spätetens Anfang 2010 hätte hier massiv Druck gemacht werden müssen von der Aufsichtsbehörde. Dutzende Strafanzeigen wegen Insolvenzverschleppung haben…bis jetzt nichts bzw. wenig bewirkt.

    Seit Monaten warte ich auf diese überfällige Insolvenz. Ich hoffe, die verantwortlichen, die hohe Gehälter kassiert haben, werden wegen Insolvenzverschleppung belangt!

    Eine kritiische Verbraucherin

  3. stefsch Says:

    Wenn mich nicht alles täuscht, ist Teldafax auch irgendwie in Zusammenhang mit einer gleichnamigen Telefonfirma (CallByCall, Preselection,..) zu bringen. Habe damals (vor über 10 Jahren) Aktien von denen gezeichnet, die ich später mit dem Wert „0“ ausbuchen konnte. Dieser Vorfall hat mich auch abgehalten über diese Firma Strom zu beziehen. Zu Recht wie man sieht. So konnte ich mir ein deja vu ersparen. Wahrscheinlich sind die selben Köpfe wie damals dafür verantwortlich. Aber soweit reicht die Recherche von Presse, Verbraucherschutz und Staatsanwaltschaft wohl nicht zurück. So werden wir den „Wiedergänger“ Teldafax bestimmt bald auf einem neuen Geschäftsfeld erleben.
    To be continued……

    stefsch

  4. jabi Says:

    Und schon ist es geschehen: Heute, 30.06.2011, zeigt mein Handy
    „SIM-Kartenregistrierung fehlgeschlagen“ und „Kein Dienst“.

    Ich kam von Tangens/Tmobile, wechselte zu TelDaFax/HugoTel und erhielt mit Mitnahme der Tel.nummer eine Vodavone SIM-Karte.

    Die allgemeinen Geschäftsbedingungen
    kamen von „Gesmo“.

    Nu is mausetot! Wat nu??

  5. jabi Says:

    Und schon ist es geschehen: Heute, 30.06.2011, zeigt mein Handy
    „SIM-Kartenregistrierung fehlgeschlagen“ und „Kein Dienst“.

    Ich kam von Tangens/Tmobile, wechselte zu TelDaFax/HugoTel und erhielt mit Mitnahme der Tel.nummer eine Vodavone SIM-Karte.

    Die allgemeinen Geschäftsbedingungen
    kamen von „Gesmo“.

    Nu is mausetot! Wat nu??

  6. ehem. Tangensmitarbeiter Says:

    Meine Karte ist auch seit gestern tot war vorher auch bei Tangens und Kundenservice konnte genauso wenig sagen wie emails dorthin.

  7. Rolf Brenner Says:

    Bei mir ist es wie bei jabi , werde wohl als nächstes die Einzugsermächtigung für die Fa Hugotel sperren

  8. Vanessa Says:

    Ich habe auch das Problem das ich kein Netz mehr habe,mich regt das total auf, weil ich auf das Handy angewiesen bin durch meine Arbeit!
    Was soll ich denn jetzt machen?dieser Kundenservice von Teldafax ist echt beschissen alles kostet geld und ich bin nicht bereit dazu Geld zu bezahlen für etwas was ich nicht verursacht habe…ich will meine Nummer behalten aber wie soll man denn da was ausrichten wenn man nur durch Anrufen weiter kommt.

    Außerdem habe ich KEINE SMS oder sonstiges bekommen wo mir mitgeteilt wurde das meine Karte einfach Dreist gesperrt wird.

    Was kann man dagengen machen???

  9. Vokus Says:

    Meine Frau war auch bei Tangens, dann bei HugoTel nun ist der Anschluß tot.
    Hat jemand schon eine Information, ob z.B. Vodafon die Nummer übernimmt?

  10. hrgajek Says:

    Hallo an alle HugoTel-Betroffenen,

    bitte meldet Euch bei mir per e-mail und teilt mir folgende Daten mit:
    Name, Vorname, auf den die Karte angemeldet ist, Art des Vertrages (Laufzeit, Prepaid, Name des Netzes: Vodafone? richtig?), die betroffene Rufnummer, eine weitere Rufnummer für Rückfragen, wo ihr tagsüber erreichbar seid, notfalls auch anderes Handy mit Mailbox.
    Schicken an presse (at) gajek.de

    Ich habe bereits bei Vodafone eine Anfrage laufen und melde mich, sobald es Neuigkeiten gibt.

  11. Julia Says:

    Mich wundert, das die Karten abgestellt wurden.

    Ich kann keinen Insolvenzeintrag der TelDaFax Telecom in den Insolvenzveroeffentlichungen sehen!

    Zwar sind sehr viele Teldafax-Töchter insolvent, aber die TelDaFax Telecom scheint (bis jetzt) nicht davon betroffen zu sein.

    Sehr merkwürdig das ganze!

  12. hrgajek Says:

    Hallo in die Runde,

    wie ja sicher schon bekannt: HugoTel als TelDaFax-Tochter ebenfalls in der Insolvenz gelandet.

    Meine Anfrage beim Netzbetreiber Vodafone ist dort leider (wegen Urlaubszeit) erstmal einige Wochen stecken geblieben.

    Ich hatte angenommen, daß Hugotel in Servicer-Provider war/ist, dann hätte Vodafone einspringen müssen und die Kunden übernehmen können (wenn die das gewollt hätten.)

    Hugotel ist / war kein Service-Provider im klassischen Sinne, sondern verwendete einen Mobilfunk-Enabler, eine Firma, die mit dem Endkunden normalerweise nichts zu tun hat.

    Der Enabler für Hugotel ist die Firma Gesmo aus Marburg.

    Die haben sich gestern nachmittag bei mir gemeldet:

    Wer sich bis gestern (29.07.) bei der Firma Gesmo (Marburg) gemeldet hat, konnte seine Rufnummer zu einem neuen Anbieter seiner Wahl portieren.

    Einige hier Betroffene, die sich bei mir per e-mail gemeldet haben, haben das von sich aus bereits angeleiert, deren Nummer müßte bereits beim neuen Anbieter aktiviert sein.

    Wer die Portierung noch nicht getan hat: Ab heute (30.07.2011) geht das nicht mehr, weil die Karenzzeit zur Portierung nur 1 Monat nach Abschaltung der Nummer beträgt.

    Die abgeschalteten Nummern werden nach weiteren 3 Monaten Karenzzeit an den Netzbetreiber Vodafone oder irgendeinen Service-Provider weitergegeben und können dort dann eines Tages wieder neu vergeben werden.

    Sorry, daß es keine elegantere Lösung gibt.

    Insbesondere finde ich es schwach, daß der Konkursverwalter von TelDaFax/Hugotel es nicht fertig gebracht hat, alle betroffenen Kunden vorher zu informieren.

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