Orange Schweiz geht an Finanzinvestor

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Die Schweiz ist in der Hand von Finanzinvestoren. So könnte man den Telekommunikationsmarktmarkt seit letzten Samstag beschreiben. Ob diese Entwicklung vorherzusehen war, sei dahingestellt, das Signal sollte aber auch die anderen Mobilfunkmärkte und vor allem deren Kunden aufschrecken.

Das Logo von Orange

Orange (Quelle: orange)


Die Besitzverhältnisse sind nun folgende: Orange gehört dem Finanzinvestor Apax. Die Sunrise wurde an CVC verkauft und die Swisscom gehört dem schlimmsten Finanzinvestor überhaupt, den man als Firma haben kann: der Schweizer Eidgenossenschaft. Die achtet jährlich darauf, dass eine schöne Rendite von der Swisscom in die Bundeskasse fliesst. Viele Schweizer scheinen bis heute nicht verstanden zu haben, dass sie mit jedem – in der Schweiz recht teurem – Telefonanruf eine indirekte Steuer entrichten, da die Hälfte der Gewinnausschüttung der Swisscom wieder im Steuersäckel landet. Eben indirekt.

Wieso dies beunruhigen sollte?

Sowohl Sunrise als auch Orange gehörten vorher Telekommunikationsunternehmen. Sunrise der TDC und Orange der France Telecom. Beide wollten aus unterschiedlichen Gründen ihre jeweiligen Töchter verkaufen. Bei der France Telecom scheint die notorische Wechselunwilligkeit der Schweizer wohl irgendwann den Geduldsfaden reissen lassen. Vorher hat dann die Weko, die im Land der Duopole und hohen Preise das Entstehen eines weiteren Duopols verhindert hatte, diese wohl schon ordentlich angespannt.

Das jetzt nun Finanzinvestoren zugreifen, bereitet mir jedoch Sorge. Das Ziel eines Finanzinvestor ist es nicht, möglichst gute Dienstleistungen zu erbringen. Es geht darum, dass Investment wieder einzufahren. Und um dies zu erreichen, braucht es nicht zwingend Investitionen. Dabei wären diese, würde man eine technische Messlatte anlegen, nötig.

So gibt es beispielsweise bis heute kein EDGE im Netz der Orange. Sunrise und Swisscom bauen ihr Netz nur noch in den Agglomerationen aus, auf dem Land geschieht so gut wie nichts mehr. Das Swisscom Funkloch zwischen Rietheim und Koblenz feiert bald 10-jähriges Bestehen. Das Orange und Sunrise Loch auf dem Achenberg ebenfalls.

Und von LTE ist ausser ein paar Demostationen bis heute nichts zu sehen. In Deutschland werden Haushalte damit schon heute versorgt, in der Schweiz passiert nichts. Womöglich hat hier E-Plus vorgemacht, wie es gehen kann. Man investiert solange nicht, bis es die passenden Basisstationen in China zum Ramschpreis gibt und baut sie dann dort auf, wo es sie zwingend braucht. Meine Befürchtung ist, dass es so nun auch in der Schweiz weitergeht.

Das mag vielleicht eine übertriebene Darstellung einer möglichen Zukunft sein, aber wenn sich die Telekommunikationsanbieter von Infrastrukturfirmen zu Finanzinvestitionen wandeln, wird es für eben diese gefährlich.

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2 Antworten to “Orange Schweiz geht an Finanzinvestor”

  1. HoldaT Says:

    Nach meiner Meinung ist es letztlich egal, wer das Netz betreibt, denn auch eine „Telefonfirma“ ist letztlich den Aktionären verpflichtet und gewinnorientiert, so dass man die „Smart Follower“ von Eplus wahrscheinlich wirklich aus Vorreiter der Branche sehen kann.

    Heute investieren alle Betreiber nur noch auflagenkonform oder bei freier Entscheidung in renditeträchtigen Ballungsräumen. Schreibt der Regulierer/Frequenzsteller keine Auflagen vor, ist dies der logisch Schritt. Schließlich ist kein Wirtschaftsunternehmen der Allgemeinheit verpflichtet.

    Richtig ist, dass bei Fortschreibung der Entwicklung ganze Landstriche von moderner Kommunikation abgekoppelt werden. Nur wurden diese Landstriche zumeist vorher bereits von kulturellen Einrichtungen, adäquaten Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten etc. abgekoppelt. Die Kommunikationsbranche trottet hier, denke ich, eher sogar hinterher.

    Für den Osten Deutschlands, in dem ich wohne gab es mal eine Studie mit dem Titel“ Der Mensch geht, der Wolf kommt“, was tatsächlich wörtlich zu nehmen ist. Die letzten „Überlebenden“ dann vollumfänglich zu versorgen, wird niemals kostendeckend möglich sein, so dass sie von Wasser, Abwasser, Nahverkehr und eben auch Kommunikation abgeklemmt werden. Da das Ganze schleichend passiert, gewöhnt man sich dran und katalysiert die Abwanderung.

    Die von dir beschriebene Sondersituation der Schweiz passt in das dortige Bild. Apothekenpreise im Supermarkt, Apothekenpreise für die Kommunikation. Wäre der „Leidensdruck“ der Nutzer größer, würde durch Wechselwilligkeit der Wettbewerb automatisch forciert. Aber aktuell ist man noch zu satt, als dass man nicht bei Swisscom bliebe. Nur ein paar Außenseiter sind dort bei Sunrise und Orange und werden im Bekanntenkreis belacht. Gleiches geschieht hier mit Kundschaft, die sich Vodafone und T-Mobile verweigert und mit den Nachteilen der preiswerteren Kleinen lebt und zufrieden ist. Bei 50 % Nachlass muss und kann man Kompromisse machen, nur sieht die breite Masse auch hierzulande die preiswerten Angebote zwischen den vielen schreienden Werbeplakaten nicht.

    Und wie man an der Festnetznummer bei Eplus sieht, besteht auch Monate nach Einführung kein Handlungsdruck bei den Großen. Das Gegenteil ist der Fall, die Kleinen rollen die aggressivsten Angebote, wie GenionS wieder ein, um auch ein paar größere Krümel vom Kuchen zu bekommen.

  2. Barbara Says:

    @ HoldaT

    Schön Dich lesen zu können – ich habe Deine Beiträge auf TT (telefon-treff) ziemlich vermißt; ja, ich weiß: Du wurdest gesperrt, wie so manch anderer guter Schreiberling.

    Was den deutschen Markt angeht, hier wurde ja Eplus genannt – warum legt die BNetzA den IC nicht auf 0 Cent und läßt call-by-call im Mobilfunk zu?

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