Mein subjektiver Netztest

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Das Thema Netzqualität zieht sich ja wie ein roter Faden durch meine Beiträge, heute habe ich mal eine Simyo-Karte (Netz E-Plus) in den SIM-Karten-Schachts meines Netbooks, um einmal ein Datenpaket auszuprobieren (was passiert bei Erreichen des Limits). Nachdem sich E-Plus mit HSPA meldete, wurde ich neugierig. Wie schlagen sich im direkten Vergleich die anderen Netze? Heraus kam ein kleiner subjektiver Netztest.

Mein subjektiver Netztest fand am 30.03.2012 zwischen 10 und 12 Uhr in Bad Dürkheim-Seebach (Rheinland-Pfalz) statt. Zum Einsatz kam als Hardware ein Asus „Eee PC“ mit Intel Atom-Prozessor (N455) und 1 GB RAM, auf ihm läuft Windows 7 Starter mit allen Updates und als Datenkarte ist eine HSPA fähige Huawei Mobile Connect Typ EM770W serienmäßig verbaut. Die Testseiten wurden mit dem Internet Explorer 9.0 aufgerufen, also ein durchaus alltägliches Szenario.

Um die Sache vergleichbar und einfach zu halten, habe ich abwechselnd die Seiten www.speed.io und www.speedtest.net aufgerufen.

Alle deutschen Netze sind bei mir (inhouse) mit HSPA-Technik zu empfangen, D1, D2 und o2 stehen auf dem gleichen Gebäude (Luftlinie 1km aber über den Berg), der Node B von E-Plus ist Luftlinie etwa 5km entfernt am Mast eines ehemaligen Fernseh-Füllsenders, der auch von einem privaten Radio-Sender und verschiedenen Mobilfunkern genutzt wird.

Zu nächst ging es los mit E-Plus, gefolgt von Vodafone, Telekom D1 und zum Schluß o2. Die Reihenfolge ergab sich rein zufällig.

E-Plus (Simyo)
————————-
Seite: http://www.speed.io
Down : 557 kbps
Up : 529 kbps
Ping : 140 ms
Conn.: 360 con/m
Zeit : 30.03.2012 10:19:44

Der Netztest über speed.io mit einer SIM-Karte von E-Plus (Simyo)

Der Netztest über speed.io mit einer SIM-Karte von E-Plus (Simyo)

Seite: http://www.speedtest.net
Down : 0,73 mbps
Up : 0,96 mbps
Ping : 155 ms
Zeit : 30.03.2012 10:26:44

Simyo via speedtest.net

Simyo via speedtest.net

Vodafone D2
———————
Seite: http://www.speed.io
Down : 1625 kbps
Up : 1107 kbps
Ping : 110 ms
Zeit : 30.03.2012 11:14:32

Vodafone D2 via speed.io

Vodafone D2 via speed.io

Seite: http://www.speedtest.net
Down : 1.38 Mbps
Up : 2.13 Mbps
Ping : 105 ms
Zeit : 30.03.2012 11:17:41

Vodafone mit speedtest.net

Vodafone mit speedtest.net

Telekom D1
——————-
Seite: http://www.speed.io
Down : 2500 kbps
Up : 750 kbps
Ping : 70 ms
Conn.: 788 con/m
Zeit : 30.03.2012 11:31:32

Telekom bietet die geringsten Pingzeiten und ist fast so schnell wie o2

Telekom bietet die geringsten Pingzeiten und ist fast so schnell wie o2

Seite: http://www.speedtest.net
Down : 2,86 Mbps
Up : 2,27 Mbps
Ping : 85 ms
Zeit : 30.03.2012 11:27:11

Die Telekom-Werte via Speedtest.net

Die Telekom-Werte via Speedtest.net

o2 (TurkTelekom Mobile)
—————————————–
Seite: http://www.speed.io
Down : 2601 kbps
Up : 520 kbps
Ping : 130 ms
Conn.: 622 con/m
Zeit : 30.03.2012 11:41

Überraschend schnell: o2 - hier via speed.io

Überraschend schnell: o2 - hier via speed.io

Seite: http://www.speedtest.net
Down : 3.19 Mbps
Up : 1.59 Mbps
Ping : 115 ms
Zeit : 30.03.2012 11:44

o2 via speedtest.net

o2 via speedtest.net

Kleines subjektives Fazit:

Ich bin angenehm überrascht.

Bei E-Plus merkt man, daß es dem Unternehmen nicht auf maximale Geschwindigkeit sondern auf gleichmäßige Übertragung ankommt, es geht langsamer als anderswo, aber es geht. Wenn man mit dieser Erwartungshaltung an die Geschichte heran geht, kann man auch nicht enttäuscht werden. Für e-mails und andere kurze Nachrichten auf dem Smartphone kann man damit durchaus leben, viele Angebote verfügen über relativ schnell ladende mobile Webseiten oder man startet ein App, das speziell für den mobilen Gebrauch designed wurde.

Bei Vodafone fiel mir auf, daß der Uplink teilweise höher als der Download ist. Das kann bei HSPA (HighSpeed PacketAccess) durchaus passieren, auch bei LTE habe ich das schon beobachtet.

Die Telekom überzeugte mit dem niedrigsten Ping-Wert und lag in Punkto Geschwindigkeit deutlich über dem Wert von Vodafone D2. Es hängt also nicht nur vom Senderstandort, sondern auch von der jeweiligen Anbindung und der Belastung im sogenannten „Backbone“ des Netzes ab.

Verblüffend sind die Werte bei o2, die hier noch einen Tick schneller als die Bonner Konkurrenten sind. Damit hätte ich nach der Netzdiskussion der letzten Zeit eigentlich weniger gerechnet.

Dennoch: Dieser Test ist nur eine Momentaufnahme!

Die praktische Erfahrung kann sich leider jederzeit ändern und an andern Orten schon wieder ganz anders aussehen. Am (Freitag) Morgen zwischen 10 und 12 Uhr sind die internet affinen Power-Nutzer entweder schon in Beruf oder Ausbildung unterwegs oder möglicherweise noch nicht aktiv, weil der Abend vorher länger gedauert haben könnte… (Es lebe das Vorurteil) – soll heißen, zur „Rush-Hour“ (in den Abendstunden) könnte es schon wieder ganz anders aussehen.

Wer die Gegend nicht so kennt: Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz hat 20.000 Einwohner und liegt am Rande des dicht besiedelten sogenannten Rhein-Neckar-Dreiecks. Mobilfunkmäßig ist Bad Dürkheims Innenstadt durchwachsen versorgt, im Zentrum liegen Telekom und Vodafone vorne, o2 und E-Plus strahlen eher vom Rand ein, liefern aber ein brauchbares Signal, solange man nicht tief inhouse telefonieren möchte oder muß. Dafür liefern E-Plus und o2 in den Randbezirken teilweise bessere Signale.

Bad Dürkheim liegt aber auch am Taleingang zu einem (je nach Anbieter) 15km langen „Mobilfunkloch“ (zwischen Bad Dürkheim und Frankenstein/Pfalz fehlen bei Telekom D1 und E-Plus auf 15 km Straße die komplette Mobilfunk-Netzversorgung, Vodafone schafft etwa die Hälfte (bis Gasthaus Wolfental) wo es dann von o2 abgelöst wird, die über einen E-GSM900 Sender von der andern Seite her versorgen.

Was lernen wir daraus: Glaube nichts, was Du nicht selbst gesehen oder ausprobiert hast. Auch Netze wie das viel gescholtene o2 können hier und da besser als die andern sein. Es kommt (siehe E-Plus) immer auf den Anspruch an. Die großen Anbieter (wie Vodafone D2 und Telekom D1) dürfen sich nicht ausruhen. Und insgesamt: Es gibt trotz anderslautendem Marketing immer noch ärgerliche Funklöcher – auch und gerade bei den „großen“ Anbietern. Da ist noch viel zu tun.

Was sollte der Kunde daraus lernen?

Nicht immer auf den niedrigsten Preis schielen. Lasst die Netzbetreiber ihr verdientes Geld in den weiteren Netzausbau stecken. Wo das nicht (gefühlt und spürbar) passiert, kann es schnell passieren, daß die Kunden sich neue Anbieter suchen – früher oder später und es kann alle treffen, die großen und die kleinen Anbieter.

Ja der Netzausbau kostet Geld, aber ohne Netzversorgung sind alle Dienste, Geräte und Applikationen schlicht und ergreifend wertlos. Und wo der Netzausbau erfolgt ist, steigt die Kundenzufriedenheit.

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8 Antworten to “Mein subjektiver Netztest”

  1. Matthias M. Says:

    Unteressant hätte ich es gefunden, sich dem E+ Sendemast auf die gleiche Entfernung (1 km) zu nähern und dann zu testen. Schließlich ist die Entfernung maßgeblich für die UMTS-Datenrate.

    Bei mir hier in Berlin sind alle 4 Netze ähnlich schnell. Wobei E+ auch zur Rushour seine 1 Mbps schafft, O2 ab 18 Uhr teils massiv auf unter 1 Mbps einbricht und auch die D-Netze keine Sitzenwerte mehr schaffen (<2 Mbps). Nachts sind sowohl O2, als auch Vodafone und Telekom extrem schnell, E+ hingegen bleibt relativ konstant leicht unter 2 Mbps.

    Mein Fazit:
    Preis-/Leistungsgewinner ist eindeutig E+ mit seinen Discountmarken auch bei den Datentarifen. Wer deutlich mehr Geld ausgibt, bekommt bei den beiden Großen Spitzenwerte und beste Netzabdeckung. O2 hängt so mittendrin, hier hängt die Bewertung am stärksten vor allem vom eigenen Standort ab. Mal sind sie richtig gut, mal grottig schlecht.

  2. hrgajek Says:

    Hallo,

    sicher hätte man 1 km vor den Sender fahren können. Doch ist das realistisch? Ich denke nicht. Hugo Normalkunde weiß doch gar nicht genau, wo die Sender stehen. Er wohnt, lebt, arbeitet an einem bestimmten Punkt und will wissen, welches Netz für ihn besser ist. Wobei er am liebsten ein Netz wählen möchten, das immer und überall das „Beste“ ist 🙂

  3. Ralph A. Schmid Says:

    Ich vergleiche ja immer nur mal zwischen O2 und D1, und da gewinnt fast immer D1, i.d.R. haushoch. Per UMTS habe ich sehr häufig zweistellige Mbps bei D1, bei O2 komme ich dem 7.2er-Maximum nicht mal annähernd nahe, das mein Vertrag erlauben würde.

    Allerdings sind auch bei D1 die 43.2Mbps offenbar eine reine Werbeaussage, mehr als 20 gehen irgendwie nie, jedoch dank DC-HSPA+ mit sensationell niedrigen Latenzen! An den Anbindungen kann es nicht liegen, LTE am gleichen Mast bringt gerne 50 un dmehr Mbps. LTE dreht dann eh so richtig auf, mit bis zu 70 Mbps bei mir bisher. An etlichen Orten ist LTE massiv schneller als mein heimischer VDSL50-Anschluß!

    Lustig dabei, die Telekom-Hardware bringt das bei mir nicht, sondern ein Stick aus Schweden 🙂

    Generell scheint O2 schon was zu machen, die lähmend langsamen Zugriffe scheinen Geschichte, aber EDGE funktioniert immer noch vielerorts nicht richtig. Generell ist man auch noch weit weg von dem, was die Luftschnittstelle erlaubte. Hat denn O2 mittlerweile nach der Umstellung auf Huawei „richtige“ Sektorisierung, oder bedient immer noch ein Sender alle drei Sektoren einer UMTS-Zelle? Das war immer ein systembedingter kapazitätseinschränkender Schwachpunkt, den ich damals nie verstanden habe. War doch klar, daß Datendienste irgendwann mal im Kommen sind…

  4. Chefkoch01 Says:

    Kann es sein das es bei dir am Tarif liegt das nicht mehr als 20MBit/s gehen ?? Ansonsten sind dann doch die Pingzeiten beim normalen Surfen wichtiger als ein paar hundert kbit/s…

    Um die 2MBits habe ich allerdings auch öfter mal mit o2 bei Tests. Nur schwankt es dort zwischen 1,0-2,8 MBit/s und Pingzeiten sind oft eher mau. Das muss man dann schon auch mal kritisieren.

    Hier mal exemplarisch 2 Speedtests an denen man sieht was machbar ist mit DC-HSPA+ 42,2:

    Nr1: http://www.speedtest.net/iphone/230615353.png
    Nr2: http://www.speedtest.net/iphone/230705733.png

    Die Werte sind an 2 NodeBs in unterschiedlichen Städten reproduzierbar. Einmal ca 9000 Einwohner und einmal 600.000 Einwohner…. 🙂 Speedtests wurden am iPad der 3. Generation gemacht mit dem Web n Walk XXL Tarif…..

    Viel mehr als 30MBits werden wohl nicht gehen, da man wohl nie völlig alleine ist in einer Zelle. Aber da kommt auch so schon VDSL Feeling auf.

  5. Ralph A. Schmid Says:

    Klar liegt das am Tarif – aber es liegt offenbar nicht am Tarif, daß O2 nicht mal annähernd sein Angebot „bis 7.2“ erfüllt.

    In welchem Netz fanden die DC-HSPA+-Tests statt? Ich habe noch nie mehr als knapp 25 Mbps erreicht. Reicht aber ja auch, eh klar 🙂

    Die Latenz ist natürlich erst mal sehr wichtig, keine Frage, aber eine hohe Übertragungsgeschwindigkeit ist dann nochmal das i-Tüpfelchen, da merkt man sogar beim surfen deutlich, ob 2 oder 20 Mbps! Ansonsten mache ich viel mit VNC, remote desktop und VPN, da ist man froh um jede Geschwindigkeitssteigerung.

  6. Chefkoch01 Says:

    Die Tests fanden im Telekom 3G Netz statt. Mir persönlich reicht aber auch die Speedoption zum Complete Mobil Tarif. 5GB und 21,6 Mbit/s sind schon gut für iPhone, iPad Nutzung und hin und wieder mal am Notebook.

    Hab da aber noch eine Verständnisfrage zu O2: Haben die wirklich eine 7,2er Zelle auf 3 Sektoren verteilt?! Ohne Worte! Das macht doch keinen Sinn.
    3×7,2 sprich für jeden Sektor 7,2 muss man wenn schon haben. Aber gut die Verkaufen ja auch Datentarife mit bis zu 14,4Mbit/s, obwohl man die nirgendwo erreicht im 3G Netz….

  7. Ralph A. Schmid Says:

    Diese Aufteilung stammte aus der Anfangszeit von UMTS, als die noch nicht mal HSDPA hatten, aber selbst da war das meines Erachtens halt eine Billiglösung. Tatsache jedenfalls ist, daß bei der hier in der Region Nürnberg verwendetn Nortel-Technik meist ein Sender alle drei Sektoren bediente, und nur die Empfänger getrennt waren. Ich habe aber keine Ahnung, wie das heute aussieht, nachdem alles gegen Huawei-Zeugs ausgetauscht ist.

  8. netzbetrieb Says:

    Reblogged this on Glücklich auch ohne Festnetz und kommentierte:
    Herr Gajek – wie immer sehr zu empfehlender Experte in Sachen Mobilfunk!

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