Ein Lowlight 2012: neue Versionen aber keine Standards?

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Es begann schleichend irgendwann in 2008. Damals nutze ich primär ein Samsung D880 Duos Mobiltelefon. Ein Slider, der auch bis heute bei mir noch auf dem Tisch liegt. Es war das erste wirkliche Dual-SIM Handy – zumindest meiner Meinung nach. Im Auto telefonierte ich stundenlang mit der Freisprecheinrichtung. Doch dann ging irgendetwas schief.

Samsung D880 (Quelle: samsung.de)

Samsung D880 (Quelle: samsung.de)

Anfang des Jahres war ich auf einer Konferenz zum Thema Logistik. Dort ging es um diverse Themen, ein Trendthema war hier (noch immer!) der Datenfunk, der mit der quasi weltweiten Verfügbarkeit von GSM (und damit SMS) im Logistiksektor einen unglaublichen Erfolg feiert. Doch ein Vortrag war eher negativ geprägt. Ein Mitarbeiter einer Eisenbahn regte sich auf: Er hatte die Aufgabe, Smartphones zu evaluieren, die für Zugpersonal zu gebrauchen sein sollten. Ein sensibles Thema, greifen diese Geräte doch über GSM-R durchaus auch in die Zugsicherung ein. Die Erkenntnisse, die er hatte, waren dann doch recht hart. Viele Geräte halten sich nicht an Standards. Selbst der GSM Standard als solcher, der heute eigentlich eine Fingerübung für die Smartphones sein sollte, wird nicht eingehalten. Da kommen Bitmuster falsch, da stimmt das Timing nicht. Für den Konsumenten heisst das dann, die Daten stocken mal – für ein Zugsicherungssystem kann sowas gefährlich sein.

Die Erfahrung, die jener Eisenbahnmitarbeiter macht, kann ich teilen, wenn auch auf einer anderen Ebene. In der Einleitung schrieb ich von meiner Freisprecheinrichtung. Nun, irgendwann liess auch der zweite Akku des D880 soweit nach, dass ich mir überlegte, einen Nachfolger zu kaufen. Samsung bot mittlerweile auch Geräte mit dem hauseigenen Bada OS an, was mich dann zum wechseln ermunterte. Doch dann gab es das erste negative Erlebnis.

Von der Freisprecheinrichtung aus konnte ich keine Nummern mehr wählen, in denen eine Pause-Funktion eingebaut war. Die braucht es vor allem dann, wenn über lokale Einwahlnummern gewählt wird. Hier wartet das Mobiltelefon dann, bis die Verbindung zum Einwahlserver steht und setzt dann die Nummerneingabe fort. Das funktionierte plötzlich nicht mehr. Ein Update habe ich für dieses Handy nie gesehen – und es wir auch nie eins kommen.

Noch schlechter wurde das Erlebnis dann, als ich von dem Bada OS Handy auf ein Galaxy Ace Duos wechselte, welches unter Android (2.3.6) läuft. Das Handy lässt sich mit der Freisprecheinrichtung nicht einmal mehr verbinden. Es hilft kein Hart-Reset der Freisprecheinrichtung, kein Reset des Handys, keine Updates – nichts. Dieses Gerät kann sich mit dem Auto nicht verbinden.

Verdutzt davon, dass eine Basisfunktion wie die Bluetooth Anbindung an eine Freisprecheinrichtung nicht mehr funktionierte, probierte ich etwas herum. Das Resultat war erstaunlich: das unter der gleichen Android Version laufende SP80 von Pearl verbindet sich – nur das Telefonbuch wird nicht synchronisiert. Ein Sony K770i verbindet sich problemfrei, ein Nokia E51 ebenfalls. Je älter die Handys, je weniger Gimmiks die Hersteller einbauen, desto besser geht es.

Jetzt fühle ich mich an den Eisenbahner erinnert: die heutigen Handys können vieles, doch wird heute wohl eher darauf geachtet, mit Softwareversionen zu werben. Eine Funktionsfähigkeit scheint mir nicht mehr so wichtig zu sein.

Vermutlich haben die Kaufargumente geändert: war es früher der Funktionsumfang, sind es heute die Softwareversion als solche und auch viele durchaus weichere Faktoren wie ein gutes Display. Viel zu oft lese ich davon, dass ein Gerät die neuste Android Version geladen hat. Nur was bringt mir die neuste der neuen Softwareversion, wenn ich das Gerät nur noch zum „Fingerwischen“ gebrauchen kann?

Mein Wunsch für das nächste Jahr: haltet Euch nicht nur an neue Versionen, sondern auch an altbekannte Standards.

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3 Antworten to “Ein Lowlight 2012: neue Versionen aber keine Standards?”

  1. Ralph A. Schmid Says:

    Die Smart Phones der Zugbegleiter haben nix mit GSM-R zu tun, das sind stinknormale Nokia Communicator gewesen, mittlerweile haben die HTC-Androiden. GSM-R wäre dieser Netzlast gar nicht gewachsen, das ist alles etwas mit der heißen Nadel gestrickt bzw. eng auf Kante genäht, viel Reserve ist da weder an Kapazitäten noch an Feldstärke 😦

    • RBrosowski Says:

      Ich werde nicht ins Detail gehen, um welche Person oder welche Bahn es sich handelte. Es gibt jedoch Bahnen (bzw. die Infrastrukturanbieter), die sind da ein wenig weiter. Dinge wie die Fahrtfreigabe durch die Zugbegleiter sind per Widget möglich – alles im GSM-R realisiert.

  2. Smart in die Röhre schauen « hrgajek.de – Henning Gajek's Blog Says:

    […] mich bleibt der Fade Beigeschmack, den ich schon Ende 2012 beschrieb: es muss immer neuer werden und immer schneller. Nur besser wird es […]

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