Der Femtozellen Unsinn?

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Manchmal erinnert der Mobilfunkmarkt mich an andere Technologiemärkte. Immer wieder wird dabei versucht, dem Kunden etwas als Verbesserung zu verkaufen, obwohl es auch eine Verschlechterung ist. Manchmal zieht man dem Kunden auch dreist das Geld aus der Tasche. Die Königsdisziplin besteht dann darin, dafür zur sorgen, dass der Kunde sich dabei noch besser fühlt.

Eine Femtozelle (Quelle: vodafone)

Eine Femtozelle (Quelle: vodafone)

Der Markt für Navigationsgeräte ist schon mehrere Jahre alt. Er entwickelte sich von unbezahlbaren Festeinbauten zu kleinen PDA ähnlichen Hilfsgeräten und ist heute im Smartphone angekommen. Die Anbieter verkaufen ihren Kunden am Ende eine Strassenkarte und eine auf diese Karte angepasste Software, die darauf eine Route berechnet. Der Kunde kümmert sich um das Gerät.

Irgendwann kam dann der soziale Gedanke dazu. Ich erinnere mich an ein Tomtom Gerät, welches mir mit einer „Mapshare“ Funktion erlaubte, selber Korrekturen an der Karte vorzunehmen und mit anderen zu teilen. Alle Nutzer sorgen dafür, dass sie gemeinsam besser ihre Ziele erreichen. Tönt gut, oder?

Aber Moment – da passt was nicht. Tomtom, oder ein anderer Anbieter, hat mir offenbar keine gute Strassenkarte verkauft, sondern eine schlechte. Wäre sie richtig und in hohem Masse fehlerfrei, bräuchte es ja gar keine Korrekturfunktion. Das stört ein wenig. Doch es geht weiter: kleine Änderungen wie falsche Geschwindigkeitsangaben werden „sofort“ korrigiert, wenn ein richtiger Bock drin ist, die Geometrie nicht stimmt und sonstige Fehler drin sind, dann werden die Fehler, die von der Community gemeldet werden, in der nächsten Kartenversion berücksichtigt. Und für diese dürfen die Kunden dann zahlen.

So ist der Kreis perfekt: die Kunden melden schwerwiegende Fehler und der Anbieter bekommt Geld dafür, wenn er diese korrigiert. Eigentlich ein absolutes Unding. Dem Kunden etwas „Falsches“ in die Hand zu drücken und dann Geld dafür zu verlangen, dass er etwas „Richtiges“ erhält, vorausgesetzt, er meldet auch noch, was nicht stimmt.

Lese ich die Nachrichten aus Barcelona, dann habe ich ein déjà-vû. Das Thema Femtozellen ist wieder hochgekommen. Das sind sehr kleine Funkzellen, die vornehmlich dort aufgestellt werden, wo das Netz des Anbieters nicht hinkommt. Es wird so beworben, dass die Kunden so ein gutes Netz erhalten, denn sie entscheiden am Ende, wo es aufgestellt wird.

Das ganze kann eine durchaus sinnvolle Lösung sein. Sei es in den Alpen oder in anderen hügeligen Gegenden, wo terrestrische Netze an ihre Grenzen kommen. Dort können kleinste, flexible Zellen eine Lösung sein. Doch Moment, ist das wirklich so eine gute Sache? Es ist eine sehr gute Sache, so scheint es, aber für den Kunden auch?

Grundsätzlich erinnert mich die Situation an die falsche Strassenkarte. Nur hier ist nicht die Karte löchrig und muss korrigiert werden, nein das Mobilfunknetz hat ein Loch, welches gefüllt werden muss. Ich buche also ein Abo bei einem Anbieter, der von mir zwar Geld sehen will, mir aber kein ausreichendes Netz zur Verfügung stellt – sonst bräuchte der Kunde ja keine Femtozelle.

Das hat für den Anbieter zwei Vorteile. Der erste ist offensichtlich: er muss sich nicht mehr um die Netzabdeckung vor Ort kümmern, das macht der Kunde.

Der zweite Vorteil ist auch nicht zu unterschätzen. Es werden Risiken an den Kunden ausgelagert. Es fängt banal an. Für die Femtozelle muss weder ein USV zur Verfügung gestellt noch irgendeine Miete bezahlt werden, wie es bei einem Antennenstandort sonst nötig wäre. Der Kunde kümmert sich um den Strom, den Stellplatz und die Anbindung und haftet selber, wenn durch einen Ausfall irgendeiner Komponente die Femtozelle unbrauchbar wird. Dann hat er kein Netz mehr, zahlt den Vertrag aber weiter. Auch wird das juristische Problem beseitigt. Würde der Anbieter einen Funkmast aufstellen, wäre ein Bürgerprotest vorprogrammiert. Durch Femtozellen gibt es keinen. Die kommt im kleinen Karton und hängt unauffällig in der Wohnung, ausserhalb des Sichtbereichs für andere. So steht ein Netz – ohne Bürgerprotest.

Die Kunden sollten aufpassen, worauf sie sich einlassen. Es ist nicht ihre Aufgabe, für den Anbieter die Funklöcher zu schliessen noch das Risiko für eingesparte SLAs oder Streitereien, sei es auch nur in der Nachbarschaft, zu tragen. Doch genau das machen sie dann.

Ich empfehle daher eines: statt sich über die Femtozelle, die durchaus ein sehr grosses Potential hat, nur zu freuen, sollten Interessierte auch genau durchgelesen, aus was sie sich am Ende wirklich einlassen.

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6 Antworten to “Der Femtozellen Unsinn?”

  1. Matthias M. Says:

    Es ist noch dreister: Man zahlt fünffach. Man zahlt die Femtozelle, man zahlt den Vertrag dazu, man zahlt die Nebenkosten wie Strom, man zahlt den dazu nötigen Internetzugang und man zahlt weiterhin auch die normalen Mobilfunk-Entgelte.

    Der Anbieter müsste eigentlich eine Umsatzbeteiligung an allen über die eigene Femtozelle erwirtschafteten Umsätzen beteiligen. Das würde deren Kosten teilweise oder ganz, je nach Nutzungsintensität, abdecken. Alles andere ist pure Kundenabzocke. Fünffach.

  2. Ralph A. Schmid Says:

    Ich sehe das differenzierter; nicht an jedem Eck kann ein Anbieter Versorgung bieten, es gibt einfach Löcher, in die keine HF dringt. Frech ist es aber, dann für die Femtozelle auch noch monatliche Kosten zu erheben. Die haben das Ding auf Wunsch billig zu einer Art Schutzgebühr abzugeben, können das Teil meinetwegen auch wieder zurückfordern, wenn es nicht verwendet wird, aber das war es dann auch schon.

  3. Christian Says:

    Bereits seit 2010 verschenkt der japanische Netzbetreiber Softbank nicht nur die Femto-Zelle selbst, sondern als Anreiz für den Kunden gleich auch den DSL-Anschluß zur Anbindung derselben dazu:
    http://www.theregister.co.uk/2010/06/30/softbank_femto/

    AT&T verlangt für seine Femtos, wovon bereits 650’000 Stück am Netz sind, auch keinerlei Grundgebühr und überläßt die Hardware Bestandskunden überwiegend kostenlos:
    http://radioaccess.blogspot.de/2013/01/at-3g-micro-cell-some-facts-and-figures.html

    Selbiges gilt für Vodafone in Großbritannien, wo Kunden höchstens einmalig £100 zahlen müssen:
    http://www.vodafone.co.uk/our-network-and-coverage/what-affects-your-coverage/sure-signal/index.htm

    In Deutschland scheint Vodafone aber zu glauben den Kunden, der ohnehin schon vergleichsweise teuer telefoniert, vollends ausnehmen zu können, indem man ihn auch noch dafür bezahlen läßt die eigenen Funklöcher zu stopfen.
    Gelinde gesagt ist das eine bodenlose Frechheit – wer sich als Kunde auf sowas einläßt, dem ist nicht mehr zu helfen.

  4. Tim Says:

    Naja, ich als Telekom-Kunde wäre froh so ein Teil für 20 Euro monatlich aufstellen zu können…

  5. Albert Says:

    Moment mal. Femtozellen sind eigentlich dafür gedacht, Mobilfunk in Gebäuden zu ermöglichen, in die das reguläre Mobilfunksignal schlecht eindringen kann. Das kann entweder an dicken Mauern liegen oder an beschichteten Fenstern. Dafür kann der Mobilfunkanbieter nichts, im Gegenteil – das ist dem Hausbesitzer zu verdanken.

  6. Von der Netzapp zur Femtozelle | hrgajek.de - Henning Gajek's Blog Says:

    […] Das Paket selber musste persönlich entgegen genommen werden. Es beinhaltete einen einfachen Mobilfunkvertrag für die indoor box, insbesondere wohl für deren SIM Karte. Inhalt grob formuliert: die Sunrise box ist nur gemietet, darf nur an der vereinbarten Adresse, insbesondere nur in der Schweiz betrieben werden und muss bei Abo Ende zurückgegeben werden. Das ist alles in soweit verständlich, wenn ich auch nicht verstehen kann, wieso ich dann eigentlich 49 CHF bezahlen soll. Ich habe nichts erworben, ausser das Recht, eine indoor box in mein Haus zu stellen, für deren Betrieb ich aufkomme. Das ist erstaunlich und ich habe mich schon vor einiger Zeit darüber etwas genervt. […]

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