O Tempora – o Prisma – Wer weiß was und weiß, was es bedeutet?

by

Wie war das in der Schule? Psst, ich erzähle Dir ein Geheimnis, das darfst Du aber niemandem weiter erzählen, streng geheim, hörst Du? Die nachfolgende „Geheim“-Information war am Ende oft banal. Oder?

Mobiles Datensurfen im Ausland kann teuer werden

Wer weiß, was „Sie“ wissen? (Foto: Deutsche Telekom)

Die Schlagzeilen sind bekannt: Ein Computerspezialist arbeitet freiberuflich beim Geheimdienst und entdeckt dabei ein offenes Geheimnis: Alle wollen wissen, was die Andern tun und lauschen hier und spionieren dort. Sie erfahren dadurch Dinge, die sie eigentlich nicht wissen sollten. Aber sie wissen sie nun einmal oder auch nicht wirklich, weil sie die Zusammenhänge und Hintergründe oft nicht kennen oder gar verstehen.

Nun tut der Computerspezialist etwas sehr Gewagtes: Er erzählt sein Wissen der Öffentlichkeit, wird schnell berühmt und sofort von allen Geheimdiensten dieser Welt gejagt. Eine Geschichte, wie wir sie im Kino schon oft gesehen haben. Neu ist allerhöchstens, daß das „geheime“ System der Amerikaner „Prisma“ und das der Briten „Tempora“ heißen soll.

Was ist denn heute noch „geheim“ ?

Was im kleinen Kreis der Schul- oder Kindergartenfreunde schon schwierig wird: Wer hat was mit wem, wer kann wen leiden, wer hat das Förmchen im Sandkasten geklaut oder schlicht verbuddelt (und vergessen), wird bei Informationen zwischen und über Staaten und einer dicht verknüpften internationalen Datenwelt eine Riesenaufgabe. Wie kann man diese Giga-Mengen an Daten richtig filtern, auswerten und verstehen? „Big Data“ heißt das Zauberwort. Mehr dazu in einem anderen Beitrag.

Die Neugier der Dienste und „geheimes“ Wissen hat uns vor schlimmen Dingen bewahrt. So waren wohl „befreundete Dienste“ dabei behiflich, einer politisch und glaubensmäßig völlig verirrten Gruppe aus dem Sauerland auf die Schliche zu kommen, bevor diese mit ihrem selbst gebastelten Sprengstoff Angst und Schrecken verbreiten konnten.

Aber soviel Wissen hilft auch nicht immer: Informationen über die deutschen Rechtsterroristen „NSU“ waren hier und da wohl bekannt, aber niemand konnte oder wollte daraus rechtzeitig die richtigen Schlüsse ziehen. Der türkische Ministerpräsident Erdogan müßte durch Geheimdienste längst informiert worden sein, daß große Teile der türkischen Bevölkerung andere Ansichten von gelebter Demokratie haben, als er selbst, aber zieht er die richtigen Schlüsse daraus? Der vom Volk gewählte, aber jetzt entmachtete Präsident Mursi in Ägypten müßte längst gewußt haben, daß die Idee eines religionspolitisch einseitig ausgerichteten Staates bei der Basis auf Widerstand stößt, speziell, wenn die Bevölkerung erst einmal ganz andere fundamentalere Probleme gelöst haben möchte. Das wußte schon Bertolt Brecht: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“. Nur haben die Mächtigen ihr Wissen immer richtig genutzt oder wußten sie zuviel „Falsches“ ?

Wenn Fritz seiner Susi schreibt „Agathe hat nächsten Donnerstag Geburtstag, vergiss den Kuchen nicht!“, was kann das denn bedeuten? Daß Erbtante Agathe Geburtstag hat und sich über einen Kuchen freut? Oder etwas ganz ganz anderes? Und was genau bitte? Wenn wir heute Dinge im Netz speichern, müßten wir vielleicht eine „Bedienungsanleitung“ für die Geheimdienste beipacken, wie diese Informationen zu verstehen sind, welches Hintergrundwissen dazu notwendig ist, beispielsweise?

Was ist da Wahrheit, welche Wahrheit kann durch falsches Kombinieren entstehen? Was ist wenn einzelne für sich alleine wahre Teilstücke mutwillig zum Erzeugen einer neuen „unwahren Wahrheit“ verwendet oder verändert werden?

Wenn wir unsere Daten künftig alle brav verschlüsseln, könnte es sein, daß die Geheimdienste sie wirklich nicht lesen können, dann aber immerhin wissen, hier möchte jemand was „geheim“ halten. Das spornt dann doch erst recht an, zu schauen, ob man den Code nicht doch knacken kann. Und dann? Siehe oben.

Nicht alles bedarf geheimer Anstrengungen. Vieles davon ist längst „offen“ im Netz zu erhalten: Die Fotos von der letzten feuchten Party, welche der künftigen Karriere vielleicht nicht förderlich sein könnten?

Und umgekehrt: Könnte ich bei der NSA, MI5 oder dem BND anrufen, wenn ich aus Versehen meine Urlaubsbilder gelöscht und davon kein Backup mehr habe? Wäre das nicht ein Geschäftsmodell, die immensen Kosten für Millionen von Festplatten ein wenig zu refinanzieren? 🙂

Was lernen wir daraus: Die Mächtigen wissen Vieles, aber nicht alles, denn sonst gäbe es keinen Hunger, Durst, keine Kriege um Nebensächlichkeiten mehr, die Welt wäre vielleicht besser – wahrscheinlich aber nicht. Die Mächtigen müssen auch nicht alles wissen, weil sie Vieles schlicht nichts angeht oder für sie gar nicht verständlich sein kann. Aber auch: Was für den einen „geheim“ ist, gibt der andere gerne offen über sich preis. Eine allgemeine Wahrheit gibt es auch hier nicht.

Advertisements

Eine Antwort to “O Tempora – o Prisma – Wer weiß was und weiß, was es bedeutet?”

  1. Christian Kaupert Says:

    Sehr schön, dieser Beitrag, aber eigentlich überflüssig. WARUM? Jeder weiß es, oder auch nicht. Da gibt es im Prinzip noch nicht einmal einen Unterschied…..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: