E-Plus gibt Gas

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Allen Fusionsgerüchten und Grusel-Szenarien zum Trotz: Der 1994 gestartete dritte deutsche Netzbetreiber E-Plus gibt beim Netzausbau derzeitig gewaltig Gas.

Wartungsarbeiten an einer E-Plus Antenne (Foto E-Plus-Gruppe)

Wartungsarbeiten an einer E-Plus Antenne (Foto E-Plus-Gruppe)

Am Wochenende konnte ich mit einer Discounter SIM-Karte von Simyo unglaubliche 5 MB/s im Downstream erzielen (getestet mit der Seite www.speed.io). Das Endgerät, ein BlackBerry Z10 hätte wohl noch etwas mehr geschafft, aber Discounter-SIM-Karten im E-Plus-Netz, so verriet mir ein Insider, seien vom Netz her auf maximal 7,2 MB/s beschränkt. Bei diesen Geschwindigkeiten im E-Plus Netz kann einem schon schwindlig werden, besonders, wenn man bisher an träge dahin tröpfelnde Datenmengen in GPRS-Technologie gewohnt war.

Die Kritik am „langsamen“ und „löchrigen“ Netz ist nicht neu und E-Plus hat die Zeit genutzt, um das eigene Netz aufzurüsten: Sogenanntes DC-HSPA erlaubt jetzt Geschwindigkeiten von theoretisch bis zu 42 MBit/s.

Wohlgemerkt „bis zu“. Man sollte jetzt nicht erwarten, daß es mit einem Schlag immer und überall so schnell geht. Die meisten Kunden möchten einfach nur ohne lange Wartezeiten ihre Lieblingswebseiten, Social Media oder e-mails abrufen und dazu muß es gar nicht so superschnell sein.

E-Plus bleibt seiner „Challenger-Strategie“ treu: Ein modernes Mobilfunkunternehmen muss beim Datennetz-Ausbau zwei Dinge beachten: Das Netz soll so schnell sein, dass die Kunden das Surferlebnis genießen. Und es soll so gut geplant sein, dass die Kunden keine unnötigen Ausbauten über ihre Mobilfunktarife bezahlen müssen.

DC-HSPA steht für „Dual Cell High Speed Packet Access“ oder verständlicher für „Dual Carrier“ HSPA. Man nimmt einfach zwei getrennte UMTS-Frequenzen („Carrier“) und koppelt die Signale im Netz und im Handy so raffiniert zusammen, daß am Ende höhere Geschwindigkeiten möglich werden, als die begrenzte Bandbreite eines Kanals erlauben.

Mehr als die Hälfte aller Stationen im UMTS-Netz sei bereits Dual Cell-fähig, meldet E-Plus und werde „zeitnah“ aktiviert. Bis Ende des Jahres sollen es mehr als drei Viertel aller E-Plus-Sendestationen sein, was einer Bevölkerungsabdeckung von 75 Prozent entspräche.

Bei sogenannten „Alt“-Standorten muß E-Plus den Vermieter nochmal fragen, ob von GSM/EDGE auf UMTS hochgerüstet werden darf. Mancher Hausbesitzer oder die Eigentümergemeinschaft tat oder tut sich da ein bischen schwer, oft aus diffusen Ängsten, was da „oben auf meinem Dach“ eigentlich genau passiert. Auch komplette Neubauten von GSM- oder GSM/UMTS-Stationen, um bestehende Funklöcher zu stopfen, soll es bei E-Plus noch geben, wann und wo genau, war nicht zu erfahren.

In der Vergangenheit seien „fast alle“ UMTS-Sendestationen auf HSPA+ hochgerüstet worden, was Berichte von verblüfften Anwendern immer wieder bestätigen. Damit die Daten zu den Sendern schnell hin- und wieder wegkommen, wurden entweder schnellere Richtfunkstrecken installiert (sog. „Gigabit Richtfunk“) oder die Stationen über gemietete Glasfaserleitungen angebunden („Das ist richtig teuer“, so ein Insider.) Bei der breitbandigen Anbindung der Stationen ans Kernnetz sei das Unternehmen „auf der Zielgeraden“. Damit versorge E-Plus mehr als 85 Prozent der deutschen Bevölkerung mit einem leistungsstarken Datennetz, in dem sie auch anspruchsvollere mobile Dienste wie das Streaming von Musik oder HDVideos zu günstigen Preisen nutzen können“ freuen sich die Düsseldorfer und bieten deshalb jetzt auch „inzwischen Musikstreaming als festen Bestandteil ihrer Tarife oder Datenoptionen“ über den bunten Marken-Gemischtwarenladen von E-Plus an.

Und LTE?

„Mit DC-HSPA heute schon LTE-Tempo“ verspricht E-Plus, aber auch der LTE Netzausbau findet – wenn auch unter ziemlicher Geheimhaltung bereits statt. So scheinen in einigen Regionen schon LTE-Sender auf 1800 MHz zu laufen, die aber für Endkunden noch gesperrt sind, bis alle technischen Vorraussetzungen und Tests absolviert sind. Wer die passenden Endgeräte hat, müßte die Stationen aber bei der „Netzsuche“ schon „sehen“ können.

Als langjähriger Kunde (und Betatester beim Netzstart 1994) im Netz von E-Plus freut es mich, daß E-Plus sich die Kritik zu Herzen genommen und seine Anteilseigener davon überzeugt hat, in das Netz zu investieren. Welche Stationen konkret und wann ans Netz gehen, bleibt weiterhin geheim, aber sich ein wenig auskennt, kann mit einfachen Bordmitteln (auf dem Handy entweder den Internet-Browser starten und www.speed.io oder www.speedtest.net oder www.wasistmeineip.de aufrufen oder eine SpeedTest App unter iOS oder Android herunterladen und selbst testen. Es empfiehlt sich über den Tag verteilt mehrere solcher Tests und an wechselnden Orten durchzuführen. Dabei kann eine Prepaid-Karte eines Discounters im E-Plus-Netz gute Dienste leisten – wenn es nicht wie erwartet tut, ist nicht viel verloren und es entstehen auch keine Folgekosten.

Es gibt da einige Besonderheiten. Bei Karten, die über den virtuellen Dienstleister GTCom geschaltet wurden (z.B. Galeria-Mobil, ATU, Ring u.a.) gibt es eine technische Besonderheit: Hier steht das GPRS-Gateway von GTCom in Spanien. Je nach gewünschter Internetseite oder Dienstleitung ist zu berücksichtigen, daß die Internetwege von Spanien zum Ziel anders als die Wege von Deutschland verlaufen können. Auch virtuelle Netzbetreiber wie SIMQuadrat routen die Signale ein wenig anders, wenn aber die Sendestationen vorne im Netz nicht schnelle Daten liefern können, kann man hintendran auch nichts machen. Von daher ist der Netzausbau richtig und wichtig.

Was mich ein bischen mit Sorge erfüllt, ob man die frischgewonne „Luft“ im Netz gleich wieder mit Musik oder TV-Streaming-Diensten „verbraten“ sollte. Da wird ein gefährlicher Teufelskreis daraus: Neue Kapazitäten saugen neue Dienste an und sorgen am Ende für neuen Frust. Radio und TV sollten – wenn überhaupt – über Broadcast-Dienste (einmal senden, viele hören oder schauen zu) ausgestrahlt werden, doch hier ist das letzte technische Wort generell noch lange nicht gesprochen, das ist also kein spezifisches E-Plus-Problem.

Wer etwas Gutes für sein Netz tun will, sollte datenhungrige Angebote unterwegs besser vermeiden und besser auf das heimische WLAN oder den großen Computer am festen LAN-Kabel ausweichen. Die Lieblingsmusik kann unterwegs man auch „offline“ auf einer SD-Karte speichern, Filme auf einer DVD oder der Festplatte am Laptop schauen.

Mein Fazit: Man kann E-Plus nur die Daumen drücken, daß in der Zukunft entweder o2 oder KPN respektive Carlos Slim die Notwendigkeit weiterer Investitionen ins das E-Plus-Netz erkennen und zügig weiter ausbauen. Wenn dann noch öfter und detaillierter über den Netzausbau und die damit verbundenen Probleme informiert würde, wäre es (fast) perfekt. Das schafft Vertrauen und bindet Kunden. Zufriedene Kunden, die ihren Anbieter gerne weiter empfehlen.

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3 Antworten to “E-Plus gibt Gas”

  1. Eckoman Says:

    Weil ich neulich so „gemeckert“ habe, nun gern ein Lob – Artikel dieser Art sind es, warum dieses Blog noch immer einen Stammplatz im RSS-Reader hat.

  2. Nader Ulas Says:

    Zitat: „Wer etwas Gutes für sein Netz tun will, sollte datenhungrige Angebote unterwegs besser vermeiden und besser auf das heimische WLAN oder den großen Computer am festen LAN-Kabel ausweichen.“ WARUM sollte ich das tun? Wenn ich für ein Netz bezahle sollte man doch Anspruch auf Qualität haben. Ich kann ja auch kein 200 PS Auto verkaufen was am Ende nur 100 fährt. E-Plus ist nun mal leider kein qualitativ hochwertiges Netz. Das war schon immer so und ich spreche aus Erfahrung, denn hier im Großraum Köln hat man fast nie Verbindung und nur Abbrüche.

    • hrgajek Says:

      Hallo,

      die Haltung „Ich zahle dafür, also will ich es maximal nutzen“, ist nachvollziehbar, aber die Folgewirkungen sehen wir täglich. Tröpfelnde Daten, weil alle zeitgleich ins Netz wollen. Die philosophische Frage ist, obs in teureren Tarifen besser oder schneller wäre. Selbst wenn die Anbieter ausbauen, der jährliche Zuwachs ist gigantisch. Ich denke Faktor 4 pro Jahr ist realistisch. D.h. die können gar nicht so schnell nachrüsten, wie die User das überstrapazieren können 🙂

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