VoIP bei Ortel: Wie man das frisch ausgebaute Netz überlastet

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Das Thema Netzversorgung und Netzqualität liegt mir bekantlich am Herzen. Der drittgrößte deutsche Anbieter E-Plus wurde lange wegen seiner langsamen Daten und zahlreichen Funklöcher gescholten. In der letzten Zeit hat sich viel getan, wer schon länger nicht mehr mit E-Plus telefoniert oder gesurft hat, kann sich hier und da die Augen reiben. Richtig viel Geld wurde in den Netzausbau investiert und bei Fahrten durch das hügelige Land z.B. in Baden-Württemberg versorgt E-Plus an Stellen, wo der preisgekrönte Marktführer Telekom mitunter zu Aussetzern und Abbrüchen neigt. (Für mitlesende Netztechniker: z.B. zwischen 74889 Sinsheim und 69434 Hirschhorn (Neckar) via Schwarzach, 69436 Schwanhein, 69436 Schönbrunn. Von 74915 Daisbach bei Sinsheim, wo gar nix geht (alle Anbieter) reden wir lieber nicht 🙂

Ortel Mobile bündelt das Ethno-Angebot der E-Plus-Gruppe


Da kommt heute eine Pressemitteilung des Ethno-Discounters „Ortel“. Ortel gehört zur E-Plus-Gruppe und ist das neue Dach der gesammelten Ethno-Aktivitäten, also die Zielgruppe von Mitbürgern mit viel internationalen Kontakten zu Freunden, Bekannten und Verwandten in aller Welt. Diese Pressemitteilung verkündet, daß Ortel internetbasierte Telefonanbieter (VoiP) jetzt ganz offiziell unterstützt und bietet dazu ein 5 GB Datenpaket für 19,90 Euro im Monat an.  Als Beispiel wird „Skype“ genannt, könnte aber auch Sipgate, dus.net oder ein anderer Anbieter sein.

Nun ist „Skype“ im E-Plus-Netz nichts Neues. Schon vor Jahren stellte E-Plus Chef Thorsten Dirks auf der Berliner Funkausstellung eine Kooperation mit Skype vor (damals waren sie noch eine Tochter von Ebay, heute gehören sie Microsoft) und schmunzelte vielsagend, als sich im darauf folgenden Livetest herausstellte, daß die erzielbare Sprachqualität nicht alle Erwartungen decken konnte.

Was Kenner nicht verwundert. Für VoiP braucht man schnelle und zuverlässige Datenverbindungen mit geringen Antwortzeiten (Ping) , sonst wird das nix.

Als Kenner muß ich die Nase rümpfen. Der Netzausbau von E-Plus ist richtig und wichtig, aber muß man jetzt mutwillig die Netze gleich wieder mit Angeboten und Diensten zustopfen, die in der Summe viel zu viel Bandbreite erfordern?

Viele Kunden haben verstanden, daß Datenbandbreite und Datenmengen im Mobilfunk „endlich“ sind, viele sind damit einverstanden, daß man nach 100, 200 oder 500 MB „gebremst“ wird, dafür sind die Kosten bezahlbar. Warum dieses erlernte Verhalten wieder über den Haufen werfen? Der Frust über neu überfüllte Netze wird E-Plus schnell zu spüren bekommen.

Ein bislang streng geheimer Testbetrieb mit dem Over The Top Anbieter „Yuilop“ und dem E-Plus Discounter Blau wurde in letzter Minute wieder abgesagt, berichten Eingeweihte. Die Vermutung, daß das E-Plus-Netz für die zu erwartende VoiP-Belastung nicht gewachsen sein könnte, wurde offiziell weder bestätigt noch dementiert.

Der Begriff VoiP steht bei den Kunden für „kostenloses weltweites Telefonieren“, doch dazu müssen schnelle Netze bereit stehen und die kosten nun mal Geld. Wenn die Kunden nur noch mit Flatrates für wenige Euro im Monat unterwegs sind und darüber auch noch telefonieren möchten, kann das nicht gut gehen. Zumal die Auslandspreise für klassische Gespräche bei E-Plus und speziell deren Discount-Töchter inzwischen steil gesunken sind, da kann man schon ab 9 Cent/Minute oder auch für weniger plus Einmalzuschlag ins Ausland anrufen und die Sprachqualität ist in der Regel wesentlich besser als das VoiP Gefrickel.

Wer es nicht wahrhaben will, soll sich vor Augen halten, daß die angepeilte „Fusion“ oder besser „Übernahme“ von E-Plus durch Telefonica-o2 nicht von ungefährt kommt, sondern darin begründet ist, daß der bitter notwendige Netzausbau alleine kaum noch zu stemmen ist.

Von daher: Wenn Sie auf VoiP „scharf“ sind, seien Sie nicht enttäuscht, wenn Ihre mobilen Erwartungen nicht erfüllt werden können.

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3 Antworten to “VoIP bei Ortel: Wie man das frisch ausgebaute Netz überlastet”

  1. Max Says:

    Naja, wenn es richtig gemacht ist, dann verbraucht VoIP doch auch kaum Bandbreite. In Zeiten von DC-HSPA+ und LTE würde ich das nicht so eng sehen. Aber Grundsätzlich hast du natürlich Recht…

    Aus Nutzersicht ist VoIP statt klassischer Mobiltelefonie sowieso für 99% der Nutzer völliger Blödsinn, denn es gibt immer noch genügend Regionen, in denen keine für VoIP geeignete Breitbandverbindung mit entsprechend niedrigen Latenzzeiten zur Verfügung steht.

  2. RBrosowski Says:

    Ich habe ein wenig Mühe mit der Argumentationskette. Für VoIP braucht es nicht wirklich viel Bandbreite. Für die „kleinsten“ Codecs reicht theoretisch die Bandbreite eines GSM CSD Systems. Sprich 9600 bit/s. Auch breite Codecs sind mit 128kbit/s nicht wirklich schwierig zu handeln.

    Wenn eine UMTS Zelle nun einen Upload von 2 Megabit anbietet (synchrone Verbindungen!), dann können rund 15 Telefonate gleichzeitig abgewickelt werden. Dann wäre der Upload zur Zelle faktisch dicht. Nur wie oft kommt das vor?

    Mit VoIP wird ein schnelles Netz also kaum zugemüllt. Dazu müsste das wirklich massenweise genutzt werden. Wenn ein Netz zusammenbricht, dann an solchen Sachen wie Youtube in HD ansehen. Nur warum Youtube HD auf dem 4,3 Zoll Display OK ist, Skype aber den Untergang der Netzwelt darstellt, begreife ich nicht so ganz.

  3. Chris Says:

    Wenn die mobile clients ein ordentliches Codec-Management machen sehe ich auch nicht so das Problem auf 3G. Web-Radio hören auch schon viele Leute übers Handy – mit AAC+ und 48kbps oder 72kbps (wie dab+) klingt das auch recht ordentlich. GSM oder G.729 codec bringt da auch kein Datennetz zum überlaufen 🙂

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