Ungewollter Abschied von Windows XP – wie man es besser machen könnte

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Wahrscheinlich lesen Sie diesen Blog auf einem Computer. Möglicherweise verwenden Sie (noch) Windows XP und sind die ganzen Jahre damit recht zufrieden gewesen.

xp_finish

 

(Windows XP verabschiedet sich. Quelle: Microsoft.com)

Nun poppen überall Fenster auf, dass am 8. April der Support für Windows XP eingestellt wurde, sie möchten doch lieber heute als morgen, ihren Computer oder wenigstens das Betriebssystem erneuern.

Sie mögen aber eigentlich nicht, weil Sie es nicht so mit Computern haben, weil Ihr System bislang einigermaßen „rund“ läuft oder der Computer ohnehin etwas alterschwach („lohnt nicht“) und so ein Umstieg eine tage bis wochenfressende Angelegenheit werden kann.

Was ist da passiert?

Microsoft, der Hersteller von Windows hat nach 13 Jahren seinen Support für Windows XP eingestellt, das Ende 2001 erstmalig das Licht der Welt erblickte.

Sie bekommen noch eine Weile alle bis zum 8.4.2014 herausgegebenen Updates zum Download, wenn Sie bereits über ein lizenziertes Windows XP mit Service Pack 3 verfügen. Haben Sie gerade Ihren Rechner frisch aufgesetzt, könnte Windows XP ganz ohne oder vielleicht nur mit Service Pack 1a oder 2 drauf sein. Die fehlenden Servicepacks 1a, 2 und 3 kann man bei http://www.microsoft.com kostenfrei herunterladen und installieren, dann funktioniert die Update-Web-Seite http://update.microsoft.com wieder.

Nachdem Service Pack 3 können es so rund 100 Updates sein, vielleicht auch mehr, z.B. wenn Sie noch ein Office-Produkt von Microsoft verwenden, z.B. 97, 2000, 2003 oder später oder wenn Sie auf die Dienste von .NET setzen.

Nun also stellt Microsoft den Support für XP ein. Was bedeutet das eigentlich?

Ihr Windows XP startet und funktioniert weiterhin.

Nur: Neue Sicherheitslücken, etwa im für Windows XP bei Version 8.0 stehen gebliebenen Internet Explorer (aktuell wäre die Version 11.0) werden von Microsoft nicht mehr gestopft („gepatcht“), Updates gibt es nur noch für Windows Vista, Windows 7, 8 oder 8.1 .

Da kann man auf andere Internet Browser ausweichen, die a) unter Windows XP laufen und b) nach wie vor aktualisiert werden, beim sehr populären Firefox Browser beispielsweise gibt es druckfrisch die Version 29.0 oder Google Chrome und anderen. Vielleicht wäre es besser gewesen, auch den IE 9 oder gar 10 für XP anzubieten?

Der Microsoft „Security Essentials“-Virenscanner, bei Fachleuten durchaus wegen seiner Schlichtheit geschätzt, gibt unter Windows XP rote Warnungen aus, erhält aber für noch etwa 1 Jahr weitere Signaturen Updates.

Ich würde ihn dennoch deinstallieren und durch einen anderen Scanner ersetzen. Ich persönlich verwende seit einiger Zeit NOD32 von www.eset.de, den es allerdings nur in einer „Bezahlversion“ gibt, die rund 30 Euro im Jahr kostet, wenn man nur 1 PC für 1 Jahr schützen lassen will. Eset gibt Rabatte, wenn man auf längere Zeit abschließt oder mehrere PCs einbezieht, das könnte ja auch der PC von Frau, Freundin, Vater, Mutter, Nachwuchs sein, solange man die Zahl der gekauften Lizenzen nicht überschreitet.

Wenn es unbedingt ein „kostenloser“ Viren-Scanner sein soll, könnte www.avast.de interessant sein, aktuell ist derzeit Version 9.

Verschenkt Microsoft Geld?

Mit Schmunzeln lese ich Berichte, wonach ein Großteil der Geldautomaten in Banken und Sparkassen noch unter Windows XP liefen und nicht so schnell aktualisiert werden könnten. Deswegen hätten die Banken bei Microsoft teuren Extra Support gebucht.

Da kommt man doch ins Grübeln. Es ist ja ok, dass Microsoft nach 13 Jahren keinen kostenlosen Support für Jedermann mehr leisten möchte. Aber wenn sie für eine bestimmte Zielgruppe Support leisten wollen oder müssen, warum dann nicht für alle Kunden, die bereit wären, dafür einen moderaten Betrag zu bezahlen?

Warum kein Automatisches Update?

Ich frage mich auch, ob es denn nicht möglich gewesen wäre, sanft und Zug um Zug gewisse Komponenten in Windows XP so upzudaten, dass sich das Windows XP mit der Zeit in ein Windows 7 oder 8.x verwandelt hätte. Wohlgemerkt für erschwingliches Geld, die Masse der installierten Systeme bringt doch Geld in die Kassen.

Der abrupte Abschied von XP könnte manchen Nutzer dazu verleiten, es einmal mit Linux zu versuchen oder sich gar keinen neuen PC mehr zu kaufen, Tablets sollen ja so praktisch sein (nur wo bleibt die richtige Tastatur?)

Selbst Handanlegen – steinig und zeitraubend

Als Windows 8.0 frisch auf dem Markt kam, konnte man im Rahmen einer Promotion Aktion eine völlig legale Lizenz für 30 Euro zum Download erwerben. Ich habe das damals getan und sie nun unter Windows XP auf einem Rechner angewendet. Das alte Windows wird samt installierten Programmen nach „windows.old“ verfrachtet und ist danach nicht mehr lauffähig, aber Ini-dateien, Registry und Treiber sollten erhalten bleiben (eine Sicherheitskopie vorher schadet nicht.)

Nach rund 1-2 Stunden war Windows 8.0 Pro drauf. Nun ging es weiter. 88 Updates wollten installiert werden. Da die Systemupdate Software des Lenovo PC nach .NET Version 3.5 verlangte, musste diese erst „reaktiviert“ werden, sie ist bei Windows 8.0 serienmäßig abgeschaltet. Zum Update muss eine Updateseite bei Microsoft besucht werden, danach gab es neben der Installation von .NET 3.5 noch 99 (!) weitere Updates.

Der Umstieg von Windows 8 auf 8.1 verläuft dann ein wenig anders. Das gibt es nicht als „Update“, sondern wird im „Microsoft App Store“ per Download kostenlos erworben, rund 3 GB stehen an. Kaum ist das nach weiteren 2-3 Stunden installiert, gibts – ja klar – weitere Updates. Nun müssen noch die benötigten Programme alle frisch installiert werden, im Falle von Microsoft Office (ich habe mir die Version 2010 gekauft, bedeutet das… weitere Updates.)

So ein Betriebssystem ist ein komplexes Ding und es ist gut, dass der Hersteller sich auch nach dem Verkauf mit Updates um seine Kunden kümmert.

Doch so ein krasser Wechsel von Windows XP auf 8.1 kostet Zeit. Selbst wenn man sich ein bischen auskennt (oder glaubt sich auszukennen) geht das nicht in wenigen Stunden über die Bühne. Zeit, die man oft nicht hat und die einen – falls man mit dem Computer arbeiten will oder muss – kaum produktiv sein kann.

Mein Tipp: Einen alten Windows XP Rechner ruhig aktuell halten und als Backup-System in die Ecke stellen. Einen neueren Rechner aktualisieren und falls die Updates mal länger brauchen, hat man auf dem alten wenigstens Internet-Browser und e-mail und eine Textverarbeitung (wem Microsoft Office zu mächtig ist, kann sich auch einmal SoftMaker Office oder Libre Office oder Open Office anschauen, die beiden letzteren gibts for free oder gegen eine Spende, Softmaker bietet fast so viele Funktionen, wie das grosse Original zu einem Bruchteil des Preises.)

Was braucht man sonst so?

Ob man Java im Alltag braucht, ist unter Fachleuten umstritten. Wer es installiert, muss unbedingt regelmäßige Updates fahren, die Java meist selbst vorschlägt, die aber mitunter nicht gleich so funktionieren, wie gedacht. Nervig ist während der Installation die „Werbung“ für Suchmaschinen wie ask.com. Denken Sie daran der richtigen Stelle das Häkchen herausnehmen, falls man das nicht will.

Derzeit sind zwei Java-Grund-Versionen im Umlauf, Version 7 u55 ist die Aktuelle. Die Version 8 liegt in der Updateversion 8u5 vor und läuft nur ab -Windows Vista, Windows 7 oder höher. Da Java ziemlich viele Möglichkeiten bietet, sind permanente Updates Pflicht. Wer nicht irgendwelche Konfigurationsseiten besuchen muss, um Telefonanschlüsse oder ähnliches verwalten zu können, kann auf Java erst einmal verzichten, bis sich ein echter Bedarf meldet. Dann die Seite genau untersuchen, ob es dort mit rechten Dingen zu geht.

Der Flash Player von Adobe ist für Firefox herunterladbar, in den neuesten Versionen des Internet-Explorer ist Java neuerdings automatisch enthalten. Aktuellste Version des Flashplayers ist derzeit die Version 13.0.0.206 und die muss immer aktuell gehalten werden, um Zugriffsmöglichkeiten für „ungebetene Gäste“ auf ein Minimum beschränken zu können.

Viele Viren und Trojaner kommen nach wie vor per e-mail oder durch Locken auf präparierte HTML-Seiten im Netz. Die Seite http://www.virustotal.com erlaubt einen schnellen Onlinecheck, ob eine zugeschickte Datei möglicherweise „faul“ sein könnte.

Wenn Sie Rechnungen im Format rechnung.exe (oder ähnliches) erhalten, können Sie mit 99,9% Sicherheit ausgeen, dass etwas nicht koscher ist.

Was braucht man nicht?

Software, die Sie schon ewig nicht mehr genutzt haben, Software, die zu Zusatzgeräten gehört, die Sie lange nicht mehr haben oder brauchen, sollte deinstalliert werden. Unter Systemsteuerung – Software die nicht benötigten Programme versuchen zu deinstallieren. Geduld, das kann dauern. Geht das wirklich nicht, halten manche Softwarelieferanten spezielle Tools bereit, etwa für die gängigen Antiviruspakete von Norton, McAffee, BullGuard, Avast, eset oder andern. Ein Registry Reinigungstool wie CCleaner räumt verwaiste Einträge auf. Ob derRechner dadurch schneller wird, ist unter Fachleuten umstritten, aber fehlerhafte Einträge, die auf nicht mehr existierende Programme hinweisen, kosten sicherlich auch eine gewisse Zeit, wenn sie abgearbeitet werden müssen. Vor der Reinigung unbedingt eine Sicherungskopie der gelöschten Registry Einträge machen.

Ein Tool namens ERUNT sichert nach dem Rechnerstart die Registry von Windows XP. Es kann durchaus passieren, dass nach einem unglücklichen Herunterfahren die Registry „beschädigt“ wurde, da ist so eine Sicherheitskopie „Gold“ wert, weil sie viel Zeit für eine Neuinstallation spart.

Wer sich gut auskennt und noch viel Zeit und Lust hat, könnte seinen Windows XP Rechner auch virtualisieren. Für etwaige Malware kann das bedeuten, dass sie dann gar nicht wirkt (weil sie aus dem „Sandkasten“ (Sandbox) nicht mehr herauskommt oder weil die Malware die virtuelle Maschine selbst erkennt und dann gar nicht aktiv wird.

Meine „Karriere“ begann mit MS-DOS 6, Windows erprobte ich erstmalig mit der Disc-Jockey Version 3.0, die ich kurz darauf durch die Version 3.1 ablöste. Ein Rechner mit DOS 6.2 und Windows 3.1 läuft heute noch, mit für damalige Verhältnisse sensationellen 8 MB RAM-Speicher.

Inzwischen ist ein Rechner auf Windows 8.1 angekommen, ein weiterer bekam 7 Prof. spendiert, ein Rechner mit Windows 95 „ruht“ derzeit und die XP-Rechner werden noch mindestens einmal pro Woche aktiviert.

Und was machen Sie?

 

[Update vom 02.05.2014]

Da staunte ich nicht schlecht, als Windows XP heute Morgen ein Sicherheitsupdate für den Internet Explorer (KB 2964358) anbot. Ja es gibt „ausnahmsweise“ noch ein Sicherheitsupdate, das ein Problem im Internet Explorer (ab Version 6) in Verbindung mit dem Flash-Player (Zero-Day-Exploit) behebt. Unbedingt gleich installieren!

 

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2 Antworten to “Ungewollter Abschied von Windows XP – wie man es besser machen könnte”

  1. Matthias M. Says:

    Seit ich vor 9 Jahren meinen ersten Mac mini kaufte, habe ich solche Sorgen nicht mehr. In 9 Jahren ist es nur 1x nötig gewesen, das Betriebssystem neu zu installieren, weil ich beim Basteln (ein alter Scanner sollte mit Linux-Treiber unter Mac OS laufen) etwas beschädigt hatte. Aus Windows-Zeiten ahnte ich Schlimmes und wartete mit einer Neuistallation sehr lange, bis ich dann doch keinen anderen Rat mehr wußte und die Installations-CD einlegte. 15 Minuten später startete der Mac neu und zu meinem Erstaunen sah alles so aus wie vorher, alle Programme liefen wie vorher und auch der Fehler war behoben. Soetwas kannte ich von Windows nicht. Seither habe ich nur noch Mac OS Rechner und verweigere bei Freunden mit Windosen die Hilfe, so dass fast alle inzwischen auch zu Mac OS gewechselt sind. Jahrelang davor war ich ihr persönlicher PC-Notdienst, da ich einstmals mal einen Computerladen hatte. Heute rufen sie auch noch an – um sich zum Grillen oder zum Kino mit mir zu verabreden. Über Windoof spricht keiner mehr… 🙂

  2. Lucy Says:

    Tja, schade. XP lief bei mir immer sehr rund. Aber da ich mir eh vor zwei Jahren einen komplett neuen PC mit allem drum und dran gegönnt habe (der Alte war Hardware-technisch nicht mehr aufrüstbar, z.B. mit neuen Grafikkarten, und kam bei Filmen, Games und Animationen immer öfter ins Stottern oder verweigerte seinen Dienst gleich ganz), bin ich nun eh mit Win 7 unterwegs und damit auch wieder für Jahre abgesichert. Man muss wirklich nicht jedes von Microsoft diktierte Rundum-Update mitmachen (siehe das katastrophale Win 2000). Im Grunde reicht es, wenn man jedes zweite Windows aufspielt und das dazwischen überspringt. Aber gleich drei Betriebssysteme nach oben zu upgraden, das ist natürlich ein krasser Sprung!

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