Fusion zu o2-plus? Die Spannung steigt

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Das Thema Fusion von Telefonica-o2 mit E-Plus bewegt weiter die Gemüter der Kunden, Mitarbeiter und der Marktbeobachter. Welche Folgen könnte die Erlaubnis haben?

Wirtschafts-Nachrichtendienste melden seit einiger Zeit, dass die Fusion im Prinzip bereits genemigt sei, die letzten Details nur noch Formsache wären. Eine erste Auflage könnte bereits erfüllt sein. Die hochoffizielle Bekanntgabe der Entscheidung könnte noch im Juli 2014 erfolgen.

„Kernauflage“ der EU Kommission scheint die Öffnung der Frequenzen für neue virtuelle Netzbetreiber zu sein. Ein richtig virtueller Netzbetreiber (Abkürzung MVNO) ist ein Anbieter, der eine „eigene“ (meist gemietete) Vorwahl besitzt, eigene Interconnect-Verträge mit anderen Fest- und Mobilfunknetzen abschließt, eigene Vermittlungsrechner aufstellt (oder mietet)  und eigene SIM-Karten herausgibt, aber mangels „Netz“ (also keine eigenen Sendestationen) in diesem Falle im künftigen Netz von o2-plus (so wollen wir die neue Firma, die aus o2 und E-Plus entstehen könnte, einmal nennen) „roamen“ wird.

Im Internationalen Sprachgebrauch wird die Abkürzung MVNO auch für den klassischen Service-Provider verwendet, der nur die Kundenbeziehung hat und die Rechnungen schreibt, wir kommen noch darauf zurück. Der EU Kommission schweben offenbar „richtige“ MVNOs mit eigener Vermittlung vor.

Bis zu drei neue „virtuelle“ Anbieter könnte es geben, sagen bestimmte Quellen. Im Vorfeld wurde daher spekuliert, dass so ein neuer Anbieter im Wesentlichen aus den bisherigen Kunden der Tiefstpreis „Discounter“ (im bisherigen Netz von E-Plus mit seinen zig Haupt und Nebenmarken wie „Blau“, „Simyo“, „Ay Yildiz“, „Yourfone“, Aldi-Talk oder im bisherigen Netz von o2 wie Lidl-Mobile, Fonic, Tchibo etc. etc.) gebildet werden könnte. Das Gerücht speist sich aus der Tatsache, dass bei der ähnlich gelagerten Fusion der Mobilfunkanbieter in Österreich die „Orange.at“ zuerst ihren erfolgreichen Mobilfunk-Discounter „Yesss“ an die Mobilkom A1 verkaufen musste, bevor sie von der „Hutchison Drei“ geschluckt werden durfte. Auf Deutschland bezogen wäre das in etwa mit Aldi-Talk (und weiterer Discounter) vergleichbar.

Einen echten „virtuellen“ Partner hat o2 gerade eben gefunden, den bislang als reinen Service-Provider tätigen Anbieter, die „Drillisch AG“, welche einst als spezialisierter Fachhandel und Lieferant für Feuerwehren gestartet war, später waren sie der erste Nur-Ein-Netz-Service-Provider im Netz von Mannesmann D2 (heute Vodafone).

o2 steht derzeit mit allen denkbaren Anbietern in Kontakt. Mit dem Preisbrecher 1&1 kam o2 offenbar nicht ins Geschäft. Die hätten auf den extrem günstigen Konditionen bestanden, die sie kurz zuvor direkt bei E-Plus erhalten hatten, und forderten eine dauerhafte Freischalt-Garantie für LTE, war zu lesen. Das war der jetzigen Telefonica-o2 dann doch etwas „zuviel“.

Der unter dem Vorbehalt der Absegnung durch die EU-Kommission geschlossene Drillisch-Deal soll eine Art von „Bitstream Access“ beinhalten, ähnlich wie im Festnetz worüber die „virtuellen“ und doch realen Kunden von Drillisch mit Datensignalen beliefert werden.

Drillisch hatte seit einiger Zeit nur noch Kunden im Vodafone-D2, vereinzelt aus dem E-Plus-Netz und mit sehr attraktiven Tarifen im o2 Netz unter Vertrag. Kunden im Telekom-D1-Netz werden von Drillisch nicht mehr betreut, der letzte Rest, der nicht widersprach, ins D2 oder o2 Netz portiert. Mit der Telekom hatte es nämlich vor einiger Zeit massiven „Streit“ gegeben. Selbst die von Drillisch bis zuletzt problemlos verwalteten „Ja!Mobil“ Kunden (im D1-Netz) sind längst bei Congstar angekommen, über „Probleme“ wurde bislang nichts bekannt, da die Rewe Handelsgesellschaft von vorneherein glasklare Service-Mindest-Qualitäten in die Verträge geschrieben hat.

Und Freenet?

Ob schon mit Freenet gesprochen wurde, ist noch nicht bekannt. Freenet, besser bekannt unter seinem bekanntesten Markennamen „Mobilcom-Debitel“ hat bereits sehr viele Kunden in den Netzen von Telekom D1 und Vodafone D2. Würde Freenet zum „virtuellen Anbieter“ im neuen o2-plus Netz, würde sich das Unternehmen unter Umständen selbst Konkurrenz machen. Zuvor müssten sie für das „Mitspielen“ als eigener MVNO viel in neue Technik investieren.

Das Rechtliche könnte man sicher über neue Tochtergesellschaften „regeln“, aber die Frage bleibt, ob und inwieweit das für Freenet sich „lohnen“ könnte, oder ob man auch in Zukunft lieber ein rein klassischer Service-Provider (verkauft Minuten und Daten und Dienstleistungen) bleiben will, denn die eigene Kundenbasis bei D1 und D2 ist zweifellos weitaus größer als die derzeitige bei E-Plus oder o2.

Wären die Konditionen bei o2 traumhaft gut, könnte Freenet natürlich in Versuchung geraten, alle Kundenbeziehungen bei Telekom, Vodafone oder E-Plus ebenfalls ins „virtuelle“ o2-Netz umzuschichten, manche Bestandskunden (ich bin selbst seit 1998 über die ehemalige D-Plus im D1-Netz Kunde)  könnten das nicht so gut finden. Eine solche Aktion würde meines Erachtens das Vertrauen in den Anbieter „beeinträchtigen“.

Im nächsten Blog-Beitrag betrachten wir die netztechnische und die Kundenbeziehungsmäßige Seite der Geschichte genauer.

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