Fusion zu o2-plus: Alternativen?

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Das Thema Fusion von Telefonica-o2 mit E-Plus bewegt weiter die Gemüter der Kunden.  Schauen wir uns denkbare Alternativen zur diskutierten Fusion an.

Rein theoretisch ginge es auch eine Portion „einfacher“.

Die E-Plus-Gruppe und die Telefonica o2 trennen Ihre Netze und Betriebsgesellschaften ab und fusionieren nur diese.

Die jeweiligen „Service-Provider“ von o2 und E-Plus und ihrer Provider und Markentöchter kaufen die Mobilfunkdienstleistung künftig bei der fusionierten o2-plus-Netzgesellschaft ein, bleiben aber ansonsten eigenständig und machen sich weiter gegenseitig Konkurrenz.

E-Plus würde seine bisherigen Kunden als „Service-Provider“ unter den gewohnten Markennamen wie „BASE“ etc. einfach weiter betreuen und alle Tarife und Angebote blieben 1:1 erhalten.

Die Konkurrenz im eigenen Hause mag auf den ersten Blick verwirren, ist aber ein überaus erfolgreiches Konzept, was E-Plus mit seinen zig Marken seit Jahren sehr erfolgreich umsetzt. Der einzige Unterschied für den Kunden läge in einer „neuen“ Netzversorgung, die teilweise besser, teilweise schlechter oder vielleicht sogar wie gewohnt ausfallen könnte.

Die Kommunikation: Wie sag ich’s meinen Kunden?

Bleibt die Frage, ob das den Markenstrategen bei Telefonica langfristig „gefallen“ würde. Ihnen schwebt wohl eher ein Zusamenlegen zu einer bestehenden oder „neuen“ Marke vor.

Falls sich Telefonica in diesem Punkt durchsetzt, dürfen wir fragen, wie lange der Name „BASE“ oder andere Marken erhalten bleiben sollen. Wichtig ist hier die Kommunikation, damit die Kunden nicht verängstigt Hals über Kopf den Anbieter wechseln und Unruhe entsteht.

Der Kerngrund der Fusion ist ja, dass man Geld für den Netzausbau braucht. Da ist die Überlegung, rund 43 Millionen Kunden mit nur einem statt zwei Netzen zu versorgen, schon interessant. Bis das sich aber rechnet, wird es dauern (siehe oben) und zunächst wird es erst einmal viel Geld kosten.

Was muss der heutige Kunde beachten?

Sobald die Fusion kommt, müssen sich bisherige Kunden von „E-Plus“ oder „o2“ gut informieren. Schon heute sollten zahlreichen scheinbaren „Werbeemails“ oder „Werbebriefe“ des eigenen Anbieters vor dem Löschen oder Wegwerfen genauer durchgelesen und verstanden werden. Gut möglich, dass wichtige Infos in einem Werbeschreiben mittendrin gut versteckt werden.

Viele Infos wird man leider nicht vom eigenen Anbieter, sondern „aus dem Netz“ auf Newsportalen oder in Foren bekommen und nicht alles wird richtig oder verständlich sein.

Sicher ist, das alle Kunden von „E-Plus“ oder o2 und deren Untermarken und Service-Provider die Veränderungen in irgendeiner Form bemerken werden.

Große Frage: Wie offen wird „o2-Plus“ mit all diesen Fragen und Problemen umgehen?

Ich gebe zu, das sind verdammt viele Fragen. Die Antworten werden wir in der nächsten  Zeit, in Tagen, Wochen, Monaten, Jahren bekommen.

Und wenn es gar keine Fusion gäbe?

Würde die EU am Ende die Fusion doch noch absagen oder Telefonica o2 oder KPN/E-Plus verlören in allerletzter Sekunde den Gefallen daran, kämen eine Latte neuer Fragen auf uns zu.

Etwa, ob und inwieweit E-Plus und o2 – jeder für sich – alleine weiter machen wollen oder können.

Und wenn die Fusion schief geht?

Es könnte ja sein, dass o2 erst später an dem Fusions-Experiment scheitert oder daran den Spass verliert. Dann stünde entweder ein Verkauf der „neuen“ o2 im Raum – rein theoretisch wäre auch ein „deja vu“ z.B. mit „Quam 2.0“ denkbar.

Für alle, die erst seit kurzer Zeit dabei sind: Quam war bislang der erste Anbieter, der seinen Betrieb im Jahre 2002 freiwillig komplett eingestellt hat. Die Marke „Quam“ gehört bis heute … der Telefonica, der Mutter von o2, der damalige Partner „Sonera“ (Finnland) musste sich in die Arme der schwedischen Telia flüchten, weil der finanzielle Schaden der verlorenen UMTS-Lizenz so gewaltig war, dass Finnland beinahe in eine tiefe Staatskrise gestürzt wäre.

Unwahrscheinlich ist, dass eine Fusion erst einmal begonnen und später wieder zurück gedreht wird.

Meine Meinung

Durch den brutalen Wettbewerb vieler Anbieter werden die Preise immer tiefer in den Keller geprügelt. Selbst wenn man die satten Renditen der Geldgeber „zurechtrücken“ könnte, irgendwann ist kein Geld für einen Netzausbau mehr da.

Ganz ehrlich: Mir wäre es am liebsten, wenn E-Plus und o2 weiterhin getrennt arbeiten würden.

Gerade E-Plus hat seit seinem Start, dem Markt immer wieder neue Impulse gegeben und das wird in der neuen gemeinsamen Gesellschaft nicht mehr so einfach möglich sein. Auch VIAG-Interkom (heute o2) war früher irgendwie kreativer und nicht nur beim Häuschen im Display oder beim verschollenen Genion-Männchen.

Die Intention der Fusion sind Kostenersparnisse, weil ein immer wichtiger werdender Netzausbau richtig viel Geld kostet. Das ließe sich durch eine Zusammenlegung der Netze bei strikter Trennung von Marken und Angeboten (E-Plus als Service-Provider bleibt erhalten, o2 genauso) erreichen.

Hat die Fusion Auswirkungen auf Telekom und Vodafone?

Die Telekom setzt seit Jahren auf einen massiven Netzausbau und darf gerade jetzt darin nicht nachlassen. Die Fusion wird ihr sicherlich neue (oder auch ehemalige) Kunden ins Netz spülen, die bisher aus Sympathie oder Überzeugung bei E-Plus oder o2 ausgeharrt haben, jetzt aber gefühlte oder „echte“ Probleme vermeiden möchten und daher lieber zu
einem anderen Anbieter wechseln möchten. Aus dieser Zielgruppe dürften viele Flüchtlinge die Angebote der Telekom Discounter Congstar oder der Freenet Töchter Klarmobil oder Callmobile im Telekom-Netz ansteuern. Nicht wenige werden auch direkt zum Original wechseln.

Vodafone kämpft mit Netz- und Serviceproblemen und rüstet deshalb mit Hochdruck sein komplettes Netz auf und um. Das geht aber nicht so schnell und reibungslos, wie es notwendig wäre. Auch sie könnten von enttäuschten E-Plus oder o2 Kunden profitieren, die insbesondere auf die teilweise richtig günstigen Discount-Angebote von 1&1 oder Fyve, Drillisch oder anderen Anbietern im D2-Netz schielen. Die künftige „Nummer drei“ im deutschen Markt wird Vodafone heißen und sie werden einiges dran setzen, die Telekom zu überrunden, was man sich in Bonn natürlich kaum bieten lassen wird. Von daher bleibt eine gewisse Restdynamik.

Schlußendlich hängt es von der „Perfomance“ der neuen o2-plus ab, ob die Fusion ein Erfolg wird oder nicht.

Und die Mitarbeiter bei E-Plus oder o2?

Ein Aspekt der Fusion geht in der Diskussion weitgehend unter. Was passiert mit den Mitarbeitern im Netzbetrieb, der Planung und Wartung und im Kundenservice?

Soeben wurde bekannt, dass die Firma „E-Plus Mobilfunk GmbH & Co. KG“ in „KPN Mobile Germany GmbH & Co. KG“ umbenannt wurde. Deren Mitarbeiter und das operative Vermögen (außer bestimmten Verbindlichkeiten) wurden zuvor an die neu gegründete E-Plus Transition GmbH & Co. KG übergeben.  Danach wurde die E-Plus Transition GmbH & Co. KG in E-Plus Mobilfunk GmbH & Co. KG umbenannt. Alles klar? Mit diesem kleinen Trick hat man die finanziellen Risiken geschickt ausgelagert, o2 kann die „E-Plus“ quasi „schuldenfrei“ übernehmen.

Es gehört zu den Grausamkeiten der Branche, dass der Kostendruck durch Markt und Kunden, die möglichst wenig zahlen möchten, zuerst auf das Personal „durchgereicht“ wird. Da man Löhne kaum senken kann, spart man schlicht am Personal. Die Kostenrechner argumentieren, dass man für eine mehr als doppelt so hohe Gesamtkundenzahl nicht mehr doppelt so viel Personal wie vorher braucht. Also wird gespart werden. 4000 Leute arbeiten bislang bei E-Plus und 6000 bei o2 – am Ende werden es deutlich weniger sein.

Die am Ende verbliebenen Hotliner (möglicherweise irgendwo auf der Welt verstreut) werden – wieder einmal – zum Prellbock aller Risiken und Nebenwirkungen der Fusion werden.

Die Funknetzplaner und die Leute, die das Netz beaufsichtigen werden eingespart oder nach Nirwanistan ausgelagert, weil man hofft, dass es dort günstiger wäre. Ist es auf den ersten Blick, auf den zweiten Blick gibt es Verständigungsschwierigkeiten, Kompetenzgerangel und Klärungsbedarf, der Geld kostet.

Ein Netzbetrieb wird heute oft direkt von den Technik-Lieferanten durchgeführt und wenn Technik-Anbieter A zu teuer erscheint, geht man zum nächsten, der das noch viel günstiger macht.

Die Zahl der Shops, die nur von Provisionen leben und daher wie wild auf „neue“ Kunden schielen, wird weiter sinken, die Leidtragenden sind zunächst deren Mitarbeiter.

Konzepte, die Kundenbetreuung von anonymen Hotlines am Telefon in die Läden vor Ort zu verlegen und das entsprechend zu vergüten scheitern an der Kostenfrage. Was darf eine solche Beratung kosten, die nicht zwingend und immer zu neuen Verträgen oder kostenpflichtigen Erweiterungen führt? Da fehlt vielen Mobilfunkern die Fantasie.

Wird Mobilfunk künftig teurer?

Die Reduktion von fünf auf drei echte Netzbetreiber in Österreich hat dort zu Preiserhöhungen geführt, die in Einzelfällen bis zu 42% betragen können. Das österreichische Tarifniveau war dort lange Zeit traumhaft günstig oder wie der damalige T-Mobile Austria Chef Pölzl bemerkte, „rrruinös“.

Der dortige Marktführer Mobilkom A1 (Telekom Austria) musste extrem viel Geld für neue LTE-Lizenzen ausgeben und hat kürzlich seine Kunden mit Preiserhöhungen schockiert. Auch die anderen österreichischen Anbieter durften viel Geld ausgeben und erfinden daher ständig neue bisher unbekannte Zusatzkosten. An eine durchgehende Erhöhung z.B. bei Minutenpreisen traut man sich bislang (noch) nicht.

Auch in Deutschland scharren die Kostenrechner mit den Hufen. Die geplante Neuversteigerung der Frequenzen bei 900 und 1800 MHz (ab 2016 gültig) wird wieder viel Geld kosten. Geld, was besser in einem flächendeckenden Netzausbau angelegt wäre, anstatt es über Ausschreibungen und Lizenzen erst wegzunehmen, um es später über Fördermittel teilweise wieder auszuschütten.

Hier wäre es viel vernünftiger, in die Lizenzbedingungen eine Mindest-Versorgungsqualität hineinzuschreiben und dann mit Kontrollen und drakonischen Strafen dafür zu sorgen, dass auch die „Provinz“ und die zahlreichen Funklöcher, selbst in Ballungsgebieten endlich richtig ausgebaut werden.

Zurück zu den Preisen: Angebote, mit klar verständlichen Preisen für Minuten, MegaByte oder SMS sind selten geworden, die Mehrheit schielt auf „All-Inklusive Pauschalen“. Da dürfte es gerade im Tiefstpreisbereich die Preissteigerungen geben, denn eine Alles-Drin-Pauschale für unter 10 Euro im Monat ist auf die Dauer wenig lukrativ.

In die größeren Paketen wird man weitere Dienste und Zusatzleistungen hineinpacken, die gut aussehen, den Anbieter wenig kosten oder vom Kunden hoffentlich selten gebraucht werden.

Informierte Kunden werden ihre Kartenbestände eindampfen: Der Freak, der heute mindestens je eine Karte bei D1, D2, E-Plus oder o2 hat, wird beispielsweise entweder E-Plus oder o2 aufgeben und kann damit leichtere Preissteigerungen noch „auffangen“.

Optimieren zu viele Kunden ihr Vertrags- und Telefonierverhalten könnte das auch zu weiteren Preissteigerungen führen. Es ist damit zu rechnen, das zunächst Sonderleistungen (z.B. Sonderrufnummern, Kartenfreischaltungen, Ersatzkarten etc.) teurer werden oder neue
Kosten „erfunden“ werden, die man bislang noch nicht kannte.

Die neue o2-plus wird die Chance nutzen, neue (höhere) Preise am Markt durchzusetzen.

Sicher besteht bei Vodafone eher und bei Telekom weniger die Neigung mit günstigen Angeboten die enttäuschten E-Plus oder o2 Kunden an sich zu binden, von daher bleibt der Spielraum für Preissteigerungen zunächst begrenzt. Wenn sich aber die Kundenzahlen in etwa
angeglichen haben, wird die Neigung spürbar sinken, mit neuen Angeboten Bewegung in den Markt zu bringen, weil es sich unterm Strich ja kaum lohnt, denn jeder „Neukunde“ kostet erst einmal Geld.

Die Chancen auf weitere Preissenkungen, wie es sich manche Fans erhoffen, dürften auf längere Zeit der Vergangenheit angehören.

Zum Schluß ein oft gehörter Satz, aber nie war er so wahr wie heute: Es bleibt spannend.

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