IFA 2014 – Meine subjektiven Eindrücke

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Gedanken zur IFA Berlin 2014

Die Berliner „Funkausstellung“, pardon IFA-Berlin hat am Donnerstag ihre Tore geöffnet. Am ersten Tag nur für Fachbesucher, seit Freitag dann für Jedermann.

IMG_20140905_080631Eingang Süd der IFA 2014 (Foto: Henning Gajek)

Einst gab es eine Zeitrechnung, die in „kommt zur CeBIT“ oder „kommt zur IFA“ aufgeteilt wurde. Die Gewichte haben sich inzwischen eindeutig auf die „Funkausstellung“ verschoben, wie wir alten Hasen immer noch sagen, wenn es auch bei der IFA nicht mehr nur um Radios und Fernseher geht, letzte werden durch immer kleinere oder größere Bildschirme ersetzt und die sind rund gebogen und haben ein Bild, das man hineingreifen möchte, so realistisch ist das alles.

Good bye UKW-FM ?

Beim klassischen Radio wurde schon für 1995 (!) die Komplettabschaltung von UKW (FM) angekündigt, nur UKW läuft bis heute, vielleicht bis 2025 vielleicht auch etwas früher. Immerhin scheint DAB+ jetzt das Potential zu haben, das bewährte UKW-FM ablösen zu können. Den Durchbruch wird man wohl erst erzielen, wenn es

  • a) eine wirklich flächendeckende (!) DAB+ Netzversorgung
  • b) bezahlbare Angebote in allen Preislagen geben wird und
  • c) die Politik mit einem „Abschaltdatum“ nach hilft.

Für die edle Heimanlage könnte ein „Adapter“ (Tuner) der die DAB+ Signale in ein kompatibles Audiosignal überführt, helfen, im Auto müßte es viel mehr Nachrüstmodule geben, welche irgendwie an vorhandene Radios angedockt werden können, da fehlen noch Möglichkeiten.

Good bye ISDN ?

Stichwort Ablösung: Eines der stabilsten Telefonsysteme der letzten 30 Jahre, die anfangs milde belächelte und bis heute von Fans und Experten hochgeschätzte ISDN-Technik soll bei der Deutschen Telekom möglichst sofort in Rente geschickt werden. Doch es regt sich Widerstand. Viele Bestandskunden sind gar nicht so begeistert oder sogar richtig verunsichert, nachdem ausgerechnet jetzt, wo die neue NGN (Next Generation Network) Technik ihre Feuertaufe bestehen muss, es zu großflächigen Ausfällen der neuen Technik, soweit sie von Ericsson geliefert wurde, gekommen ist.

Neben ISDN sollen auch möglichst viele „Analog“-Telefonanschlüsse aus dem Netz der Telekom verschwinden. Wobei der Analogkunde das gar nicht merken muß, wenn die Telekom in der Vermittlungsstelle eine neue Art von Baugruppe namens MSAN einbaut, die nach Aussen IP oder Analog-a-b spricht und nach Innen „All-IP“ weiter vermittelt.

Eine ISDN-Baugruppe für die MSANs gäbe es angeblich nicht oder sie ist der Telekom zu teuer, zumal die Kostenrechner der Ansicht sind, dass alle ISDN-Features, wie mehrere Rufnummern, Rückruf, Parallelruf, Umleitungen und so weiter auch im NGN (VoIP) Netz dargestellt werden könnten, was ja im Prinzip auch stimmt.

Dass die aktuellen Netzstörungen den verantwortlichen Managern schlaflose Nächte bereitet haben, darf man annehmen und der Druck, dass hier nun aber wirklich und gar nichts mehr schief gehen kann, dürfte so steil gestiegen sein, dass die Chancen gut stehen, dass jetzt alles klappt 🙂

Telekom Magenta 1

Magenta heissen die neuen Tarife der Telekom. „Magenta 1“ ist der lange erwartete, lang diskutierte und längst überfällige Kombitarif, für Festnetz und Mobifunk aus einer Hand. Der Einstiegspreis ist heiss: Für im Mittel 53,65 Euro im Monat gibt es ein nettes Bündel aus

  • einer All-Net-Flatrate vom Festnetz zu Fest- und Mobilfunk, das gabs bei der Telekom noch nie.
  • einer All-Net-Flatrate vom Mobilfunk an alle deutschen Sprachtelefonnetze, inkl. SMS und 500 MB an Daten.

Eigentlich ist „Magenta 1“ gar kein neuer Tarif, sondern ein neues Rabattsystem, aber diese Feinheiten dürften nur die Experten interessieren.

Magenta 1 zur IFA 2014

Man kann von bestehenden Verträgen wechseln, sofern der eigene Mobilfunkvertrag mindestens 29,95 Euro im Monat kostet und der Festnetzanschluss in NGN/IP Technik ausgeführt ist, andernfalls wird ein Wechsel notwendig. ISDN-Fans sollten sich einen Router mit S0 (S-Null)-Ausgang besorgen, beispielsweise eine Fritz!-Box 7390 oder 7490 oder einen Speedport W921V der Telekom. Anwender bestätigen, dass das S0-Kabel der Anlage nicht mehr in den NTBA sondern den S0-Ausgang des Routers gesteckt werden soll, NTBA und Splitter werden entfernt und dann gehts sogar ein bischen flotter ins Internet.

Schiefe Preiselage

Ärgerlich ist die allgemeine Unsitte bei Preisen einen günstigen Startpreis zu nennen, der dann nur 6 Monate gilt, danach ist es teurer., Bei Magenta 1 liest man die Zahl 49,90 und später sind es dann 54,90. Diese Unsitte haben (glaube ich) sich zuerst die Kabel-TV-Anbieter einfallen lassen und heute macht diesen Unsinn die ganze Branche nach 😦

Das Kabel gibt Gas

A propos Kabel: Kabel Deutschland gehört ja bekanntlich jetzt zu Vodafone und schon sind die Techniker dabei sich untereinander auszutauschen, wie man die Backbone Netze zum gegenseitigen Nutzen zusammenschalten kann. Hin zum Kunden erhöht KDG die Geschwindigkeit auf 200 MB/s, gerade das Doppelte von dem was die Kupferdrahtleitungen der Telekom mit Vectoring-DSL noch können. Sollte einst „G.Fast“ – eine noch schnellere Kupfertechnik – Einzug halten würde KDG wieder verdoppeln. Schon jetzt sind 1200 MB/s über Kabel möglich und wenns sein müßte könnte es sogar bis zu 4,7 GB/s auf die Leitungen gepumpt werden, wenn alle Frequenzbereiche bis 1200 MHz freigeben wären und die „lästigen“ analogen Kabel-TV-Kunden aus dem Netz herausgenommen werden dürften.

Bei Vodafone ist man glücklich Günter Netzer zu haben. „Lieber überall Netz, als überall Netzer“ lautet der Claim, den man leicht umdrehen kann, weil er dann vielleicht eher stimmt. Gleichwohl Netzer bleibt Netzer ist zurückhaltend, froh, dass er in den schrägen otelo Werbespots nichts sagen mußte, denn Reden halten, ist nicht sein Ding, das kann er nur im Fernsehen. Für den ersten otelo Werbespot musste er keine Haare lassen, sondern nur 2 Stunden Maske überstehen, seitdem ist er fasziniert, was da alles möglich ist.

Dottore Marcello Maggioni, neuer Manager Consumer  Business Voice (auf gut deutsch Marketing Chef) ist bei Vodafone erst seit kurzem dabei und hat den Markt schneller verstanden, als manche langjährige Kollegen. Auf meine Frage, ob es denn Sinn macht mit zigtausend Marken wie otelo und anderen die Preise immer tiefer in den Keller zu prügeln, grinst er und murmelt etwas einem „Suicidal Market“ und damit hat er Recht. Früher arbeiteten die feuerrote italienische Edelmarke Ferrari mit Vodafone zusammen, seitdem das nicht mehr das Fall ist, gewinnen die Ferraristi auch nicht mehr, stellt er fest.

Krause, Maggioni, Netzer

Dr. Peter Walz, Dr. Marcello Maggioni, Günter Netzer

Positiv: Vodafone hat den Kundenservice wieder entdeckt. Eine eigene Sonderhotline für Reklamationen, die man aber nur zurückrufen kann, wenn man dort wegen eines aktuellen Falles registriert ist und ein Geschäftsführer, der per Twitter @fragdenhackl auf knifflige Fragen Antworten gibt: Nein mit dem „Hackl Schorsch“, dem Rennrodler ist er nicht verwandt. Am IFA Stand von Vodafone (mindestens) zwei Hotliner, einer für Fest- und der andere für das Mobilnetz, weil die Fusion von Funk und Festnetz komplizierter ist, als man denkt, die Kollegen bei T-Mobile und T-Com oder bei Alice und o2/VIAG können davon Lieder singen, E-Plus hat ja nur eine Festnetzrufnummer, die sofort aufs Handy umgeleitet wird.

Früher waren alle Mobilfunkanbieter in Berlin, dieses Jahr aus der E-Plus-Gruppe nur der Discounter Blau, mit zufriedenen Gesichtern am Stand. Mobilcom-Debitel lud zum Fachhändler-Treff, der Showtruck fuhr dieses Jahr nicht ins Gelände und o2 glänzte noch mit Abwesenheit, nächstes Jahr sollte sich die neue erweiterte Telefonica-o2 wieder der Kundschaft präsentieren.

Waschmaschinen oder Spülmaschinen aus Glas lösen beim Vorbeigehen einen Reflex aus – man müsste jetzt doch nass werden – Lautsprecher koppeln per WLAN oder Bluetooth oder man hört seine Musik oder seine Telefonate über Bluetooth in einer netten Strickmütze (Fa. HiFun). Oder man zieht die Kappe der Mignon-Batterie (AA) einfach ab und darunter kommt ein USB-Anschluss zum Vorschein. (Firma HiFun)

Die IFA kann man mit etwas Disziplin in einem Tag bewältigen oder in zweien, für nächstes Jahr wünsche ich mir Telekommunikationsanbieter mit Kundenkontakten vor Ort. „Neue“ Anbieter wie „o2plus“ (Telefonica o2 inkl. E-Plus) oder „Drillisch“ (jetzt virtueller Netzbetreiber) müssen heraus aus dem Elfenbeinturm hinaus zu den Multiplikatoren und Entscheidern, die sich auf der IFA treffen.

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3 Antworten to “IFA 2014 – Meine subjektiven Eindrücke”

  1. Matthias M. Says:

    Ich finde die IFA inzwischen völlig langweilig. Ich arbeite auf der anderen Straßenseite und könnte gratis rein, habe es bisher aber nicht getan. Flache Fernseher und Waschmaschinen kann ich in jedem MediaMarkt sehen(und da mache ich es auch nicht) – wozu soll ich mich dafür durch Menschenmassen quälen?! Die IFA ist seit Jahren völlig innovationsfrei. Seit DRM (digital Rundfunk) gefloppt ist, gibt es doch nichts neues mehr. Gebogene Bildschirme interessieren nicht wirklich.

  2. Florian Says:

    AA-Akkus mit USB-Anschluss sind nichts neues – ich habe schon seit vielen Jahren ein paar usbcells von moixa dabei: http://www.usbcell.com

  3. Justin Says:

    Danke für diesen ausführlichen Bericht, besonders, da ich dieses Jahr nicht in Berlin war, um die Funkausstellung selbst anzusehen.

    Ich finde besonders die VoIP-Technik interessant, da sie doch gegenüber dem klassischen ISDN sowohl preislich, als auch praktisch Vorteile bringt. Gerade für mich, der ich im Ausland lebe und arbeite, hat sich die IP-Telefonie als hervorragendes Mittel zum Kosten sparen etabliert.

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