Vor Barcelona: Was wollen die Kunden?

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Derzeit prasseln die Einladungen im Minutentakt ins E-Mail-Postfach, der Mobile World Congress (MWC) die Leitmesse der mobilen Kommunikation steht vor der Tür. Doch was wollen die potentiellen Kunden?

Ein neues Smartphone? Wahrscheinlich ja. Wearables? Eher nicht. Smart Home? Wozu brauch ich das?

Eingang FIRA

Die Mobilfunkwelt trifft sich wieder in Barcelona

Dünner, schneller, größer, besser: Der Mobile World Congress in Barcelona ist die traditionelle Leistungsschau der Smartphone-Hersteller. Das Interesse der Verbraucher an den Geräten stagniert jedoch, hat das Beratungsunternehmen Accenture herausgefunden: In Deutschland plane nur knapp die Hälfte der Verbraucher (47 Prozent), 2016 ein neues Smartphone zu kaufen. Die Kaufbereitschaft für Smartphones liege damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres (46 Prozent). Bei Tablets gehe die Nachfrage zurück.

Gleichzeitig interessierten sich die Kunden weiter nur wenig für neue Geräte wie Smartwatches. Grund dafür sind seien nicht nur die hohen Preise, sondern auch Sicherheits- und Datenschutzbedenken. Nachzulesen in der Verbraucherumfrage „Digital Consumer Survey 2016“ von Accenture.

In Deutschland plane nur knapp die Hälfte der Verbraucher (47 Prozent), sich 2016 ein neues Smartphone zu kaufen. Das hat das Beratungsunternehmen Accenture im Rahmen der Studie „Digital Consumer Survey 2016“ herausgefunden. Die Kaufbereitschaft für Smartphones liege damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres (46 Prozent).

Bei anderen Geräten sei das Interesse im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken: 2015 wollten immerhin noch 28 Prozent der Verbraucher ein neues Tablet kaufen, 2016 gelte das nur noch für weniger als ein Viertel der 1.000 Befragten (23 Prozent).

Für einen neuen Fernseher interessieren sich 28 Prozent der Studienteilnehmer, also zwei Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr. „Verbraucher haben vielfach ein funktionierendes Gerät und sehen nicht den Vorteil eines geringfügig besseren Prozessors oder Bildschirms“, sagt Jürgen Morath, Geschäftsführer Communications, Media und Technology bei Accenture. „Das ist ein anhaltender Trend, der sich auch in den kommenden Jahren nicht drehen wird, so lange sich für die Konsumenten keine wirklich neuen Innovationen abzeichnen.“ Nur was ist wirklich innovativ? Kommt mir irgendwie alles ziemlich bekannt vor.

Bislang nur geringes Interesse an Wearables und Smart Home ?

Um das Interesse der Kunden zurückzugewinnen, setzen Unternehmen verstärkt auf das Internet der Dinge. Auf dem Mobile World Congress werden daher wie in den Vorjahren viele Smartwatches, Fitnessarmbänder und Smart-Home-Lösungen zu sehen sein. Verbraucher in Deutschland seien hier aber ebenfalls zurückhaltend: Eine intelligente Armbanduhr besitzen zum Beispiel erst 7 Prozent, einen Neukauf planen nur 8 Prozent. Ähnlich sieht es bei vernetzten Thermostaten (7 Prozent haben einen, 8 Prozent wären bereit zu kaufen) und bei Überwachungskameras für das Zuhause (jeweils 7 Prozent) aus.

Bei Fitnessarmbändern liegen Verbreitung und Kaufbereitschaft jeweils etwas höher – 13 Prozent der Befragten besitzen ein solches Gerät, 12 Prozent planen einen Kauf im nächsten Jahr. Den „Wearables“, also tragbare Elektronik, die eine größere Zahl an Gesundheitsdaten messen und analysieren können, begegnen Verbraucher deutlich skeptischer (5 Prozent Besitz und 6 Prozent Kaufbereitschaft).

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Virtual-Reality-Headsets (bekannt durch „Google Glass“): Auch hier plane nur jeder zwanzigste Befragte (5 Prozent) einen Kauf. „Allerdings steht dieser Markt auch erst ganz am Anfang“, sagt Jürgen Morath. „Erste Modelle für den Massenmarkt kommen in den nächsten Monaten in die Läden. Den Durchbruch werden komplexe Datenbrillen zunächst in Unternehmen erleben und in der Spiele-Welt, denn noch ist die Technologie recht teuer.“ Auch nichts Neues also.

Hohe Kosten, Sicherheits- und Datenschutzbedenken größte Hindernisse

Für ihre Zurückhaltung hätten die Verbraucher mehrere Gründe. Größtes Kaufhindernis ist der Preis: Für mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (53 Prozent) sind Smartwatch, Smart Home und Co. schlicht noch zu teuer. Gleich danach folgen Sicherheits- und Datenschutzbedenken: 42 Prozent der Befragten befürchten, dass Kriminelle sich per Hackerangriff Zugriff auf sensible Informationen verschaffen könnten. Mehr als jeder Dritte (35 Prozent) hat Angst davor, dass seine persönlichen Daten in falsche Hände geraten. Und 30 Prozent der Befragten sehen keinen Mehrwert durch die Nutzung der Geräte.

„Hier sind die Hersteller in der Pflicht“, sagt Jürgen Morath. „Unternehmen müssen sich glaubwürdig als vertrauenswürdige Dienstleister positionieren, gleichzeitig aber auch offener im Umgang mit Daten und Schnittstellen werden.“ Das klingt paradox, spricht aber für Accenture, denn „Brauchbare Plattformen für komplexe Systeme wie das intelligente Zuhause oder das vernetzte Auto sind nur durch die Kooperation mehrerer Spezialisten erreichbar“, so der Experte der Unternehmensberatung. „Kunden wollen nicht mehr immer dünnere und leistungsfähigere Geräte, sondern Angebote, die ihnen im Alltag tatsächlich weiterhelfen“, sagt Morath, womit er Recht hat.

Für die „Digital Consumer Survey 2016“ hat das Beratungsunternehmen Ende vergangenen Jahres 28.000 Verbraucher zwischen 14 und 55 Jahren in 28 Ländern befragt.

Nun fragt man sich, warum Accenture, das als weltweit tätiges Dienstleistungsunternehmen mit rund 373.000 Mitarbeitern in über 120 Ländern in den Bereichen Bereichen Strategie, Consulting, Digital, Technologie und Operations tätig ist, so skeptisch in die Welt blickt. Die Message ist wohl diese: Geräte sind nichts, wenn es keine Systeme, Dienste oder Software gibt, die diese Geräte sinnvoll miteinander verschaltet und spannende Angebote liefert. Und die möchte Accenture liefern.

Geht es nicht einfacher?

Machen wir es mal verständlich: Ein Bäcker, kennt seine Kunden, seine Rezepte, rührt den Teig und backt leckeres Brot und Kuchen. Er liefert es vielleicht sogar noch ins Haus und hat Zeit für ein Schwätzchen mit seinen Kunden um neue Trends und Geschmäcker zu erkennen.

Grundfalsch. Der Bäcker betreibt einen Laden, den Namen hat er „gemietet“ (Franchise), die Backstube wird von der Bäcker-Backstuben GmbH betrieben, der Laden von der Bäcker-Verkaufs GmbH und die Kundenkontakte macht für ihn ein Meinungsforschungsinstitut. Bestellungen nimmt ein Call-Center entgegen und leitet diese an die Lieferungs GmbH weiter, bei Beschwerden wird ein Social-Media-Response eingespannt. Um alle diese Unternehmen zusammen zu bringen, braucht man eine Beratungsfirma, die teure Systeme und Prozesse aufsetzt, damit in endlosen Meetings vielleicht ein Brötchen lieferbar sein wird, das sich aber rechnet, wenn jeder Kunde mindestens 10 Stück davon kauft, auch wenn er nur eins essen möchte.

Im Marketing Sprech heisst das dann so: „Unter Unternehmen arbeitet an der Schnittstelle von Business und Technologie, um Kunden dabei zu unterstützen, ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern oder nachhaltigen Wert für ihre Stakeholder (Anteilseigener) zu schaffen.“

Ach ja: Warum kann die Welt nicht so einfach, wie beim Bäcker sein? In einer globalen Welt, braucht man Intelligenz, Berater und Software und Hoffnung, dass die Vorhersagen am Ende des Tages noch passen.

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