Ein Hoch auf Nintendo! Oder lieber nicht?

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Wenn in einem technologienahen Bereich ein Trend entsteht, ist es nicht zwangsweise nötig, dass dieser Trend wiederum auf der neusten Technologie basiert. Das iPhone ist hier ein gutes Beispiel, welches zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der ersten Version, gegenüber Konkurrenten veraltet war. Ein Stichwort: UMTS.

Nun gut, heute erleben wir gerade wieder einen neuen Trend – im Bereich des Gamings. Gut, zur heutigen Zeit dürfe klar sein, wovon ich rede. Ich spreche von den vielen Monsterjägern.

Screenshot "Pokémon Go"

Screenshot „Pokémon Go“

Die Technologie hinter Pokémon Go ist nicht neu. Das Spiel selbst besteht vor allem aus dem Element, dass ein Spieler auf einer virtuellen Karte bestimmte Aktionspunkte ansteuert und dort Handlungen durchführt. Diese virtuelle Karte ist wiederum mit der realen Welt gekoppelt. Sprich bewege ich mich entlang einer realen Strasse, entspricht dies einer Bewegung auf der virtuellen Karte.

Technologisch gesehen ist das ein „Location Based Service“. Etwas, wovon uns die Mobilfunkunternehmen seit über zehn Jahren erzählen, dass es der nächste neue Trend ist. Ich erinnere mich noch an „Angebote“, bei denen Nutzer eine SMS mit dem Codewort „Taxi“ an eine Servicenummer senden sollten, ein prohibitiv hohen Preis zahlen sollten und dann, wenn es gut lief, von einem genervten Taxifahrer angerufen wurden, der sie in Kilometern Entfernung suchte. Mittlerweile funktioniert das zum Glück besser, meistens sogar auf ein paar Meter genau.

Das „modernste“ Feature von Pokémon Go ist die sogenannte Augmented Reality. In das aktivierte Kamerabild werden die Monster eingeblendet und der Spieler kann sie jagen und muss mit dem Handy hin und her schwenken. Erstaunlicherweise schalten dies die meisten Player ab, da es keinen echten Mehrnutzen bringt. Das Gameplay ist genau das gleiche, es wird nur verworrener und bringt salopp formuliert nichts.

Das eigentliche, Killerfeature an diesem „Location Based“ Spiel ist aber ein ganz anderes: es wird tatsächlich gespielt – von einer breiten Masse.

Das bringt mich zum eigentlichen Punkt. Wir erleben heute was passiert, wenn Leute, die wirklich verstehen, was ein Spiel ist, sich um das Thema Spielen kümmern. In vielen Bereichen ist hier Nintendo verwickelt, ein Hersteller, der die letzten Jahre wieder mal tot geschrieben wurde – und noch immer da ist.

Nintendo war immer dann besonders gut, wenn sie nicht versucht haben, technologisch führend zu sein, sondern inhaltlich. So erinnere ich mich an das NES, eine Spielkonsole die zu ihrer Zeit nicht die modernste Maschine war, aber die jenige, mit den besten Spielen. Als die Miniaturisierung losging, erschuf Nintendo keine Monsterkonsole, sondern landete mit dem Gameboy einen Megahit, der die Miniaturisierung ernst nahm und einfache Technologie transportabel machte. Was wir damals spielten? Tetris. (Klicken Sie auf den Link, selbst bei Wikipedia ist es ein Gameboy Screenshot.)

Danach kam eine schwere Zeit, bis irgendwann sich das ankündigte, was wir heute wieder erleben. Eine Technologie, in diesem Fall Bewegungssensoren, wurden günstig. Nintendo verstand, dass die Bewegung ein Spielelement werden sollte. Was dann kam, war ein Massenerfolg, eine Konsole, die weder HDTV fähig war noch 3D Soundeffekte bot. Aber Inhalte, die niemand hatte, die Wii war da.

Was hat das alles jetzt mit Mobilfunk zu tun? Nun, „endlich“ hat jemand einen massentauglichen Inhalt geschaffen für die heutige Massentechnologie. Während Spiele wie Ingress noch sehr virtuell waren, der Masse unbekannt, haben (teils gleichen!) Schaffer von Pokémon Go nun alles richtig gemacht. Das Brand Pokémon passt perfekt in eine virtuelle Welt. Wir jagen Monster in einer virtuellen Umgebung und ergänzen dies durch eine reale Erfahrung. Die Technik, assisted GPS Positionierung unterstützt heute jedes Billigsmartphone aus dem Supermarkt. Die einfachen 3D Inhalte werden von jedem einfachen Prozessor unterstützt. Du brauchst kein megateures Smartphone, um dabei zu sein.

Ich ziehe meinen Hut vor denjenigen, die dies gemacht haben. Sei es vor den Rechteinhabern, Ingress Entwicklern oder eben Leuten von Nintendo, die einfach verstehen, wie ein Inhalt aussehen muss, damit er begeistert.

Sicherlich, bei diesem Spiel ist noch einiges zu tun. Die Server stürzen zu oft ab, die App selber ist sehr instabil, der Akkuverbrauch einfach indiskutabel. Auch das System der In-App Käufe, wenn auch bei weitem nicht so stark ausgeprägt wie woanders, ist eben ein Teil des Spiels und damit Teil der Kritik.

Doch die Tür ist nun aufgestossen. In viele Richtungen. Haben wir hier die erste Grundlage einer ortsbasierten Werbung geschaffen oder ist es eine neue Datenkrake wie Google? Haben wir zukünftig mehrerer solcher Apps auf dem Handy, brüten wir lieber Eier aus statt Schritte zu zählen oder sehen wir nur einen Hype, der wieder abflacht? Ist es ein reales Second life oder ist es den Menschen bald peinlich, dabei beobachtet zu werden, mitten auf einer Brücke auf ihr Handy zu starren?

Eines ist klar, wir erleben hier den möglichen Beginn eines echten „Game changers“. Und wir erleben, wie Mobilfunk plötzlich Teil eines echten Games wird, denn nur durch ihn ist es möglich, das Spiel überhaupt zu realisieren.

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