IFA-Berlin – Telekom setzt Meilensteine – der Rest ist Schweigen

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Die Berliner Funkausstellung, pardon, die gibt es ja nicht mehr – also die IFA in Berlin, die heute offiziell gestartet ist, war einst die Messe des Mobilfunks. Da kamen alle Netzbetreiber, Service-Provider und Anbieter. Eine Handvoll sind dieses Jahr wieder da, ein paar halten es nicht für notwendig.

Telekom Nummer 1

Der Himmel voller Einsen – IFA-Stand der Telekom (Quelle Telekom auf Facebook)

Die Deutsche Telekom ist da und zeigt überdeutlich, dass in Sachen „Netz“ ohne die Telekom nichts geht. Das mussten gerade die privaten Mitbewerber bei Breitband-Leitungen schmerzhaft einräumen und in Sachen Mobilfunk zündete die Telekom heute die nächste Stufe, die Experten lange als „unmöglich“ angesehen haben: Datentarife völlig ohne Limit. Unbegrenzt und ungebremst, sofern und solange das Netz vor Ort und das eigene Gerät mitspielen.

Daten ohne Limit

Dieses No-Limit gibts bei der Telekom in zwei Stufen: Einmal als Tagesflat für 4,95 pro Nutzungstag, die sich nach Ablauf des Tages automatisch wieder abschaltet, danach gilt der ursprünglich gebuchte Tarif weiter. Ideal, wenn man mal „auf die Schnelle“ das Netz ausprobieren oder etwas „streamen“ will. Zu Buchen am Handy unter http://pass.telekom.de (WLAN vorher ausschalten!)

Dann für den ultimativen Power-Nutzer-Tarif „Premium XL“ für 199,95 Euro Grundgebühr. Alle 12 Monate gibts auch ein neues Handy, pardon Top-Smartphone dazu, das alte dürfen Sie behalten und können es lukrativ veräußern oder an Freunde oder Familie vererben. Im Premium-XL sind Sprach- und SMS-Verbindungen nach und innerhalb EU-Europa, die Schweiz und jetzt auch die USA, Canada und die Türkei enthalten (EU-Flat Plus). Bei Daten ist eine echte unlimitierte ungebremste Flatrate enthalten, mit technisch maximal möglicher (LTE) Geschwindigkeit, nur noch gebremst vom Netz vor Ort und dem eigenen Endgerät. Wo es kein Mobilfunknetz gibt, kann die „HotSpot Flat“ (WLAN/WiFi) genutzt werden. Zwei zusätzliche Multi-SIM-Karten zur Nutzung der Full Flats auf insgesamt bis zu drei Endgeräten sind auch mit drin, ferner eine Festnetz-Rufnummer, um für Leute mit uralten Tarifen festnetzgünstig erreichbar zu sein. (Wer VoLTE nutzen will, muss die Festnetznummer abschalten lassen, weils technisch anders derzeit nicht geht.)

Knapp 200 Euro sind eine Hausnummer und das ist sicher kein Tarif für „Ich will alles umsonst und sofort haben“ Kunden.

USA, Kanada, Türkei, Schweiz, EU-Europa für 10 Euro Aufpreis

Wer die USA, Canada, Türkei, Schweiz und EU-Europa in seinen Festnetz- oder Mobilfunk-Tarif einbauen will, kommt auch günstiger weg. Man nehme einen Magenta Festnetz-Tarif der Telekom, kombiniere ihn mit einem Magenta Mobilfunk Tarif (Kombiangebot „Magenta 1“) und buche die „EU-flat Plus“ dazu, die 10 Euro Aufpreis im Monat kostet. Dann sind Telefonate und SMS vom Mobiltelefon in den genannten Ländern frei, das heimische Datenvolumen kann in den genannten Ländern genutzt werden. Vom heimischen Festnetz kann nach Deutschland, EU-Europa, Schweiz, Türkei, USA und Canada zu Fest- und Mobilanschlüssen telefoniert werden. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Beispiel: Magenta S mobil für 34,95 Euro / Monat (Neukunden bekommen ihn u.U. günstiger) abzüglich 10 Euro „Magenta 1“ Rabatt + 10 Euro für die EU-flat plus Option. Noch Fragen?

Vodafone verliert wichtige Kunden

Vodafone ist im Messekatalog nur mit dem „Vodafone Shop“ auf der IFA vertreten. Den offiziellen Infostand (früher in Halle 18) gibts nicht mehr, ein Händlertreff wurde nicht gesichtet, es gab auch keine Pressekonferenz vor Ort. Da wurde eine große Chance vertan, aktuell Flagge zu zeigen. Gerade hat Vodafone den überaus wichtigen Kunden BILD quasi „verloren“, denn das neue Angebot BILDconnect findet künftig gemeinsam mit der Drillisch AG im Netz von o2 statt. Für bisherige „Bildmobil“ Kunden im D2-Netz scheint sich zunächst nichts zu ändern, sofern die nicht von sich aus eine neue Karte im anderen Netz bestellen. Möglicherweise ruft später noch die BildConnect-Hotline bei BildMobil Kunden an und macht ihnen Wechsel-Angebote, das muß man abwarten.

Gerade eben erreichen mich Gerüchte, wonach Vodafone für Business-Kunden an einer „Welt-Flat“ arbeitet, andere Quellen berichten mir, dass es die im Prinzip schon länger gäbe, dann aber nur im Großkunden-Firmen-Rahmenvertrag und bei Schaltung von x-tausend-Karten, für Privatkunden also im Moment noch kein Thema. Wo Vodafone kein LTE hat, wird das Netz schnell wacklig, wo dann auch kein 3G verfügbar ist, muss mit extrem langsamen, bis stockenden Daten (GPRS/EDGE) gerechnet werden.

Und wo ist Telefonica in Berlin?

Wieder ist Telefonica – Endkunden besser bekannt als o2 – nicht auf der Berliner IFA vertreten. E-Plus gibt es bekanntlich nicht mehr, also sind sie auch nicht (mehr) dabei. Telefónica hat meines Erachtens die riesige Chance vertan, sich seinen bisherigen und zukünftigen Kunden und dem wichtigen Fachhandel vorzustellen, etwa um die neue Struktur des Unternehmens, die Pläne , Ziele und laufende Projekte vorzustellen, vielleicht Infos sogar zum Netzausbau zu geben und Vertrauen bilden oder wieder gewinnen. Vielleicht wäre ein Service-Schalter am Stand gut gewesen, wo Hotlinefragen gleich vor Ort gelöst werden können? Nichts, leider nichts davon. Wer sich in die Foren des Internet zum Thema o2 und seiner Marken begibt, braucht eine Menge gute Nerven, die Foren quellen über vor Frust.

Telekom schreibt Service gross

Die Telekom hat auch dieses Mal wieder einen Hotline Schalter vor Ort, Besucher sprechen davon, dass er noch größer sei, als sonst. Die Telekom hat verstanden, dass eine Messe wie die IFA nicht nur von Fachleuten sondern auch von Multiplikatoren besucht wird. Spezialisten sind direkt vor Ort und manches Problem ist so schnell gelöst, wie man es dem oder der Hotliner/in erklärt hat.

25 Jahre Mobilcom-Debitel

Mobilcom-Debitel blickt auf 25 Jahre Mobilcom und 25 Jahre Debitel zurück, damals noch getrennt. Debitel startete mit Dr. Joachim Dreyer, als Service-Provider der damaligen Daimler-Chrysler Autombil Gruppe und des Handelskonzerns METRO, der früh seine Produkte auf der grünen Wiese in den Mediamarkt und Saturn-Märkten mit Erfolg vermarktete.

Wer erinnert sich noch den kultig kantigen Gerhard Schmid, der seinerzeit mit Mobilcom der Mobilfunkwelt das „Fürchten“ lehrte und mit Angeboten wie kostenlosen Handys (im Wert von 1000 DM) bei Abschluß eines Fünfjahresvertrages die Branche aufwirbelte. Später erwarb Schmid eine UMTS-Lizenz, gemeinsam mit der France Telecom , ging aber nie richtig an den Start, weil die Franzosen über Nacht ausstiegen. Her Schmid wurde verabschiedet, Debitel und Mobilcom landeten bei der Freenet AG.

Die Freenet ist in Berlin auf der IFA vertreten, denn das terrestrische Angebot von freenet.tv geht mit DVB-T2 am Start, deren Sendetechnik sie überraschend gekauft hatten. Freenet als digitaler Lifestyle-Provider. Bezahlfernsehen kann vielleicht funktionieren, vor allen Dingen den jüngeren Kunden sagt man eine gewisse Affinität nach.

Die öffentlich-rechtlichen Programme müssen auch auf DVB-T2 unverschlüsselt empfangbar sein, deren Kosten sind mit den als „GEZ“ bezeichneten Gebühren schon beglichen. Die privaten Anbieter wollen für ihr „Werbefernsehen“ via DVB-T (oder HD via Satellit) neuerdings vom Zuschauer Geld. Als Grund werden die sündhaft teuren Filmrechte angegeben. Wenn ein Sender „frei empfangbar“ ist, dann werden die Rechte teurer, weil man die Zielgruppe nicht genau genug abgrenzen kann. Das mag ja an der Grenze zu anderen Ländern ein Problem darstellen, weil die Rechteinhaber auch im anderen Land verdienen möchten und das ist bei Ausstrahlung über Satellit sicher ein Thema, weil diese Satelliten weiter strahlen, als gedacht, aber ich nehme mir die Freiheit auf deren kostenpflichtigen Angebote zu verzichten, die Inhalte sind zum allergrößten Teil … verzichtbar oder in einfacher Bildqualität noch „frei“ zu empfangen.

Die IFA bleibt weiter eine „Funk“-Ausstellung

Selbst Kühlschränke senden SMS und bestellen frische Ware oder zeigen auf dem Handy ihren Inhalt, das Kochbuch auf dem Tablet steuert gleich den Küchenherd, sofern die Küche von einem Hersteller stammt. Das Haus wird vernetzt und gesteuert, bitte ändern Sie unbedingt die Standardpassworte, sonst könnte im harmlosesten Fall, der schlaue Nachbar Ihre Rolläden rauf und runterfahren oder spionieren, was sich in Ihrem Schlafzimmer ereignet. Es könnte aber auch ein Einbrecher sein, der den optimalen Zeitpunkt ermittelt, wann Sie nicht da sind und vorher die Alarmanlage deaktiviert, bevor er mit dem Smartphone Ihre Tür öffnet und völlig spurenfrei alle Wertgegenstände einsammelt.

Muss man nach Berlin? Hmmm. Falls Sie in der Nähe sind, einen Tag können Sie sich gönnen. Wenn Sie gerade die Entscheidung für einen Festnetz oder Mobilfunkanschluß vorbereiten oder mit ihrem bisherigen Anbieter nicht zufrieden sind, schauen Sie sich in Berlin ruhig mal um. Ihr bisheriger Anbieter ist nicht auf der IFA? Das könnte sich für diesen am Ende als argen Boomerang erweisen.

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3 Antworten to “IFA-Berlin – Telekom setzt Meilensteine – der Rest ist Schweigen”

  1. Matze Says:

    Ich wohne in Berlin und könnte mir auf der anderen Straßenseite beim robb ne Freikarte holen. Aber ehrlich gesagt finde ich die IFA schon seit Jahren nicht mehr interessant. Dort gibt es nichts zu sehen, was neu ist oder auch nur halbwegs interessant. Und überteuerte Snacks und Getränke finde ich auch nicht attraktiv. Viele Menschen auf einen Haufen schon gar nicht.

    Also, was soll ich da? Messerabatte gib es nicht mehr und Pressevertreter bekommen auch keinen Sekt mit Schnittchen mehr. Und wer braucht noch Prospekte aus Papier? Alles langweilig.

    Für mich war die IFA tot, als über Jahre dort nur noch Flachglotzen ausgestellt wurden. Flachglotzen, Flachglotzen, Flachglotzen. Und nun dazu auch noch Kühlschränke. Sowas kann ich in jedem MediaMarkt sehen, dafür muss ich nicht zur IFA fahren.

    Das letzte spannende Thema war vor Jahren DRM (Digital Radio Mondiale). Also digitale Kurz-Mittel-Langwelle. Aber das Thema wurde ja dank fehlender guter Radios völlig in den Sand gesetzt. Schade eigentlich.

  2. Bernhard Says:

    Beim neuen „Premium XL“ der Telekom gibt es nicht alle 12 Monate ein neues „Premium Smartphone“, sondern man darf nach 12 Monaten bereits seinen Vertrag um zusätzliche 24 Monate Verlängern und bekommt dabei das neue Endgerät. Danach bekommt man 3 Jahre lang kein subventioniertes Endgerät. Alle 12 Monate ein Iphone mit Subventionierung von >500€ – da wäre der Tarif als Ersatz für einen Festnetzanschluss (wenn LTE Mobilfunk Empfang gegeben und kein Hybrid verfügbar) besonders mit mäßigem DSL und einen Smartphone Handyvertrag durchaus eine interessante Option.

    • hrgajek Says:

      Hallo,

      Nicht ganz richtig.
      Nach 12 Monaten kannst Du verlängern und bekommst ein neues Smartphone. Dabei verlängert sich der Vertrag um neue 24 Monate gültig ab dem Verlängerungstag.
      Nach weiteren 12 Monaten kannst Du wieder ein neues Handy haben! Und verlängert erneut um 24 Monate diesem Tag. Wenn Du raus willst, musst Du einmal 24 Monate durchhalten, ohne schon nach 12 Monaten ein neues zu nehmen 🙂

      Beispiel:
      Start 9.2016 (Laufzeit bis 8.2018)
      Neues Handy 9.2017 (Laufzeit bis 8.2019! )
      Neues Handy 9.2018 (Laufzeit bis 8.2020)
      Nun 2019 kein neues Handy nehmen, sondern nur kündigen, dann bist Du 8.2020 draussen.

      Rechnen wir grob 480 Euro Subvention, dann wären das 40 Euro pro Monat, bleiben grob 160 für den Tarif. Für Business/Power Telefonierer/Reisende/Surfer kann sich das lohnen 🙂

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