Vodafone bringt sich wieder ins Gespräch – Nicht immer vorteilhaft.

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Nicht nur o2, sondern auch Vodafone D2 sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Jetzt hat sich sogar die Aufsichtsbehörde „Bundesnetzagentur“ ins Geschehen eingeklinkt…

Vodafone am Flughafen

Vodafone macht sich bemerkbar

Vodafone ist der Nachfolger von Mannesmann Mobilfunk. Das war der erste private Mobilfunkanbieter in Deutschland, 1991/92 als „D2 Privat“ gestartet. Erstmalig private Konkurrenz für die Deutsche Bundespost Telekom, damals eine Sensation.

D2 war mal Nummer Eins!

Mannesmann D2 war damals schnell die Nummer 1 in Deutschlands digitalem Mobilfunk – vor der Deutschen (Bundespost) Telekom. Zielgruppe der Mannesmänner damals waren interessierte, engagierte und anspruchsvolle Kunden, die von der angestaubten Behördenpost genug hatten.

Doch plötzlich zog die frisch privatisierte Telekom an D2 vorbei! Mannesmann D2 – später spektakulär zu Vodafone (D2) fusioniert, landete auf Platz 2. Es folgten E-Plus und VIAG Interkom (heute o2).  Doch seit 2015 – seit der heissdiskutierten Fusion von E-Plus und Telefónica o2 – ist Vodafone D2 in Deutschland die Nummer drei oder das Schlusslicht der Mobilfunkanbieter in Deutschland, die mit eigenem Sendernetz unterwegs sind.

D2 als Nummer drei

Platz 3 ist frustrierend. Jahrelang hatte die britische Konzernzentrale das in Deutschland verdiente Geld für andere Länder, Kontinente und Projekte dringend „gebraucht“. Kritische Netztests stellten irgendwann fest, dass es im Vodafone-Netz einen Investitionsstau gab. Kunden klagten über stehende Datenverbindungen (es flossen keine Daten mehr) und beim Netzausbau in der Fläche schien auch nichts voran zugehen, nicht nur in Deutschland.

Die technische Abteilung von Vodafone hatte das schon früh erkannt, braucht aber viel Kraft und Zeit und öffentliche Unterstützung, um endlich mit dem Ausbau loslegen zu dürfen. Fast alle Stationen wurden auf- und umgerüstet. Dank „Single-RAN“ bestimmt eine Steuersoftware, ob die örtliche Station in der „Pizzabox“ GSM, 3G/UMTS oder 4G/LTE „spricht“ und damit optimal den aktuellen Bedarf abdecken kann.

Das ist doch alles lange bekannt?

Diese Story kennen Sie schon? Viele in Düsseldorf, kennen das offenbar nicht mehr.

Gute Tarife  – aber mit komplizierten Rabatten

Bei den Tarifen war Vodafone lange Zeit nicht einfach zu durchschauen. Da kann es in den Shops durchaus attraktive Angebote geben, die so eigentlich gar nicht in den Tariflisten stehen, sondern über spezielle Rabatte ermöglicht werden. Doch wehe, wenn der Shopmitarbeiter etwas falsch einträgt oder das KIAS-System irgendeine Rabattaktion verschluckt hat oder gar nicht kennt? Dann noch der jahrelange massive Druck auf die Mitarbeiter in den Shops zum Schalten von möglichst vielen Karten. Nicht wenige Kunden sind und waren darüber nicht so begeistert.

Sparen und wachsen?

Aus Mitarbeiterkreisen wird berichtet, dass Vodafone ein neues Sparprogramm auflegen wolle. Das heisse konkret, gewisse Stellen sollen weg fallen, aber – und das ist neu – es sollen auch neue Leute eingestellt werden. Gleichwohl bleibt ein mulmiges Gefühl.

Langsam aufwärts ?

Es hatte sich einiges gebessert bei Vodafone. Der dringend notwendige Mobilfunk-Netzausbau wird endlich auch in der Provinz vorsichtig spürbar, man kann auch über EDGE/GPRS wieder mit der Außenwelt in Kontakt treten, wenn man nicht telefonieren mag.

Angebote, wie die Prepaid-Karte CallYa wurde um LTE erweitert. Klar und deutlich: Der Tarif CallYa Smartphone Special ist derzeit der ideale Einsteiger und Schnupper-Tarif, um das Vodafone Netz kennen zu lernen und zu schauen, ob das etwas „auf Dauer“ sein könnte.

Es gibt 200 Minuten oder SMS (gemischt) und 1 GB Datenvolumen (bei Verwendung der Mein-Vodafone App sind es sogar 1,1 GB) Das ganze kostet 9,95 Euro … für 28 Tage.

Wie bitte?

Ein Monat ist kein Monat 😦

Es war eines der ehernen Gesetze, dass eine Tarifoption einen Kalendermonat dauert, was je nach Jahr und Kalender 28, 30 oder 31 Tage sein können. Aber 28 ? „Das ist doch einfacher zu rechnen“, klar und aus den 9,95 Euro pro 28 Tage werden 11 Euro im Monat (auf 31 Tage gerechnet). Das verbessert das Ergebnis.

Solche Tricksereien sind bei vielen Anbietern gang und gäbe. Da werden Creme-Tuben mit 125, 150 oder 175 ml verkauft – nur damit der Kunde nicht die Preise vergleichen kann. Längst muss auf einem Preisschild eine vergleichbare Größe genannt werden, weil es die Branche anders nicht „versteht“. Schade, dass die technologisch eigentlich führende Mobilfunkbranche das unbedingt „nachmachen“ muss.

Baustelle Festnetz

Im Festnetz scheint es für Vodafone auch nicht ideal zu laufen. Klar, der Verkauf von Telekom-Anschlüssen mit Vodafone Etikett ist „langweilig“, zumal der Einkaufspreis von der Bundesnetzagentur „in Stein gemeisselt“ ist, da macht die Kalkulation keinen Spaß, weil die Konkurrenz den gleichen Einkaufspreis bekommt.

Deshalb wollte man sich einen Kabel-TV-Anbieter kaufen, in der Hoffnung, man könnte die ungeliebten Leitungen der Telekom zu den Kunden einsparen. Die Idee war auch nicht neu: Für 2 Mrd. Euro war’s dem Vodafone-Welt-Chef damals „zu teuer“. Einige Jahre später – für jetzt 8 Mrd. – durfte es der damalige Deutschland-Chef intern „JSB“ genannt, lange im Headquarter in UK „aufgewachsen“ dann mitnehmen. Doch JSB hatte auch nicht den gewünschten Erfolg, ihm folgte der bisherige Chef des Vodafone Partners Mobilkom A1 aus Österreich.

Vodafone zu kreativ?

Offenbar sind die Kundenzahlen weiter nicht so toll, wie es die Planer gerne hätten. Also verschickte Vodafone „amtlich“ aussehende Schreiben mit Stempeln und Terminerinnerung an das gemeine Volk, dass in Kürze das Fernsehen dunkel bliebe, wenn man nicht sofort eine 0800 Nummer anriefe, wo dann ein CallCenter einen Vertrag mit Vodafone über den Anschluss an das ach so tolle „Giganetz“ verkaufen sollte. Wo das „amtliche“ Schreiben im Papierkorb landete, wurde später noch eine „Postkarte“ an die verblüfften Noch-Nicht-Kunden verschickt.

Der Hintergrund: Das digitale Fernsehen über die Antenne, abgekürzt DVB-T wird ab dem 29. März 2017 abgeschaltet, nicht gleich überall, aber bis 2019 sollen alle „alten“ Sender weg sein. Vodafone möchte diesen Kunden einen Kabel-TV-Anschluss mit Programm-Abo-Paketen verkaufen.

Braucht man aber gar nicht. Der bisherige DVB-T Decoder kann für einmalig rund 30-70 Euro gegen einen DVB-T2 Decoder ausgetauscht werden, evtl. braucht man noch ein passendes Analog (FBAS) auf SCART Verbindungs-kabel  und schon sind die gewohnten Programme wieder da und noch einige mehr. Wer sogar die privaten Sender über Antenne schauen will, wird ab Juli 2017 mit 69 Euro – pro Jahr – zur Kasse gebeten.

Bei Vodafone würde der Festnetzanschluss anfangs 19,95 Euro pro Monat kosten, doch schnell kommen weitere Kosten dazu. Der Kunde vom „offiziellen“ Schreiben überlistete Kunde fühlt sich …. unwohl.

Bundesnetzagentur meldet sich zu Wort

Solche „halbamtlichen“ Aktionen gab es bei Vodafone schon früher, ich habe hier schon eine vorgestellt, die in meinem Briefkasten landete, mehrfach übrigens. Neu ist dieses Mal allerdings, dass die Bundesnetzagentur überraschend den mahnenden Finger hob und der Vodafone GmbH ein Bußgeld von 20.000 Euro in Aussicht stellte, wenn der Spuk nicht aufhört. Das hatten wir bisher noch nicht.

Vodafone verschenkt 90 GB  für 1Tag

Unzufriedene Kunden könnten zu zufriedenen Kunden werden, wenn man sie ernst nimmt und sich um ihre Probleme kümmert. Wer Kummer mit dem mobilen Netz von Vodafone hat, kann sich über die Mein-Vodafone-App melden und bekommt einmalig 90 GB Daten (das sind rund 90.000 MB) Volumen geschenkt, was aber bitte schön an einem einzigen Tag zu verbraten sei.

Ja prima! Wie soll das nur gehen, wenn das Netz doch nicht geht? Da fühlt sich der Kunde eher … nicht Ernst genommen.

Vodafone verschenkt 100 GB für 1 Monat

Vodafones allerneueste Idee ist ein 100 GB Geschenk.

Dazu brauchen wir:

– Einen Vodafone Laufzeitvertrag, entweder schon vorhanden oder neu abgeschlossen, Mindestlaufzeit 24 Monate. Drunter machen sie es nicht.

Und schon kann sich der geneigte Kunde über die Mein-Vodafone-App ein Datenpaket von 100 GB schenken lassen. Diesmal „prüft“ Vodafone und schaltet binnen 48 Stunden frei. Und dieses Mal gelten die 100 GB sogar für ganze 30 Tage. Das könnte man sogar noch schaffen, wenn man wie wild Musik und Videos streamt… Als besonderes Bonbon kann man sein Volumen auch mit anderen Vodafone-Kunden teilen. Also 24 Monate Vertrag und davon einen Monat mit 100 GB.

Zukunft im Netz?

Die Zukunft findet im Netz statt und die digitalen Natives und Ureinwohner teilen und streamen wohl, was das Zeug hält. Da will man sicher jetzt schon einmal vorsichtig austesten, ob solche Datenmengen überhaupt möglich sind oder das Netz gleich den Kollaps bekommt, bevor man sich an „unbegrenzte“ Tarife herantraut.

Zukunft ohne Netz?

Der Kunde, der abseits der Ballungsgebiete lebt und auf seinem Handy immer wieder mal „kein Netz“ oder nur ein „E“ oder maximal ein „G“ vorfindet, kann mit solchen Aktionen gar nichts anfangen.

Der Kunde, der sich im Laden nur einmal beraten lassen wollte und dann mit zig Rufnummern, SIM-Karte(n) und Verträgen unterm Arm wieder rausgeht, der später fassungslos seine erste Rechnung zu verstehen sucht, kann es wohl auch nicht.

Vodafone wohin?

Ja, wo möchte Vodafone hin? Als Billigstanbieter? Kaum zu schaffen. Da gibt es die virtuellen Anbieter mit 2 GB für unter 10 Euro. Da gibt es Netzbetreiber, die aktuell zig Baustellen geöffnet haben, deren Kunden günstige Preise gewöhnt sind.

Vodafone als High Perfomance, Best Service Netz? Da gibt es einen langjährigen Marktführer, der es in Zahlen vielleichit nicht mehr , aber in Netzausbau und -Qualität immer noch ist.

Ja, welchen Platz stellt sich Vodafone dabei vor? Eine echte Herausforderung.

Was kostet ein richtig gutes Netz?

Da gibt es Forderungen nach dem industriellen Internet, nach Internet of Things, nach Industrie 4.0 – alles Zielgruppen, die ein mehr als perfekt funktionierendes Netz dringend brauchen und haben wollen. Zu welchem Preis ist das machbar und was wird geboten?

Wie sieht die Zukunft aus?

Derzeit gibt es noch drei Netzanbieter. Werden es eines Tages nur noch zwei reale Netze sein oder gar nur noch eines?

Der Kunde bleibt ratlos zurück oder wechselt … oder auch nicht.

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3 Antworten to “Vodafone bringt sich wieder ins Gespräch – Nicht immer vorteilhaft.”

  1. monster.mauli Says:

    Eine herrliche Zusammenfassung, ja, ich erinnere mich auch noch an die „D2-Zeiten“ – Mannesmann, damals, in den 90igern, gehörte es zum guten Ton bei diesem Provider zu sein, es war der „Bessere“ und nicht abgehoben/monopolgeführt staatlich unterstützend abgezockt…
    Lange Zeit (>10 Jahre) war ich jetzt bei E-Plus (simyo) und glücklich – weil einfach einfach ist, Aber die Zeiten wandeln sich, tatsächlich letztes Jahr von Handy zu smartphone und damit das Bedürfnis nach „mehr“, LTE und Co sollte machbar sein.

    Ich Danke Dir, Henning, für Deinen Tip, bin jetzt erstmalst beim „D1“ und kann hoffentlich die nächsten 10 Jahre zurückgelehnt geniessen und den Markt beobachten… 😀

  2. Ex-VFler Says:

    Schöner Artikel! Übernommen wurde die KD allerdings nicht erst als der Österreicher am Ruder war, sondern schon unter „Jens-ist-schuld-an-Borkum“. Weiß ich genau, weil ich damals von genau jenem rausgeschmissen wurde, aber das ist ein anderes Thema.

    • hrgajek Says:

      Hallo Percy,

      Du hast Recht. „JSB“ durfte Kabel Deutschland kaufen, der Mann aus Österreich kam erst später. Ich habs im Blog-Artikel gleichmal korrigiert.

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