Zum Jahreswechsel: Baut endlich

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In meinem Blog ist es lange sehr ruhig geblieben. Insider ahnen es schon, warum. Ich bin seit dem März 2018 bei teltarif.de hauptberuflich als Redakteur angestellt, für teltarif.de schreibe ich als „freier Mitarbeiter“ schon seit 2000.

Zum Jahreswechsel will ich mich doch mal wieder zu Wort melden.

Mobilfunkausbau

Telekom Techniker im Schaltraum

5G – die Diskussion des Jahres

Die Diskussion des Jahres 2018 war wohl „5G“, wobei man der Politik und der Öffentlichkeit nicht vorwerfen kann, dass sie die technischen Zusammenhänge nicht kennen (können). Unter 5G stellen sie sich die „Zukunft“ vor, ein Netz, dass „immer da“ ist und alles möglich macht. Wenn man dann zum Smartphone greift und die Daten wieder ruckeln oder gar die Anzeige „kein Netz“ erscheint, dann merkt die Öffentlichkeit, dass Anspruchund Wirklichkeit weit aus einander sind.

Als der Mobilfunk anfing, waren Fans und Freaks Kunden oder Menschen, denen mobile Kommunikation wichtig war und sie waren „froh“, dass überhaupt mal irgendwo und irgendwann etwas ging. Dafür nahm man Mühen auf sich, zog die Antenne am Nokia 1011 aus oder baute eine Außenantenne ans Auto und dann ging es ja oft auch.

Die, pardon der Netzbetreiber hatte(n) bei A, B und C-Netz „gelernt“, dass man auf die Berge einen möglichst hohen Turm stellen musste und dann klappte das schon irgendwie, bei 149 MHz und später rund 450 MHz. Mit 900 MHz (GSM) wurde schnell klar, die hohen Türme alleine tun es nicht, da müssen mehr kleinere Sender her, denn Mobilfunk ist zellular.

Wir brauchen Sender, Sender, Sender

Ich habe schon in den Anfängen von GSM gesagt: „Wir brauchen Sender, Sender, Sender“ und bin dafür oft belächelt worden. Wenn dann „Sender“ gebaut werden sollten, gab es schnell „Protest“. Anfangs war die „Strahlung“ unheimlich. Schwer nachzuvollziehen, wenn man den Leuten erklärt, dass die Strahlung zurückgeht (und weniger stört und schadet) je mehr (schwache) Sender in der Nähe sind.

Bestes Beispiel Schweiz: Hier gibt es eine traumhafte Netzabdeckung, weil die Grenzwerte so radikal sind, dass in der Fläche viel mehr (kleinere) Sender aufgebaut werden mussten.

In Deutschland ist die Angst vor Strahlung längst der Angst vor der „Optik“ oder „visuellen Belästigung“ eines Sendeturms gewichen und in der Tat, so ein „Sendeturm“ ist nicht immer ästhetisch.

Was bringt die Zukunft?

Die Zukunft werden viel mehr und viel kleinere und unauffälligere Sendestationen sein, die in Litfaß-Säulen, auf Telefon-Säulen (früher Telefonkabinen oder Zellen), in Kanaldeckeln oder Stadtreklamen versteckt sind und da ihren Dienst tun, ohne aufzufallen. Sendemasten wird es weiter geben, draußen auf dem Land, an Autobahnen oder Bahnstrecken.

Das Problem ist aber auch: Mit bürokratischen Genehmigungsverfahren, Bedenkenträgern, Protesten und nicht zuletzt aberwitzigen Lizenzkosten ist den Mobilfunkern die Freude am Netzausbau gründlich verdorben worden. Eine gewisse Schuld tragen auch die „Flatrates“. Der Kunde zahlt brav seinen Betrag X für seine Flatrate oder sein Datenpaket und der Netzbetreiber bekommt das gleiche Geld, ob er einen oder zehn Sender in der Region aufstellt. Er kann gar nicht mehr ausrechnen, ob sich ein Sender „lohnt“ oder nicht.

Ok, der Rückweg zur Einzelabrechnung pro Minute, pro Byte oder pro Nachricht wird kaum mehr möglich sein, weil der Kunde gar nicht abschätzen kann, wieviele Bytes beispielsweise ein Film verbraucht. Sollen Gespräche wieder entfernungsabhängig berechnet werden? Sicher ist ein Gespräch von hier nach Timbuktu etwas teurer, als zu Oma im Nachbarhaus, aber die Unterschiede sind in der Summe vermutlich nicht mehr so dramatisch.

Netzausbau kostet Geld

Lernen sollten wir aber, dass ein Netzausbau, wie wir ihn uns vorstellen, auch Geld kostet und das muss irgendwo herkommen.

Beispielsweise von den Netzbetreibern, die dann ihre Tarife erhöhen müssten. Beispielsweise vom Steuerzahler, der dann im Endeffekt „mehr“ Steuern zahlen müsste. Was wäre „gerechter“ ?

Das Konzept, dass mehrere Netzbetreiber parallel und im Wettbewerb Netze aufbauen, könnte für einen besseren Ausbau sorgen. Die Forderung nach einem gegenseitigen „Roaming“ würde das im Kern zunichte machen. Besserer Aufbau würde nicht mehr lohnen.

Das Konzept einer „staatlichen“ Netzaufbaugesellschaft hat Charme, erzeugt aber einen bürokratischen Wasserkopf und ein Eigenleben und ist vielleicht nicht flexibel genug. Es muss vielleicht anders gedacht werden:

Die Bundesrepublik Deutschland gliedert das Land in Parzellen auf, die „bewertet“ werden, nach „lukrativ“ und „Grundversorgung dünn besiedelter Regionen“. Dann wird der Netzausbau ausgeschrieben. Dabei werden werden lukrative und dünn besiedelte Regionen gekoppelt, damit die Bewerber nicht nur die lukrativen Gebiete ersteigern und den Rest liegen lassen. Ein Paket von Parzellen „gewinnt der Anbieter, der das günstigste Angebot machen kann. Wo es „nicht reicht“, muss der Staat zuschießen. Wenn Parzelle A von Netz 1 und Parzelle B von Netz 2 gebaut wird, wäre dann in der Tat ein nationales Roaming sinnvoll, wenn man aufwendigen „Doppelausbau“ vermeiden will.

Die Sache mit den Frequenzen

Aktuell werden Frequenzen bei 3,6 GHz das sind 3600 MHz versteigert. Auch für Nichttechniker: A und B Netz funkten bei 149 MHz. Tolle Reichweiten. C-Netz bei 450 MHz hatte immer noch brauchbare Reichweiten, aber nicht so gut wie bei 149 MHz. Das D-Netz startete 1991/92 bei 900 MHz. Reichweiten wieder geringer. E-Plus und VIAG/o2 begannen im „E-Netz“  auf 1800 MHz und brauchten dafür (rechnerisch) doppelt bis viermal soviele Stationen. LTE sendet heute auf 800 MHz (ähnlich wie 900) und bald auf 700 MHz (was auch wieder etwas besser sein wird.)

UMTS sendet auf 2.100 MHz. Das braucht mehr Stationen. In der Stadt oder indoor sendet LTE in kleinen Zellen auf 2600 MHz.

Nun kommen Frequenzen bei 3600 MHz (= 3,6 GHz) dazu. Merkt Ihr was? Dafür braucht man viel, viel mehr Stationen als vorher.

Ein flächendeckender Ausbau auf 3,6 MHz wäre machbar, braucht aber utopisch viele Sender.

Nun baut endlich und lasst sie bauen

Politik und Verwaltung entscheidet Euch: Sollen die Netzbetreiber ausbauen, dann lasst sie endlich bauen: Baugenehmigungen für einen Sender sollen derzeit 2 (zwei) Jahre dauern. Das muss einfacher werden.

Künftig soll ein Netzbetreiber ankündigen und dann sofort nach Norm bauen dürfen, BNetzA misst anschließend nach. Hausbesitzer die schon mal eine Antenne genehmigt haben, dürfen beim Technologiewechsel nicht mehr durch endlose Nachverhandlungen über höhere Mieten blockieren können, sondern müssen an die soziale Verpflichtung ihres Eigentums erinnert werden. Neue Technik muss kleiner und optisch ansprechender werden, damit wir langsam von den häßlichen Technikburgen auf exponierten Hochhäusern weg kommen.

Ich habe dieses Jahr im Fernsehen gesagt: Die Leute wollen ICE fahren, aber es liegen noch nicht mal Schienen. In der viel beschworenen Provinz gibt es viel zu oft „gar nix“. Da könnte man mit 2G und 4G mal anfangen.

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Eine Antwort to “Zum Jahreswechsel: Baut endlich”

  1. Christian Steinbach Says:

    Schöner Auftritt beim SWR RP. „Südwestfunk“ hehehe. In RLP ist das Problem ja bekanntlich recht ausgeprägt – solange es Funklochtreffen gibt, kann der Ausbau nicht gut sein 😉 Grüße aus Bretten! – Christian

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