Telekom dreht eigene TV-Serie? Muss das sein?

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Unter dem Titel „Germanized“ produziert die Deutsche Telekom jetzt eigenen Fernseh-Inhalt, neudeutsch Content. Den wird man exklusiv und nur über „EntertainTV“ sehen können, das „eigene“ TV-Angebot der Deutschen Telekom. Nun, bis zum 1. April ist es noch ein ganzes Stück. Doch die meinen das Ernst! Muss das sein? Ich finde: Nein, muss es nicht!

Deutsche Telekom

Deutsche Telekom wird Programmanbieter

Die Deutsche Telekom ist der größte deutsche Infrastrukturbetreiber für Internet inkl. Telefonie, egal ob Sprache, Bilder oder was auch immer, ursprünglich fest, inzwischen längst auch mobil.

Lineares Fernsehen (= ich gucke, was gerade im Programm läuft und kann nur auswählen, ob ich zu einem bestimmten Zeitpunkt was gucken kann oder will) verschiebt sich hin zum Konsum von Inhalten, die mich interessieren könnten und die ich schon kenne oder die noch nicht kenne, aber denke, sie könnten für mich interessant sein, immer dann, wenn ich will. Der „Preis“ dafür ist hoch: Pro Einzel-Film oder pro Abonnement (viele Filme oder Inhalte) muss ich extra zahlen.

Bisher ™ zahle ich den Rundfunkbeitrag (allgemein bekannt als „GEZ“) und jetzt soll ich noch für Sportpakete, Serien, Highglichts, Strick-Liesel-TV, Heimat-Bastel-TV und so weiter nochmal extra zahlen? Ich denke es reicht!

Will ich per Satellit oder terrestrisch über DVB-T2 private Programme in HD gucken, soll ich auch nochmal extra zahlen. Für viel Werbung und nur auf maximale Einschaltquote optimiertes Unterschichten-TV? Nein danke. Solange SD (Standardauflösung) via Satellit (Astra) noch funktioniert, bleibt den „privaten“ Anbietern eine Gnadenfrist, danach verzichte ich gerne auf dieses „Angebot“.

Digitales Entwicklungsland

Deutschland ist ein digitales Entwicklungsland, obwohl vor allen Dingen die Deutsche Telekom und hier und da auch deren privaten Wettbewerber wie wild auf- und ausbauen. Dennoch sind wir von einer angestrebten Vollversorgung bei Festnetz oder Mobilfunk noch Lichtjahre entfernt.

Und dann müssen die mühsam aufgebauten Netze sofort mit Serien, Spielshows und anderem Tinnef verstopft werden? Muss den Leuten in den „weißen“ Gebieten deutlicher als deutlich gezeigt werden, wie „dumm“ sie dran sind, weil es dort immer noch gar kein oder nur schnarchlangsames Netz gibt?

„Germanized“ heißt sinnigerweise die neue Serie, welche die Telekom mit dem Schauspieler Christoph Maria Herbst (bekannt als Nervensäge aus der Serie „Stromberg“) ab Frühjahr 2018 produzieren will und die ab Ende 2018 bei „EntertainTV Serien“ verfügbar sein soll. 10 Folgen sind (zunächst) geplant. Immerhin wird diese Serie für EntertainTV Kunden „kostenlos“ verfügbar sein, man will ja den Kunden „Appetit“ auf die Buchung von EntertainTV machen.

Sie brauchen zig Abos, um was mitzubekommen?

Reines Antennen- oder Kabelfernsehen reicht heute nicht mehr, weil Anbieter A diese Sportart, Anbieter B jene Sportart aber nicht diese und Anbieter C die tollen Serien, aber keinen Sport hat. Der Kunde wird sanft erpresst, sein sauer verdientes Geld für zig Abonnements auszugeben. Kleine Kabelnetzbetreiber in Wohnungsanlagen klagen heute schon: Lizenzierung von Unterhaltungsprogrammen wird immer komplizierter, weil an jeder Straßenecke“ Rechteinhaber stehen, die ihre Hände aufhalten und die einzige Branche, die krisenfest bleibt, sind spezialisierte Anwälte. Und der Zuschauer muss zahlen oder gucken, wo er was zu sehen bekommt, hoffentlich ist es dann noch legal.

Die Fußballfans protestieren bereits in den Stadien gegen diese neue schräge Welt, wo es nur noch um die Maximierung der Lizenzeinnahmen geht. Beim DFB reibt man sich die Augen, warum die Fans so „sauer“ sind. Wenn ein Fußballstar oder ein schneller Autofahrer 30-50 Millionen Euro im Jahr verdient, muss die Frage erlaubt sein, ob da nicht irgendwann und irgendwo die Relationen gewaltig verschoben sind.

„Germanized“ – eine ist deutsch-französische Coproduktion und bewegt sich im Genre „Dramedy“ (Dramatic Comedy) und das trifft es auf den Punkt: Deutschland ist digitales Entwicklungsland und der größte Infrastrukturanbieter flüchtet sich in ein südfranzösisches Küstenörtchen, das kurz vor der Pleite steht und nun von einer deutschen Firma und deren Mitarbeitern gerettet werden soll, so die Beschreibung des Films. Das ist Realsatire pur.

Da möchte man laut und deutlich „Halt“ rufen. Spart das Geld und steckt es besser in den Netzausbau. Holt die TV-Seher und Konsumenten von der warmen Couch und macht besser ein vernünftiges Nachbarschaftsprojekt. Richtet den Leuten, die sich nicht auskennen, den Computer ein, damit sie teilhaben können. Buddelt als Nachbarschaftsinitiative überall dort die Gräben für die Glasfaser, wo es sich sonst nicht „rechnet“. Bildet Euch, was man mit einem flächendeckenden digitalen Netz Sinnvolles anfangen kann. Kümmert Euch um Leute, denen es nicht so gut geht, die Ansprache oder Betreuung brauchen. Draußen wird die Gesellschaft immer älter, ärmer und einsamer.

Das war ein „Rant“ und ich bin mal gespannt, was die Kommentatoren mir dazu schreiben.

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