Telekom Car Connect: Ein Hotspot begleitet mein Auto

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Heute will ich mich mal mit einem Gerät beschäftigen, was die Deutsche Telekom ihren Kunden seit etwa Dezember letzten Jahres anbietet und auf den Namen „Car Connect“ getauft hat. Wie man hört, sei die Nachfrage so hoch gewesen, dass das Modul zeitweise ausverkauft war.

CarConnect

Das Modul wird von ZTE hergestellt.

Wer sich mit Autos und Technik auskennt, weiss, dass alle nach 2006 neu verkauften Autos eine genormte Diagnose-Buchse namens OBD2 haben sollten. Darüber kann mit geeigneten Endgeräten das Auto nach Fehlermeldungen und Meßwerten befragt werden, üblicherweise in der Autowerkstatt, weil Privatpersonen über solche Diagnose-Geräte eher nicht verfügen.

Nun hat sich die Deutsche Telekom mit der Firma Mojio zusammen getan, die zusammen mit dem Netzwerkausrüster und Gerätehersteller ZTE ein Modul entwickelt haben, das genau in diese OBD2 Buchse passt.

Zum einmaligen Kaufpreis von derzeit 1 Euro kann man den „Car Connect“ Adapater bei der Telekom im Shop oder online erwerben, wenn man bereit ist, den CombiCardCar10 Tarif (Mindestlaufzeit 24 Monate) abzuschließen. Dafür gibt es 10 GB Datenvolumen, die über eine eingebaute SIM-Karte aus dem Mobilfunknetz der Telekom über einen Hotspot im CarConnect-Modul ins Auto-Innere ausgestrahlt werden und mitfahrende Reisende (z.B. Nachwuchs) während der Fahrt erfreuen können.

Sollte noch kein Telekom-Mobilfunkvertrag vorliegen oder der aktuelle bereits gekündigt sein, wechselt der Tarif in den „Car Connectivity 10“ und kostet dann 29,95 Euro im Monat. Sollte man mehr als 10 GB Daten im Monat verbrauchen, wird die Datengeschwindigkeit auf 64 kB/s im Monat gedrosselt.

Um die WLAN Funktion des Moduls als Hotspot nutzen zu können, braucht der Adapter nur mit dem Auto verbunden zu werden. Name des WLAN-Hotspots und das zugehörige Passwort sind auf dem Adapter aufgedruckt, die App muß dazu nicht installiert und gestartet werden, auch ist kein Telematik Konto notwendig. Das bestätigt die Telekom in den AGBs dem Kunden.

Car Connect App will vieles wissen.

Nun will der neugierige Mensch natürlich wissen, was sein frisch erworbenes Modul noch alles möglich macht. Also installiert man die CarConnect App, die es in den jeweiligen AppStores für iOS (Apple) und Android zum kostenlosen Download gibt.

Auf dem Modul ZTE-ist ein Bar-Code Aufkleber zu finden, der Modellnummer, WiFi-MAC-Adresse und die IMEI enthält.

Die App kann diesen Code theoretisch einlesen, was mir nicht gelang (schlechtes Licht im Auto?) Dafür bot sich die Möglichkeit die IMEI-Nummer des Moduls manuell einzugeben. Die „Rufnummer“ der SIM-Karte des CarConnect bleibt unbekannt, telefonieren ist damit ohnehin nicht vorgesehen. Auch ein Verwenden der mitgelieferten SIM-Karte in einem Handy oder einem MiFi-Router soll nicht möglich sein.

Nach dem ersten Starten der App wurde ich nach meiner Handynummer gefragt, dorthin wurde mir ein Code geschickt. Dazu musste ich ein Passwort vergeben, worauf ein neues Konto angelegt wurde. Die App fragt nach dem Namen und Typ des Autos , dem Kennzeichen und noch einiger Daten und speichert diese und übermittelt sie auch an eine externe Datenbank. Ab und zu verlangte die App ein neues Einloggen, meistens jedoch nicht.

Schaltet man die Zündung ein, startet aber den Motor nicht, kam – je nach Alter und Zustand des Wagens – eine Warnung, dass die Batterie nicht mehr gut ist. Eine Schaltfläche erlaubte nun, sich nach Autowerkstätten in der aktuellen Umgebung umzusehen, völlig unabhängig von der Marke des eigenen Fahrzeugs. Das könnte im Falle eines Falles schon hilfreich sein.

Die App speichert alle Fahrten mit gefahrenen Kilometern, Höchtgeschwindigkeit, Motor-Drehzahl und Fahrverhalten (Starkes Beschleunigen, starkes Bremsen, Leerlauf), Tankfüllstand und Diagnostic-Fehlermeldungen des Fahrzeuges. Wenn man einen Grenzwert vorgibt, wird auch die Übetretung einer vorgewählten Geschwindigkeit registriert, inklusive Icon in der Karte, wo man „zu schnell“ unterwegs war. Man kann nur hoffen, dass die Verkehrspolizei keinen Zugriff auf diese Daten bekommt. „In bestimmten Fällen“, so die AGB, „sind wir gesetztlich verpflichtet, Daten an eine anfragende Stelle zu übermitteln.“

 

Wer sich die App installiert, muss gar nicht im betreffenden Auto sitzen. Es ist möglich, die App auf einem zweiten Gerät (das muss auch nicht einmal im Telekom Netz eingebucht sein) diese App nochmals zu installieren. Dort können die Daten des „Meßfahrzeuges“ abgerufen werden, wenn man die dazgehörende Rufnummer und Passwort des App-Kontos kennt. Ein Abruf der Daten aus dem Konto über den PC scheint hingegen nicht vorgesehen zu sein.

Schöne neue Datenwelt

Und damit sind wir beim springenden Punkt der Geschichte. Der Vorteil des Hotspots im Fahrzeug zum günstigen Preis ist der eine Punkt. Die gigantische Datensammlung ist aber die andere Seite der Medaille. Sicher ist es schön, zu wissen, wo sich die Liebsten befinden, besonders wenn sie einmal Hilfe brauchen sollten. Was aber, wenn diese Datensammlung – warum und wie auch immer – den falschen „Menschen“ oder „Institutionen“ in die Finger fällt? Was ist, wenn der Lebenspartner „auf Abwegen“ unterwegs ist und über diese App der geheime „Freund“ oder die „neue Freundin“ enttarnt wird?

Sagen Sie jedem Nutzer Ihres Fahrzeuges (sofern sie es überhaupt verleihen), dass so ein Modul eingebaut ist? Die AGBs verpflichten Sie dazu!

Telekom macht aus den datenschutzrechtlichen Aspekten keinen Hehl. Wer die App aufmerksam durchblättert, wird darüber genaustens informiert, man muss es nur lesen.

Die gesammelten Telematik Daten werden über die Dauer des Vertrages gespeichert. Telekom verspricht, dass die Daten gelöscht werden, wenn der Vertrag endet, das könne aber einige Tage dauern. Man kann sein App Konto auch selbst vorher löschen.

In der App wird der aktuelle Standort des Fahrzeuges angezeigt, dazu bedient man sich Google Maps. Die App „warnt“, wenn das Auto „bewegt“ oder „erschüttert“ wird, wobei sich im Test verwirrende Meldungen ergaben. „Es ist eine Störung aufgetreten, schauen Sie ob Ihr Fahrzeug beschädigt wurde.“ Diesese Meldung kommt auch, wenn man nur die Türe oder den Kofferraum befugt öffnet und wieder schließt, aber gar nicht oder nicht gleich losfährt. An einem Tag nahm die App mehrfach an, dass mein Auto gerade abgeschleppt würde, nur ich saß noch drin und fuhr selbst! 🙂

iOS-App unterstützt auch Apple-Watch

Wer sein iPhone mit einer Apple Watch verbunden hat, bekommt diese aktuellen Meldungen auch auf die Uhr übermittelt. „Sie haben eine Fahrt in Adresse begonnen“ erscheint auf dem Arm, genauso wie „Das Fahrzeug hat die Geschwindigkeit überschritten“. Das ist eine nette Idee, könnte während der Fahrt aber auch ablenken, sofern man selbst am Steuer sitzt. Ob auch Android basierte Uhren „mitspielen“, konnte ich mangels Ausrüstung nicht testen.

Die funktechnische Seite

Das Modul sendet nur, wenn der Motor läuft, bietet daber dann den (mit)fahrenden Insassen 10 GB monatliches Datenvolumen, die das natürlich genießen werden. Man kann einen Laptop, ein Tablet oder das eigene Handy an dieses WLAN andocken und damit – sofern das eigene Handy das kann – über WiFi Calling telefonieren, was dann aber Datenvolumen verbaucht. Nur sind die OBD2 Buchsen meistens im Fahrzeug-Innenraum an unzugänglichen Stellen zu finden, wo die Funkversorgung nicht immer optimal ist. Ein WiFi-Calling Telefonat brach an im Neckartal (bei Heidelberg) deswegen ab.

An einer anderen Stelle verlor das Modul ab und zu den GPS-Kontakt, die App interpolierte den ungefähren Standort an, meldete aber den Netzverlust.

Bei der Einrichtung der App wird nach einem km-Stand gefragt. Danch rechnet die App die gefahrenen Kilometer selbständig hoch, aber mit der Zeit weichen die ermittelten Zahlen vom Zählerstand im Auto ab.

Montageort nicht immer ideal

Je nach Fahrzeug kann der Adapterstecker in den Fußraum hineinragen und die Beinfreiheit beeinträchtigen. Die Empfangsqualität ist dort unten auch nicht immer ideal. Eine Lösung kann hier ein OBD-Verlängerungskabel sein, was es schon für rund 10 Euro bei Elektronik-Händlern gibt. Danach könnte man das Modul oben auf dem Armaturenbrett befestigen, was die Empfangsqualität drastisch verbessert. Man sollte aber im Hochsommer daran denken, dass die einstrahlende Sonne dem Modul direkt hinter der Frontscheibe auch nicht gut tun dürfte.

Ein Fazit:

Mobiles Internet im Auto wird immer wichtiger. Dafür sind aber vernünftige Tarife notwendig. Wenn mitfahrende Reisende während der Fahrt Videos streamen, sind 10 GB im Monat vielleicht nicht ausreichend. Hier fehlt noch eine Upgrade Lösung, ansonsten sind rechnerisch 1 Euro pro GB im Moment ein äußerst fairer Kurs. Moderne Autos haben teilweise schon eigene Hotspots eingebaut. Eigentlich sollte dafür auch so ein günstiger Tarif – unabhängig vom jeweiligen Modul angeboten werden.

Die heutigen Autos sind – so sagt es Mojio auf seiner Homepage – die Smartphones von morgen. Immer mehr wird das Auto mit dem Internet verbunden. Mit dumpfen Ängsten kommen wir nicht weiter, sondern mit Informationen und Fakten. Wem es „unheimlich“ sein sollte: Die Telematik-Diente des Moduls kann man nutzen, muß man aber nicht. Auf jeden Fall sollte das App-Passwort sollte gut aufbewahrt und nicht weitergegeben werden.

Mehr Informationen unter www.telekom.de/carconnect

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Eine Antwort to “Telekom Car Connect: Ein Hotspot begleitet mein Auto”

  1. Matze Says:

    Nicht mein Ding. Einerseits habe ich ohnehin eine 4 GB Datenflat über das Handy immer mit im Auto dabei, andererseits finde ich die OBDII-Lösung aus genannten Gründen (schlechter Empfang = viel Strahlung im Fahrzeug und ungünstige Lage) einfach unpraktisch.

    Zusätzlich will ich solche Datensammlungen überhaupt nicht haben, niemals. Bei Google Maps und iOS habe sie daher extra deaktiviert (sie sind ansonsten immer aktiv). Ohnehin habe ich einen Bluetooth-OBDII Dongle, mit dem ich nicht nur die Daten und Fehlercodes auslesen kann, sondern sie auch zurückstellen kann. Das finde ich viel sinnvoller.

    Einzig das Fahrzeug-Tracking mit Alarm im Falle eines Diebstahls fände ich gut. Aber genau hier ist es eine schlechte Lösung. Jeder Dieb sieht das Modul auf den ersten Blick und wird es rausziehen. Zumal er meist eh an die OBDII-Buchse ranmuss, um die Wegfahrsperre zu deaktivieren. Das Telekom-Ding ist dadurch natürlich für solche Zwecks völlig ungeeignat. Ein unter dem Amaturenbrett versteckter GPS-Tracker, den man per SMS aktivieren kann, ist viel sinnvoller.

    Kurz: Ich brauche das Teil nicht. Keine der Funktionen ist so gut gelöst, dass es eine Verbesserung wäre. Viele halbgare Dinge zusammen ergeben halt leider kein schlüssiges Gesamtprodukt. Man sollte sich nicht vom billigen Preis locken lassen, wenn man nicht wirklich 10 GB im Auto zusätzlich braucht. Die anderen Funktionen sind nur datenschutzkritische Spielerei.

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