Congstar sieht rot

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Wer meine Blogs schon länger liest, weiß, daß ich dem Start von Discountern um jeden Preis immer skeptisch gegenüberstand. In vielen Fällen wäre es wohl sinnvoller gewesen, den Bestandskunden vernünftige und durchschaubare Angebote zu machen, anstatt mit Tiefstpreisen und wenig Service den Markt auf den Kopf zu stellen. Gelesen wurden die Blogs schon, gehandelt wurde anders.

Congstar die Discount-Tochter der Telekom

Logo von Congstar

Auch bei der Deutschen Telekom war man eines Tages auf die Idee gekommen, einen Discounter zu gründen. Die Online-Zugangs-Discounter-Marke „Congster“ (mit „e“) wurde dazu in „congstar“ mit „a“ umbenannt. Dieser Tage zitiert die Zeitschrift Wirtschaftswoche (WiWo) aus der internen Gewinn- und Verlustrechnung, welche die congstar-Geschäftsleitung Ende Mai ihrem Aufsichtsrat vorgelegt hat, Zahlen, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Demnach werde im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatz von „nur“ 132 Millionen erwartet, geplant seien zu Jahresbeginn 176 Millionen gewesen. Zum Start von congstar im Sommer 2007 hatte Telekom Chef René Obermann noch einen Umsatz von einer Milliarde Euro als realistisches Ziel ausgegeben. Erst ab 2013 könnte Congstar ohne Verluste arbeiten, sage das Papier jetzt.

Die operativen Verluste summieren sich allein im aktuellen Geschäftsjahr auf schätzungsweise 38 Millionen Euro. „Seit seiner Gründung hat congstar weit über 100 Millionen Euro verbrannt, ohne dass der Telekom-Vorstand einschreitet“, ärgert sich laut WiWo ein Telekom-Manager, der verständlicherweise ungenannt bleiben will.

Erst im Jahr 2013 könnte congstar die Verlustzone verlassen und eine schwarze Null im operativen Geschäft schreiben. congstar brauche demnach einen Umsatz von 230 Millionen Euro, um kostendeckend arbeiten zu können. Unterstellen wir einen Durchschnitts-Monatsumsatz von 10 Euro pro Kunde, so kommen wir auf grob 2 Millionen Kunden. Das müßte doch zu schaffen sein?

Mich wundern diese Zahlen ehrlich gesagt nicht. Innerhalb der Telekom findet ein „interner Krieg“ statt, zwischen den Anhängern von solidem Geschäft bei hohen Preisen, Managern, die Angst haben zuviele Kunden an die interne Konkurrenz zu verlieren, und vielen Leuten, die möglichst gar nichts verändern wollen und den Managern der Discount-Tochter, die eigentlich alle die Kunden zurück holen soll, die wegen der „hohen“ Preise von der Original-Telekom geflüchtet sind.

Es reicht aber nicht, einen guten Preis zu machen, wenn das ganze Drumherum nicht stimmt. Das fängt schon beim Kundenservice an. Der Start von Congstar im Mobilfunk war mehr als holprig. Anfangs sollte Congstar noch viel günstiger loslegen, als es dann wirklich der Fall war, Pionierkunden berichteten über Wartezeiten bei der Freischaltung und komplette Ratlosigkeit bei der Hotline.

Das anfangs präsentierte Tarif-Bausteinpaket war wirklich originell: Man konnte sich verschiedene Flatrates zu seinen Wunschnetzen kombinieren. Skuril genug: Für Anrufe zu anderen Congstar-Kunden brauchte man eine „eigene“ Flat, in der „D1-Flat“ (zu T-Mobile/Telekom) war Congstar nämlich nicht enthalten. Viele Kunden schüttelten den Kopf.

Kunden, welche diese Flat zu „wörtlich“ nahmen, wurden bald gekündigt, weil sie halt die internen Kalkulation „gesprengt“ hatten, die Interconnect-Preise sind mit rund 7 Cent pro Minute nun mal wie sie sind, aber die Kunden wollten „flat“ = unbegrenzt und ungehemmt telefonieren. Die Folge: Das Tarifmodell wurde eingestampft.

Irgendwann kam von Congstar auch ein 9 Cent Prepaid-Tarif, doch wesentliche Dinge, wie ein online einsehbarer Einzelverbindungsnachweis kamen spät. Die Möglichkeit, eine vorhandene Rufnummer zu Congstar-Prepaid mitzunehmen, wird erst seit wenigen Tagen angeboten. Wie man hört, knirscht es dabei noch gewaltig.

Vernünftige Datentarife bekam man bei Congstar bislang kaum, bei einem Congstar-Laufzeitvertrag gibt es bislang nur 9 Cent pro Minute.  Bei Prepaid sind es immerhin 35 Cent pro MB Daten, was für Telekom Verhältnisse richtig gut ist. Alternativ ist eine Tagesflat zu 2,49 Euro möglich. Aber: Diese Tagesflat gibts aber nicht als Tarifoption auf eine vorhandene Karte, sondern nur in Verbindung mit einem separat zu erwebenden USB-Stick für den Laptop oder PC mit beigepackter SIM-Karte. Daß die Surf-Optionen auf 384 kB/s limitiert sind (also nur UMTS, kein HS(D)PA), stört in der Praxis weniger, es sei denn, man sieht seinen USB-Stick als vollwertigen DSL-Ersatz, dann aber muß man bei der Original Telekom rund 35 Euro im Monat ausgeben, bei einigen Service-Providern mit 400 Fußnoten und Risiken und Nebenwirkungen gehts zeitweise auch günstiger.

Congstar verkauft nicht nur Mobilfunk, sondern auch Festnetz und Internet. Diese Tatsache ist trotz massiver Werbung kaum bekannt, denn Congstar darf diese Produkte nur im Internet verkaufen. In diversen Supermärkten und an Tankstellen gibts nur die Mobilfunk-SIM-Karten zum mitnehmen.

Wer sich im Frühstadium auf das Abenteuer Festnetz oder DSL von Congstar einließ, hatte manchen Kampf mit der Hotline und der Technik zu bestehen. Erst wurde einer Pionierkundin der alte Internet-Zugang flott ausgeknipst, sie hatte keine Chance mehr, an die neuen Zugangsdaten heranzukommen „Haben wir Ihnen per e-mail geschickt!“. Die konnte sie erst nach Besuch eines Internet-Cafes lesen. Dann dauerte die komplette Umschaltung von Telekom zu Congstar und am Ende wartete sie weitere Wochen auf ihren Router. Als schließlich alles lief, mußte manche Telefonverbindung doppelt gewählt werden, denn es klappte immer erst beim zweiten Mal. Einzelfälle?

Relativ spät installierte Congstar ein eigenes Kundenforum in Web, wo man nach einiger Suche inzwischen ganz hilfreiche Tipps bekommt, aber bei vielen Cracks und Pionieren ist Congstar längst abgehakt. „Wenn schon billig im D1-Netz, dann kann ich auch für 8 oder 7,5 Cent/Minute mobil telefonieren, bei einem der unzählbaren Discount-Ableger der Drillischgruppe. Daß die 7,5 Cent nur auf dem Papier stehen und erst nach 1 Jahr durch schwer überschaubare „Gutschriften“ möglich werden sollen, stört da nicht.

Telekom hat längst Angst vor der eigenen Courage bekommen, auch andere Discount-Anbieter wenden sich von Telekom Produkten ab und bevorzugen speziell bei Datenangeboten inzwischen das Angebot aus München von Telefonica-o2, wie beispielsweise bei Klarmobil.

Die Marke Congstar wäre meiner Meinung nach gar nicht notwendig gewesen, eine verständlichere Tarifpolitik und Minutenpreise die nicht bei 29 Cent in fremde Netze sondern bei maximal 19 Cent liegen, ein bezahlbares und verständliches Datenangebot bei den Xtra-Prepaid-Tarifen und vor allen Dingen die Einrichtung des Online-Einezelverbindungsnachweises, der in vielen Fällen für Klarheit bei Abrechnungen und zur Entlastung der Hotline geführt hätte, wären für ein Bruchteil des verbrannten Geldes möglich gewesen.

Dazu kommt eine schwer verständliche Congstar-Werbung, die nur einen verschwindend geringen Teil des möglichen Marktes erreichen dürfte. Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 möglicherweise, die „Andy“, der laufend sein Gesicht ändert, ganz nett finden mögen, oder auch nicht.

Congstar Aktion: Andy will wechseln – Quelle: Youtube.com

Allein die Kosten, die Marke Congstar bekannt zu machen, dürften in die Millionen gehen. Internet basierende Angebote sind an ihre Grenzen gestoßen, weil die Kundengemeinde im Internet sehr gut informiert und vernetzt ist, die wechseln jederzeit, wenn anderswo ein besseres Angebot zu finden ist, diese Erfahrung darf auch der Discount-Pionier Simyo gerade machen.

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8 Antworten to “Congstar sieht rot”

  1. harlekyn Says:

    Nun wuerde mich interessieren, wie es bei fonic und simyo aussieht. Wird dort besser gewirtschaftet, sind die Kundenzahlen deutlich besser, oder schreiben auch diese Discounter rote Zahlen?

  2. harry Says:

    Der Geist den die Netzbetreiber gerufen haben, hat die Flaschen jetzt verlassen.
    Kunden wollen nur noch billig telefonieren,und wechseln sehr schnell den Anbieter.An jeder Ecke gibt es ja die SIM-Karten fast geschenkt.

  3. Schwarzblonder Says:

    Die Geschichte mit den Daten per Mail kommt mir äusserst bekannt vor. Als ich damals von den Telekomikern zu CongstEr gewechselt habe wurde mir telefonisch zugesichert, dass das in einander übergeht und ich maximal ein paar Stunden ohne DSL dastehen.
    Wers glaubt wird seelig….. Mittwochs wurde T-DSL abgeschaltet und ab Montag wurde Congster DSL freigeschaltet. In der Zwischenzeit kamen die Zugangsdaten per Mail (die ich ja nicht abrufen konnte). Ich hab den Kram dann in der Mittagspause in der Firma abgerufen.
    Der Router kam geschlagene 14 Tage nach Freischaltung endlich mal hier an. Nur gut, dass ich noch einen Router hatte. Der hat zwar VOIP nicht unterstützt und ich hatte 14 Tage kein Festnetz Telefon aber das konnte ich noch verschmerzen.
    1 Woche nach dem Router kamen dann die Zugangsdaten nochmal per Post. Völlig behämmert.
    Der Support bei denen ist nicht wirklich gut (0180- Vorwahl, lange Wartezeiten etc.).
    Und dieses CongstAr Design bzw. deren Werbung ist ja mal total fürn A****. Der Congstar Heini kommt auf meiner Hass-Skala direkt nach Briefgold.de und noch vor Carglas und dem Pfosten von 1 und 1.
    Das Brandingdesign des Routers verursacht mit auch übelsten Augenkrebs. Das Menü ist zwar recht übersichtlich und einfach aber die krepelbunten Farben machen einen wahnsinnig.
    Demnächst endet meine Vertragslaufzeit und dann werde ich wieder von denen weg wechseln. Zu wem weiss ich noch nicht. Bloss nixmehr mit den Telekomikern zu tun haben ist da mein erster Vorsatz.
    Tipps zum Wechsel (Anbieter) werden gerne entgegen genommen. 😉
    Grüße aus dem überhitzen, windstillen und schwülen Neckartal.

  4. 0177-München Says:

    Ich kann dir nur zu ALICE-DSL raten, da nutze ich schon seit dem Bestehen von Alice. Also denke ich ca. 5 Jahre und bin bis heute immer noch sehr zufrieden und empfehle das allen weiter. In meinem Freundeskreis haben das auch die Meisten und jeder ist zufrieden. Es gibt natürlich wie beim Mobilfunk regionale Unterschiede, aber einen Versuch ist es Wert, da man es monatlich kündigen kann. Also eine Vertragslaufzeit beim Mobilfunk oder DSL würde ich heute keinem mehr raten. Die Flexibilität ist das Beste was es gibt und wenn man zufrieden ist bleibt man auch bei der Firma.
    Grüße aus München.

  5. Nina Says:

    Hm, als Congstar auf den Markt kam, waren alle Wenigtelefonierer im Bekanntenkreis schon längst bei simyo und anderen, schon ca. 2 Jahre vorher gestarteten, Marken. Schliesse mich aber harlekyn mal an: wie schaut es bei denen aus? Simyo, Fonic usw.

  6. Ingolf Says:

    @Schwarzblonder:
    Haste mal gecheckt über welchen Anbieter Dein Congstar DSL realisiert wird? Die meisten Leute glauben, wo Congstar draufsteht, ist Telekom drin. Wenn Du keinen Regio-Zuschlag zahlst, kannst Du fast sicher davon ausgehen, dass über alternative Anbieter geroutet wird. Könnte also gut sein, dass Du nach einem Anbieterwechsel am gleichen DSLAM wie bisher hängst. Vor diesem Hintergrund würde ich vor allem auf den Preis und die Laufzeit schauen.

    Ob Alice nun besseren Service als Congstar hat? Wenn ich diverse Foren lese, gewinne ich diesen Eindruck eher nicht.

  7. 0177-München Says:

    Also ich kann nur sagen, dass ich den Service in 5 Jahren vielleicht 2 Mal in Anspruch genommen habe. Wenn überhaupt. Mein Internet und mein Festnetz läuft einwandfrei ohne irgendwelche Probleme. Komme gar nicht in Verlegenheit Alice zu kontaktieren 😉 Wie o.g. das ist von Stadt zu Stadt sicherlich unterschiedlich. Aber hier in München flutscht Alice ohne Ende und bei mir kommen leider keine 16Mbits an sondern 18 Mbits, das ärgert mich schon etwas *g*
    Man kann Alice ohne Weiteres probieren, wenn es ned passt zum Monatsende kündigen und Anbieter wechseln. Da geht man kein Risiko ein und hat noch ein echtes Festnetz und kein VoIP!
    Ich kann mich nur wiederholen, ich bin sehr zufrieden mit Alice, alles funktioniert wie es soll und wenn es so weiter bleibt, bin ich weitere 5 Jahre bei denen.

  8. Ingolf Says:

    Naja, echtes Festnetz hat man bei Alice nur in den wenigsten Orten, nämlich im ehemaligen Hansenet-Gebiet. In München hast Du das Glück.

    Die kurze Vertragslaufzeit macht das Risiko ein wenig erträglicher. Scheitert das Experiment, hat man aber 2x einen Anbieterwechsel (einmal hin zu Alice und dann wieder weg von dort). Das kann 2x reibungslos funktionieren oder auch nicht.

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