Barcelona 2012: Subjektive Eindrücke vom Mobile World Congress

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Mobile World Congress: Subjektive Eindrücke aus Barcelona

Was einst mit rund 2000 Teilnehmern im südfranzösischen Badeort Cannes begann, wurde irgendwann zu eng und landete später in Barcelona. Die Rede ist vom Mobile World Congress (MWC), dieses Jahr mit 67.000 Teilnehmern und davon rund 3.300 Journalisten. Ich war auch dabei 🙂


Zum Letzen Mal am Plaza Espanya: MWC 2012

Zum letzten Mal an der Plaça Espanya: MWC 2012

Sonntag 26.2. Februar:

Mir war es gelungen einen günstigen Flug zu ergattern, mit airberlin von Stuttgart (STR) nach Palma de Mallorca (PMI) und weiter nach Barcelona El-Prat (BCN). Diese Umweg ist der Tatsache geschuldet, daß airberlin seinen Hub (Drehkreuz) auf der Touristeninsel aufgeschlagen hat. Die Insel – ich war vorher noch nie dort – ist wesentlich größer, als ich gedacht hätte. Im Landesinnern scheint es ein paar wirklich nette Flecken zu geben, soweit ich das aus dem kurvigen Landeanflug durch das Fenster erkennen konnte.

Am Flughafen Barcelona El-Prat (Terminal 2) angekommen, musste ich erst mal ins Terminal 1 (ein kostenloser Shuttle-Bus machts möglich) und konnte mich gleich für die Messe registrieren, die GSMA hat das wirklich tadellos organisiert – nach Erfahrungen mit endlos langen Schlangen von Geschäftsleuten, die sich nur anmelden wollten, vor einigen Jahren. Heute registriert man sich im Internet, bekommt einen QR-Code per e-mail, zeigt seinen Pass (Foto-ID) und dann geht alles ganz fix.

Vom Flugplatz also direkt per Taxi zum katalanischen Kongressespalast (Palau de Congressos de Catalunya), wo eine Messe in der Messe auf uns wartet. Der Amerikaner Steve Leon organisiert seine „Showstoppers“, ein Saal, ein paar Erfrischungen und einfach Tische mit Ausstellern, die teilweise später noch auf der Messe oder aus Kostengründen nur bei Showstoppers auftreten. Gute Kontakte gute Gespräche.

Da gibt es Anbieter wie Devicescape aus San Bruno in Kalifornien (USA). Die haben erkannt, daß die Mobilfunknetze „überlastet“ sind und daß es viele WLAN-Betreiber gibt, teils Privatpersonen, teils Hotels, Messehallen, teils auch öffentliche Anbieter. Die Idee: Datenverkehr aus den Mobilfunknetzen bei Bedarf automatisch auf die WiFi-Netze „umladen“, WiFi ist der internationale Begriff für WLAN. Dabei will Devicescape nur die Software zur Verfügung stellen, welche dieses Handover regelt, eigene Hardware aufbauen ist nicht vorgesehen.
Die Zeit ist zu kurz, um zu hinterfragen, welche Schnittstellen und Informationen man dazu braucht und ob Mobilfunknetzbetreiber mit einem gewissen Qualitätsanspruch gewillt sind, Verkehre auf für sie unbekannte WLAN-Betreiber umzuladen, deren WLAN-Hotspots je nach Lage genauso schnell in die Knie gehen könnten, Fragen wie Tarifierungen, Datenschutz und so weiter kämen noch dazu.

Die Firma „Cobra“ ist CB-Funk-Freunden für ihre legendären CB-Funk-Geräte bekannt. In Barcelona zeigen sie eine Steuerung für Android-Handys, die über Bluetooth und die Stromversorgung laufen soll, wenn ich das richtig verstanden habe.

Sony – make.believe

Schnell weiter zu Sony – make.believe. Sony-Ericsson ist Geschichte. Der Ablauf der Show erinnert dennoch irgendwie an Nokia, Peer Nordberg, kein Finne, sondern ein Schwede, hält die einführenden Worte im nordisch kantigem englisch, es kommen wehmütige Erinnerungen an Anssi Vanjokki auf, der einst bei der Nokia World im Palao Congressos (siehe oben) in einem Feuerwerk jede Menge neue Geräte vorstellte, u.a. das Nokia N80. Lang ists her.

Sony’s neueste Experia Reihe hat ein schlicht einfaches Design, das ein wenig an Apple erinnert, einige originelle Ideen wie verschiedene Rahmenfarben je nach Anrufer oder Stimmung des Nutzers und Sony verfügt über Lizenzen und Rechte für viele 100 Jahre Musik, warum also nicht dem Käufer eines Sony-Handys die gleich mit drauf packen?

Und weiter gehts zur HTC-Party in oder besser oben auf einer aufwendig wieder hergerichteten ehemaligen Stierkampfarena. Darin werden keine Tiere mehr gejagt, heute sind darin Einkaufläden und ein Kino zu finden, obendrauf wurde ein Ring gesetzt, wo sich jede Menge netter gemütlicher Kneipen befinden, um abzusacken. Eine davon dient als Kulisse für das neue Programm von HTC-Geräten. Auch hier gilt das Konzept: Hochwertige Technik schlicht verpackt, auf Wunsch im plasma-„lackierten“ Aluminium-Gehäuse oder Polycarbonat, das LTE-Modell „Velocity“ wurde ja in Deutschland schon gezeigt und ist exklusiv nur bie Vodafone erhätlich, zumal es „nur“ LTE 800 und 2600 kann. T-Mobile Kunden brauchen aber LTE 800/1800. Keine Angst, da kommt sicher bald was nach.

Ein paar Tappas gefällig? Irgendwann ist es nach Mitternacht und Tag 0 ist vorüber.

Montag, 27. Februar 2012

Nokia

Das offizielle Programm beginnt mit einer Pressekonferenz von Nokia, sehr gut besucht. Dort zündet Nokia einen Knüller, der sofort erbitterte Glaubenskiege im Internet auslöst. Ein Handy mit 41 (ja einundvierzig Megapixel) Auflösung. Ja kann das denn sein? Macht das denn Sinn?

Demofoto: Aufgenommen mit dem Nokia 808 Pureview

Demofoto: Aufgenommen mit dem Nokia 808 Pureview (Klick volle Auflösung!)

Ja es macht Sinn! Nokia rechnet diese bislang unglaubliche Bildauflösung in der Grundeinstellung sofort auf 5 Megapixel herunter, hat dadurch aber jede Menge Reserven, um später in das Bild elektronisch hineinzoomen zu können, weil oft nur ein bestimmter Ausschnitt gebraucht wird. Zumal unbehandelte Bilder mit 41 MPixeln gut 40 MB Platzbedarf haben würden. Hat man im Handy nur eine „langsame“ Speicherkarte würde das Fotografieren und Bild bearbeiten auf dem Handy zu langwierigen Veranstaltung. Den notorischen Pessimisten gefällt das 808 Pureview natürlich gar nicht: „Was will ich denn mit Symbian?“ Ja klar, Symbian kann das alles, was Windows Mobile 7 noch lange nicht – oder vielleicht auch nie mehr – können wird, weil bis dahin schon Windows Mobile 8 auf dem Markt sein könnte. Es klingt wie ein verzweifelter Versuch der Fachwelt, ein bis dahin mehr als lebendiges Betriebssystem tot zu reden.

Welches Windows?

A propos Windows: Microsoft stellt einem ausgesuchten Kreis in Barcelona den Preview auf Windows 8 für PCs vor, während in den Hallen angereiste Einkaufsmanager verzweifelt versuchen, irgendwo noch Geräte mit Windows Mobile 6.x zu ergattern, denn nur auf diesen läuft die Software, die mit viel Aufwand in der Industrie seit Windows CE (Versionen 3, 4 , 5) entwickelt wurde und für die es unter Windows 7.x auf absehbare Zeit keinerlei Ersatz gibt, weil beispielsweise Datenerfassungsgeräte für Lagerbestände mit der groben Kachelwelt und mit viel Text, wie es Windows Mobile 7 nun mal darstellt, rein gar nichts anfangen können. Sauer sind viele Anwender auch, daß sie bei Windows Mobile nicht alle Daten direkt per Kabel vom PC aufs Handy schieben und zurückholen können, weil sie aus Datenschutzgründen ihre Daten nun mal partout nicht über wolkige Dienste transportieren wollen. Und diese Gruppe ist größer als man denkt.

ZTE: Mehr Leistung, niedrigere Preise

Nach Nokia zu ZTE. Hier stehen die Themen LTE und Quadcore auf der Agenda. Vier Kerne in einem Prozessor und das ganze in einem Handy. Solche Geräte werden handwarm (das war bei den ersten UMTS-Modellen genauso) und der Akku hält nur kurz, alles schon mal da gewesen. Dafür sind diese Telefone in der Regel schön schnell.

Mobiles Bezahlen, wo ist es denn?

Mobiles Bezahlen ein Dauer-Thema des Kongresses. Es bietet viele Möglichkeiten, aber der grundlegende Durchbruch eines überall akzeptierten Systems, daß ein Kunde möglichst immer und überall einsetzen könnte, läßt immer noch auf sich warten. Dafür jede Menge Allianzen von verschiedenen Mobilfunkanbietern mit den großen der Kreditkartenbranche.

Giesecke und Devrient, ein Unternehmen das die Lizenz zum Gelddrucken hat (ja wirklich, sie drucken ganz legal Geldscheine und das seit 160 Jahren!), ist bekanntlich auch einer der größten SIM-Karten-Hersteller der Welt. Und nach der ISO-SIM-Karte im Scheckkartenformat, die in den ersten Handys eingelegt wurde, der Minisim, die noch den Standard darstellt, der Microsim, die zuerst Apple in den Markt drückte, folgt jetzt die Nano-SIM. Die ist noch kleiner und mit reinem Zurechtschnippseln auch nicht mehr zu bekommen. Noch dieses Jahr, so wurde mir verraten, werden erste Endgeräte kommen, die eine Nano-SIM-Karte verlangen.

Giesecke & Devrient druckt Geld - legal (Werksfoto)

Giesecke & Devrient druckt Geld – legal (Werksfoto)

Standard – Mini – Micro …. Nano – SIM

Giesecke & Devrient zeigt die neue Nano-SIM-Karte, 30% kleiner als die gerade erst eingeführte Micro-SIM-Karte. Ihre Außenmasse sind 12 x 9 mm und 15% dünner als die bisherigen Karten ist sie auch noch. Da ist der Weg zur „embedded SIM“, der fertig eingelöteten und nicht herausnehmbaren Karte nicht mehr weit. Apple hatte das schon länger vor, wurde aber von den Netzbetreibern bislang daran gehindert.

Giesecke & Devrient demonstrieren am Stand, wie man z.B. in Australien seine Kreditkarte aufs Handy herunterlädt, das Zauberwort heißt NFC (= Nahfeld-Kommunikation). Und das geht so: Sie legen Ihr NFC-Handy auf die Bezahlfläche des Ladens in diesem Moment findet ein Datenaustausch zwischen dem Computer im Laden und dem Handy statt. Über ein „sicheres Element“ im Handy geben Sie sich zu erkennen, Sie erfahren, was der Laden dafür haben will und geben entweder automatisch – weil Sie Ihr Handy da hingelegt haben – oder nach Eingabe einer PIN am Handy die Zahlung frei. Das „sichere Element“ könnte die SIM-Karte sein, da darin Rechenvorgänge ablaufen können, die für „Außenstehende“ nicht erreichbar sind, nur das Ergebnis der Berechnung wird nach „Außen“ weiter gegeben, etwa ob eine PIN richtig oder eine Funktion erlaubt wird oder nicht.

In dem „sicheren Element“ könnte auch eine Art Geldbeutel („Wallet“) eingebaut sein, womit Sie nur Dinge bezahlen können, solange noch Guthaben im Geldbeutel ist, denkbar wären auch mehrere Geldbeutel, streng getrennt, einer für den Getränkeautomaten, einer zum Busfahren und was es da sonst noch gibt, solche Modelle zeigt die Firma Sybase 365, die zum SAP-Konzern gehört und worin die Überlebenden des mobilen Bezahlpioniers „Paybox“ auf ihre reiche und langjährige Erfahrung zurück greifen können.

Mobiles Bezahlen wird abheben, so Fachleute auf der Messe, die nicht genannt werden wollen, wenn ein „Großer“ wie Apple mit seinem „iTunes“ oder Bezahldienste wie „Paypal“ ihr Angebot ausdehnen werden. Auch den Kreditkartenunternehmen wie MasterCard, Visa, American Express und wie sie alle heißen, wird zugetraut, daß sie die Macht haben, solche Systeme zu etablieren. In Deutschland soll zum wiederholten Male „MPASS“ vor dem Durchbruch stehen, alleine man merkt nicht viel davon.

Telefonica

Die spanische Telefonica ist einer der größten Telekommunikationskonzerne der Welt und hat somit in Barcelona ein Heimspiel. Das 3G-Netz von Movistar ist gut ausgebaut und kommt selbst mit Spitzenlast wie einem Stream der Nokia Pressekonferenz problemlos und ruckelfrei zurecht. Die deutsche Telefonica besser bekannt als o2 Germany ist unter ihrem Chef René Schuster ein wichtiger Teil des gesamten Konzerns geworden, der in diesen wirtschaftlich turbulenten Zeiten wichtige Zahlen liefert.

Dennoch Schuster dementiert im persönlichen Gespräch alle Gerüchte, dass Telefonica-Germany (o2) ihr Netz in Deutschland nicht weiter ausbauen würde. Die „weißen Flecken“ seien längst nicht so groß, wie anfangs befürchtet und es werde – wo immer möglich – weiter gebaut. Derzeit nimmt o2 auch den LTE-Ausbau in Angriff, der Deal mit der Deutschen Telekom, dort vorhandene Glasfaserleitungen zu mieten, erleichtert hier Vieles.

Logo Telefonica

Telefonica – eine der größten Telefongesellschaften weltweit

Anschaulich demonstriert o2 den Boom der Smartphones. In Deutschland sind derzeit 55% aller verkauften neuen Mobiltelefone Smartphones, bei o2-de sind es 90%. Die 55% machen ingesamt 43% des Datenumsatzes, bei o2 sind es 50% und das ohne SMS wohlgemerkt.

Hier Netzlast dort Netzleerlauf

Während die 3G-Netze in Deutschland glühen, ist es in Südamerika genau anders herum: Telefonica International hat seiner Tochter Vivo in Brasilien ein 3G Netz hingestellt, das nahezu ungenutzt vor sich hin dümpelt. Der Grund ist simpel: Die auf dem brasilianischen Markt angebotenen UMTS-Telefone sind für die meisten Bürger dort viel zu teuer.

Kommt das HTML-Telefon?

Die Lösung: Gemeinsam mit Mozilla (Firefox) haben Telefonica und andere Netzbetreiber ein neues Smartphone mit einem Mozilla-HTML5 Betriebssystem in Auftrag gegeben, das zunächst für die aufstrebenden Märkte („emerging countries“) gedacht ist. Ich denke, dass dieses Betriebssystem – schneller als vielen bewußt ist – hierzulande für Furore sorgen wird. Der erste Prototyp erinnert vom Look and Feel an Android und ist richtig schön schnell.

Telefonica o2 ist beim Projekt „Touch and Travel“ der Deutschen Bahn dabei und da geht es vorerst auch ohne NFC mit QR-Codes, wie sie diese bereits von ihren selbst ausgedruckten Bahnfahrkarten her kennen.

Ford Automobile erstmalig beim MWC

Ein Neuling auf dem Mobile World Congress ist die Firma Ford. William Clay Ford, der Urenkel des Firmengründers Henry Ford ist nach Barcelona gekommen um eine wichtige Grundsatzrede (pardon Keynote) zu halten. Wir brauchen die Mobilfunkindustrie, beschwört er die Zuhörer im vollen Saal und Ihr braucht uns, wenn wir keinen „Net Gridlock“ (Netzverstopfung) erreichen wollen. Womit er wohl Recht hat. Gezeigt wird ein hübsch anzuschauendes Familien-Auto mit Namen B-Max, der schon über eine gewisse Spracherkennung verfügt und natürlich einer Schnittstelle zum Mobiltelefon.

Rechts im Bild: William Clay "Bill" Ford, Urenkel von Autolegende Henry Ford
Rechts im Bild: William Clay „Bill“ Ford, Urenkel von Autolegende Henry Ford

Dienstag, 28. Februar 2012

Der Dienstag startet mit einer Roaming SIM-Karte. Ich treffe Steve Christe von der Shaston AG, der seit kurzem die Roaming-SIM-Karte xxSIM in der Schweiz, Deutschland und weiteren Ländern vertreibt. Darüber habe ich auf Teltarif.de vor einiger Zeit einen Bericht geschrieben. Die Karte hat sich in Barcelona bewährt, Anrufe kommen im Callbackverfahren, im Trubel der Messe mußte mancher Anruf wiederholt werden.

Weiter geht es zu René Obermann, dem CEO der Deutschen Telekom, der gut gelaunt auf das Problem aufmerksam macht, daß einerseits die Kosten zum Netzausbau extrem steigen, aber andererseits die Preise für Mobilfunk von der EU, speziell bei Roaming empfindlich reguliert werden. Dabei geht Obermann wesentlich diplomatischer vor, als Vittorio Colao der Vorsitzende des weltweit operierenden Vodafone Konzerns, der EU-Kommissarin Neelie Kroes unverhohlen androht, den Netzausbau einzustellen, wenn diese unselige Regulierung nicht aufhört. Die Antwort kommt aus Brüssel per Medien und ist ziemlich deutlich.

Rene Obermann (links) bei der Keynote zum MWC (Foto Henning Gajek)
Rene Obermann (links) bei der Keynote zum MWC (Foto Henning Gajek)

Netze und Kosten

Die Netze müssen ausgebaut werden, das bestätigt John Chambers der President des führenden Router-Herstellers CISCO, der wie ein amerikanischer Prediger dank schnurlosem Mikrofon durchs Publikum geht und sie beschwört: Der Datenverkehr wird ansteigen und ansteigen, er wird explodieren, Ihr müsst viele Server in wenigen Minuten startklar konfigurieren, ihr müßt ausbauen und erweitern, Euch neuen Herausforderungen stellen, die Ihr Euch bisher kaum vorstellen konntet, denn der Datenhunger ist immens.

Nun sind Roaming-Tarife wie beispielsweise die 49 Cent pro Megabyte, die der Discounter Simyo und einige andere berechnen, für einen Kurzurlaub, wo nur ein paar Mails und ein paar Stadtpläne abgerufen werden sollen, durchaus ein fairer Kurs. Wenn man natürlich dann mal die exzellente Netzqualität von Telefonica vor Ort (fast durchgehend 3G) ausprobieren möchte und sich die gestreamte Pressekonferenz von Nokia auf dem Smartphone anschaut, dann sind schon mal ruckzuck 150 Euro weg. Da versteht man dann schon, daß Frau Kroes „Public Data“ als „essential“ ansieht und die Roaming-Preise auf maximal 25 Cent herunter schrauben will und wenn möglich soll es noch günstiger werden. Das Thema wird uns noch beschäftigen.

Ben Verwaayen, der Chef des Kommunikationsausrüster Alcatel-Lucent wirkt wie der nette gute Onkel. Humorvoll beschreibt er, wie das früher war: Da beschloss der Familienrat, ein Telefon anzuschaffen und dann wurde das bestellt, was die (staatliche) Telefongesellschaft zu bieten hatte, der Techniker mit Kaffee und Kuchen bewirtet und dann konnte man telefonieren. Diese Zeiten sind lange vorbei. Der größte Feind der Telekommunikationsunternehmen ist… der Kunde! Und der ist im Schnitt 40 Jahre alt und weiblich. Dieser Kunde, genauer diese Kundin hat ganz genaue Vorstellungen und es muß einfach funktionieren und bezahlbar sein. Eine echte Herausforderung. Verwaayen hat Erfahrung. Er war Chef von KPN (der ehemaligen staatlichen niederländischen Telekom) und er half der ehemaligen staatlichen British Telecom auf die Beine, bevor die frisch fusionierte Alcatel-Lucent (ein amerikanisch-französisches Joint Venture) wieder aufrichtete und zwar überaus erfolgreich.

Am Mittag ein Trefen mit HTC, Fachsimpeln mit Kollegen über Pixel und Auflösungen, HD-Formate und Applikationen.
Weiter zur Firma P2i, die mit Plasma-Gas Handys und andere elektronische Geräte wasserfester macht. P2i hat mal herumgefragt, wie oft Handys mit Wasser und anderen Flüssigkeiten in Berührung kommen. Anhand von Demo-Geräten kann man sehen, was so eine Nano-Beschichtung alles verhindern kann. Wassertropfen perlen einfach ab.

WYSE ist ein Unternehmen, das es schon 30 Jahre gibt, das zum Thema „Cloud“ schon aktiv war, als noch kein Mensch wußte, was das ist oder werden sollte. Sie bieten nun aktuelle Cloud-Dienste für kleine und große Unternehmen an Zugriff vom Mobiltelefon inklusive.

Der BlackBerry Roundtable findet in einem engen Räumchen im geräumigen Stand statt, die Klimaanlage übertönt die unverstärkten Stimmen der Sprecher. Es geht um die Chancen und Möglichkeiten von NFC und die Auswirkungen auf den Markt. NFC kann seine Stärken bei Zugangskontrollen und beim Bezahlen ausspielen, wenn die Daten entsprechend sicher sind (es muß eindeutig klar sein, wer hier Daten schickt oder empfängt, darf er das?). Dann könnte ein Handy als Türöffner in Firmen (Werksausweis), fürs eigene Auto (Autoschlüssel) und als Geldbeutel (hatten wir ja schon) dienen.

Das beste am BlackBerry Stand ist eine Studie von vier auf einem Tisch herumliegendenden Playbooks. Die „erkennen“ sich gegenseitig und erlauben es von Gerät zu Gerät Dateien oder Präsentationen hinüberzuschieben oder mit einem „Wisch“ die Bilder des Moderators auf den großen Projektionsschirm im Raum zu übertragen. Das ist knuffig, einfach zu verstehen und sollte unbedingt weiter verfolgt werden. Angeblich ginge es über WiFi, wie die unmittelbare Erkennung der Geräte, wenn sie sich „berühren“ funktioniert, erfuhren wir nicht.

Eric Schmidt, der führende Kopf von Google wird in seiner Keynote esoterisch. Das Internet für alle, insbesondere für die aufstrebenden „emerging countries“, Internet als demokratisches Grundrecht. Auf die Frage eines Nigerianers, wann er ein Glasfaserkabel nach Nigeria legen werde, um schnelleren Datenzugriff in ausreichender Menge und mit ausreichender Kapazität zu ermöglichen, gab es keine konkrete Antwort.

Mein Fazit:

Der Mobile World Congress besteht aus zwei Welten:

Hier die Dienstleister und die Over the Top Player, die neue Dienstleistungen und Angebote im Netz präsentieren und damit Geld verdienen wollen. Sie gehen einfach davon aus, daß überall ein super gutes Netz existiert, für dessen Nutzung sie aber möglichst nichts beitragen oder gar bezahlen möchten.

Dort die Netzbetreiber, welche die Anforderungen nach guten schnellen leistungsfähigen Netzen erkannt haben, dabei aber unter doppeltem Druck stehen, denn die notwendigen Einnahmen zum Bau und zur Finanzierung der Netze werden ihnen von Regulierern „streitig“ gemacht, man bedenke nur die lautstark beklagten Roaming-Tarife, die nach dem Willen der EU immer weiter sinken sollen und auch sinken müssen, denn sonst bleiben die Visionen vom Internet überall und jederzeit für die allermeisten Nutzer unerschwinglich. Eine Quadratur des Kreises sozusagen.

Das war der letzte Mobile Weltkongress in der Fira de Barcelona, auf dem ehemaligen Gelände der Weltausstellung von 1929 in altersschwachen etwas verwinkelten Hallen, die ihr eigenes Ambiente hatten. Ab nächstem Jahr gehts näher zum Flughafen in den Vorort Hospitalet de Llobregat in das nagelneue Messegelände Fira Gran Via. Dort wird es wesentlich mehr Platz geben, der Mobilfunk-Markt wird weiter wachsen.

Henning Gajek

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Eine Antwort to “Barcelona 2012: Subjektive Eindrücke vom Mobile World Congress”

  1. JoJo Says:

    „Was will ich denn mit Symbian? – Es klingt wie ein verzweifelter Versuch der Fachwelt, ein bis dahin mehr als lebendiges Betriebssystem tot zu reden.“

    Totgeredet wurde Symbian doch praktisch schon, bevor Nokia überhaupt Anfang des letzten Jahres verkündete, auf Windows Phone zu setzen. Seitdem weiß man bei Nokia doch einfach nicht, ob und wie lange sie Symbian noch am Leben halten. Ob es stimmt oder nicht, seinerzeit wurde auf unzähligen Websites und Blogs verkündet, Symbian werde auf Dauer ersetzt. Ich kann mich nicht erinnern, dass Nokia dem entschieden widersprochen hätte. Obwohl ich derzeit noch den Eindruck habe, dass sie Symbian noch gut weiterpflegen (es folgte Anna und bald darauf Belle), sind viele Entwickler bestimmt verunsichert. So wächst der App-Store wohl kaum weiter und welche Apps es gibt, ist vielleicht nicht für bestimmte Hardware-Liebhaber, heutzutage wohl aber für die weniger gut Informierte Masse entscheidend.

    Und am 808 selbst stört mich die niedrige Displayauflösung. Der Trend geht ganz eindeutig zu mehr als 300 ppi wie beim iPhone und das völlig zu Recht. Gut, ein bisschen weniger ist auch immer noch vertretbar, aber es macht einfach Spaß, so ein gestochen scharfes Bild zu haben, vor allem auch wenn man Fotos darauf betrachtet (und gerade das will man beim 808 doch ganz bestimmt!). Ich habe aber das 4-Zoll-Display vom E7 vor Augen und da meint man wirklich jedes einzelne Pixel sehen zu können. Auch für Internetseiten ist so eine niedrige Auflösung unpraktisch. Ich meine deshalb, Nokia hat die Prioritäten ein bisschen falsch gesetzt.

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