Neues BASE stiftet Verwirrung

by

Es war mal ein Netzbetreiber in Belgien, der hieß BASE. Über KPN/E-Plus kam er nach Deutschland und landete schließlich in der Erbmasse einer Fusion bei Telefónica. Jetzt wird „BASE“ von Telefónica „neu erfunden“. Die Kunden sind verwirrt. Zu Recht.

BASE stiftet Verwirrung

BASE stiftet Verwirrung

E-Plus hatte "BASE" als Marke für Flatrates positioniert, auch beim Kundenservice wurde strikt auf die Kosten geachtet. Wenn man Pech hatte, kam man nicht durch oder es klappte nichts. Wenn man Glück hatte, lasen die Hotliner jeden Wunsch von den Lippen der Kunden ab. Nach dem Start von „BASE“ wurde die Marke „E-Plus“, ursprünglich mit dem sympathischen Vögelchen gestartet, gleich als Marke komplett eingestampft. Im Volksmund lebt "E-Plus" noch immer weiter.

Nach der Fusion schien man bei Telefónica zunächst nicht so recht zu wissen, was man aus der Marke BASE machen sollte.

Kürzlich war BASE in Belgien von KPN an Liberty Global verkauft worden und nach den ungeschriebenen Regeln des Marktes, gingen die damit verbundenen Marken-Rechte – meist nach einer Übergangszeit – ebenfalls an den Käufer. Also hätte man stark vermuten können, dass BASE aus Deutschland verschwinden würde.

Dafür sprach auch der Riesen Aufwand, mit dem Telefónica seine „alten“ BASE-Kunden aktiv ansprach und zum Wechsel nach o2 „überredete“. Gleicher oder besserer Tarif, Handymiete einfach gestrichen, das Handy durfte der Kunde auch behalten, teilweise die „Abbildung“ der alten Tarife im neuen o2 System mit zig Sonderrabatten und Ausnahmeregeln (z.B. sind bei E-Plus/BASE die netzinternen Rufumleitungen frei, bei o2 nicht) so wechselten einige mehr oder weniger freiwillig.

BASE verschwindet …. nicht.

BASE verschwindet? "Nein!" hieß es dazu deutlich aus München, "es gibt keine Befristung, wir nutzen die Marke weiter." Und heute also die Bekanntgabe: BASE „erfindet“ sich neu. Die Kunden sind verwirrt. Warum wollte man den vorhandenen BASE-Bestandskunden nicht einfach die neuen, teilweise richtig attraktiven BASE-2016-Angebote geben? Welcher BWL-Student im 45. Semester wurde da wieder an die Front geschickt?

Ich hätte besser den Namen BASE komplett auslaufen lassen, alle Bestandskunden wie vorgesehen zu Original o2 „migriert“ und fertig. Wenn dann ein neues Low-Cost-Discount-Angebot gewünscht gewesen wäre, hätte man das unter der Marke „Simyo“ aufsetzen können, aber diesmal auf einer richtigen Postpaid-Plattform ohne Gefrickel. Die Kunden der bisherigen „Pseudo-Postpaid-Plattform“ von Simyo (und Blau) hätte man als nächstes migrieren können und die Kunden der Simyo-Prepaid-Plattform, die ihre Freiheit schätzen, hätte man auf einer möglichst flexiblen, jeweils monatlich änderbaren Schiene belassen können.

Die Zeiten des Multimarken-Gemischtwarenladens machten Sinn, als noch neue Kundengruppen erschlossen werden sollten, die entweder noch nie mobil telefoniert hatten oder die man weg von Telekom, Vodafone oder VIAG-Interkom/o2 haben wollte. Jetzt gibt es nur noch drei Anbieter: Telefónica mit den ehemaligen Kunden von o2 und E-Plus, ferner Deutsche Telekom und Vodafone. Soll es „billig“ sein, stehen Discounter wie Congstar, otelo und andere bereit. Mit Wegholen ist da nicht mehr viel, es sei denn, man bietet viele Daten zu tiefsten Preisen.

Wer heute bei der Telekom ist, ist bewusst dort, auch wenn es etwas teurer sein kann, aber nicht muß! Beispielsweise weil der Kunde in einer Region lebt, wo außer von Telekom kein LTE verfügbar ist. Beispielsweise, weil der Kunde in einer Region lebt, wo außer Telekom netzmäßig gar nichts verfügbar ist.

Wer in einer Gegend lebt, wo Telekom nicht verfügbar ist (auch das gibt es!) ist vielleicht bei Vodafone oder bei Telefonica (o2/E-Plus). Es gibt auch Regionen, wo VIAG/E-Plus als erste einen Mast hingestellt haben, weil sie wussten, hier sind noch dankbare Kunden zu gewinnen. Schon vor Jahren entdeckte E-Plus wahnsinnige Umsatzsteigerungen, nur durch einen dichteren Netzausbau. Damals wurde noch nach echtem Verbrauch abgerechnet, da sah man das sofort auf der Einnahmenseite und konnte die Kostenrechner überzeugen.

Telefónica muss sich überlegen, was sie wollen. Ein möglichst zuverlässiges, möglichst flächendeckendes, ausreichend schnelles Netz aufbauen, das geht aber nicht zum Super-Discount-Preis. Wenn das ginge, wäre E-Plus heute noch eigenständig.

Vodafone ist derzeit Nummer Drei und wird es sehr schwer haben, an der Telekom vorbei zu kommen. Dazu müssten sie ihr Netz bis in die allertiefste Provinz massiv aufrüsten und den Kundenservice verstärken und ihr völlig aus der Kontrolle geratenes Tarifportfolio mit zig-Rabatten entrümpeln.

Die Deutsche Telekom ist im Mobilfunk gemessen an Kundenzahlen derzeit Nummer zwei, macht aber vieles richtig und kann dadurch eines Tages auch kundenmäßig an Telefónica herankommen oder sie sogar überrunden. Je nachdem wie „glücklich“ die Kunden mit ihrem aktuellen Anbieter sind und bleiben.

Die BASE Tarife – nicht uninteressant

Schauen wir uns die neuen BASE Tarife mal genauer an.

"Die neuen BASE-Angebote richten sich ausschließlich an Neukunden", schreibt o2 in seinem Blog. "Die im Februar gestartete Umstellung der bisherigen BASE-Kunden auf die Premiummarke O2 bleibt unberührt. Sie trägt dem Umstand Rechnung, dass die bisherigen Kunden der Marke BASE Multi-Kanal-Angebote bevorzugen und auf umfangreichen Service und Beratung Wert legen. So bleibt Telefónica Deutschland seiner fokussierten Mehrmarkenstrategie treu: Jeder Kunde wird in punkto Tarif, Service und Beratung optimal bedient."

Immer die Jagd nach den Neukunden (die es gar nicht mehr gibt.) Ich hasse diese „Jetzt billig, später teurer“-Preise. Diesen Unsinn machen alle Anbieter und keiner zeigt ihnen die rote Karte 😦 Solche Angebote (die Kabel-Fernseh-Leute haben damit angefangen?) sind einfach eine Mogelpackung.

Konkret: BASE Light für 9,99 EUR für 2 GB plus Sprachflat, da kann man was mit anfangen, aber bitte dauerhaft! (Aktuell 14,99 nach 12 Monaten). SMS extra zu bepreisen (mit üblichen 9 Cent) favorisiert nur die OTT-Messenger wie Whats-App & Co.

BASE mit 3GB für 14,99 Euro ist interessant, selbst 19,99 Euro (nach 12 Monaten) sind noch ok.

Die Message lautet: Markentreue wird nicht belohnt. Schließe einen Vertrag ab und kündige ihn sofort, damit die Fristen nicht verpasst werden, denn irgendwo ist einer günstiger. Hast Du Probleme? Schnell kündigen und wechseln oder gleich zu Prepaid. Die Rufnummer kann man heute ja mitnehmen, die Kollegen bekommen das idealerweise gar nicht mit.

Meine Message lautet: Neukunden gibt es nicht (mehr). Fast alle Kunden haben schon einen Vertrag oder waren Kunde eines anderen Anbieters. Wer günstiger telefonieren und surfen will, muss permanent optimieren und wechseln.

Nachhaltig ist das alles nicht.

Advertisements

Schlagwörter: , , , ,

2 Antworten to “Neues BASE stiftet Verwirrung”

  1. Scrooge Says:

    Ja und? Dann macht man das Spiel halt mit, auch in anderen Bereichen:

    Beim SPIEGEL z.B. kommen über das ganze Jahr verteilt mit schöner Regelmäßigkeit die Angebote mit 120 EUR Prämie für jeden Neukunden. Werben kann auch die Ehefrau, es ist auch egal, wenn das Vorgängerabo erst vor 15 Tagen ausgelaufen ist. Man muss also noch nichtmal jährlich den Vertragspartner wechseln.

    Als Kunde das Abo weiterlaufen lassen? Wozu? Es gibt ab dem 2. Jahr keine Treueprämie, Vergünstigungen, nein, nichts. Der Neukunde bzw. dessen Werber bekommt dagegen immer 120 EUR.

    Und gerade im Mobilfunkbereich: Die Portierung ist super einfach, also kündigen und weiterhüpfen. Oder kündigen und auf ein Angebot zur Vertragsverlängerung warten, denn da gibt es sowas evtl. noch.

    Wenn die Anbieter das so wollen, gerne. In vielen Bereichen tut es nichts weh, wenn die Fortsetzung nicht nahtlos klappt.

    Vorsichtig bin ich aber immer beim DSL-Anschluss. Zum einen ist es hier nicht nur mit einer Portierung getan, denn da muss die Leitung von einem zum anderen Anbieter. Und dann die Angst, irgendwann zwischen die Mühlen des Anbieters/Providers und des TAL-Inhabers zu geraten. Obwohl mich dort die o.g. Praktiken dort schon treffen und stören, bin ich nach wie Kunde beim TAL-Inhaber, also der Telekom. Müsste man eigentlich aber auch mal probieren.

  2. Ingolf Says:

    „Fair geht vor: Keine Datenautomatik“.

    Dann müssen die Premiumtarife des gleichen Hauses unfair sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: