Telekoms Quartalszahlen

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Die Deutsche Telekom lud heute morgen zum „Conference Call“. Es ging um die aktuellen Quartalszahlen.

Deutsche Telekom Zentrale

Journalisten wählen sich am Telefon ein, werden in eine Konferenz geschaltet, wo sie mit *1 Fragen stellen können. Interessierte Mitmenschen können die Konferenz per Tonspur („Audio“) im Internet mitverfolgen. Soweit so schön.

Doch zu Beginn gibts einen rund 5 minütigen Vorspann, für mich Realsatire pur. Kostprobe gefällig? Falls es Ihnen zuviel wird, können Sie den kursiv gedruckten Abschnitt überspringen.

Diese Mitteilung enthält zukunftsbezogene Aussagen, welche die gegenwärtigen Ansichten des Managements der Deutschen Telekom hinsichtlich zukünftiger Ereignisse widerspiegeln. Sie enthalten Aussagen zum Marktpotenzial… Zukunftsbezogene Aussagen basieren auf derzeit gültigen Plänen, Einschätzungen und Erwartungen und daher sollte ihnen nicht zu viel Gewicht beigemessen werden. Zukunftsbezogene Aussagen unterliegen Risiken und Unsicherheitsfaktoren, von denen die meisten schwierig einzuschätzen sind und die im Allgemeinen außerhalb der Kontrolle der Deutschen Telekom liegen, einschließlich solcher, die in den Abschnitten „Forward-Looking Statements“ und „Risk Factors“ des auf Form 20-F bei der SEC eingereichten Berichts beschrieben wurden.
 
Zu diesen Faktoren gehören u.a. die Fortschritte beim Personalabbauprogramm der Deutschen Telekom sowie die Auswirkungen anderer strategischer Entscheidungen oder Initiativen von Bedeutung wie z.B. Akquisitionen, Veräußerungen und Unternehmenszusammenschlüsse. Weitere mögliche Faktoren, welche die Kosten- und Erlösentwicklung wesentlich beeinträchtigen, sind ein Wettbewerb, der schärfer ist als erwartet, Veränderungen bei den Technologien, Rechtsstreitigkeiten und aufsichtsrechtliche Entwicklungen. Sollten diese oder andere Risken und Unsicherheitsfaktoren eintreten oder sollten sich die den Aussagen zu Grunde liegenden Annahmen als unrichtig herausstellen, so könnten die tatsächlichen Ergebnisse der Deutschen Telekom wesentlich von denjenigen abweichen, die in diesen Aussagen ausgedrückt oder impliziert werden.
 
Die Deutsche Telekom kann nicht garantieren, dass ihre Schätzungen oder Ziele tatsächlich erreicht werden. Die Deutsche Telekom lehnt jede Verantwortung für eine Aktualisierung der zukunftsbezogenen Aussagen durch Berücksichtigung neuer Information oder zukünftiger Ereignisse oder anderer Dinge ab. Neben den nach IAS bzw. IFRS dargestellten Kennzahlen weist die Deutsche Telekom auch so genannte Proforma- Kennzahlen aus, z.B. EBITDA, EBITDA-Marge, bereinigtes EBITDA, bereinigte EBITDA-Marge, bereinigtes EBT, bereinigter Konzernüberschuss, Sondereinflüsse, Free Cash-Flow, Free Cash-Flow (vor Erwerb von Netzinfrastruktur und Spektrum in den USA), Leverage, Netto-Finanzverbindlichkeiten, Netto- Finanzverbindlichkeiten/bereinigtes EBITDA …
 

Hallo sind Sie noch da? Prima.

Das Mikrofon an CEO René Obermann und CFO (Finanzchef) Timotheus Höttges und deren Quartalszahlen sind durchaus erfreulich. Die Telekom verdient wieder richtig Geld, das Schrumpfen im Festnetz wird weniger und im Mobilfunk sind es zwar etwa 440.000 SIM-Karten weniger (insgesamt „noch“ 38.544.000 geschaltete D1-Karten im ersten Quartal), aber die verbliebenen Kunden entdecken langsam die mobile Datenübertragung, trotz der m.E. partiell immer noch zu teuren Tarife, besonders, wenn man ahnungslos in eine Datenverbindung stolpert, ohne vorher seinen uralten Tarif geprüft und geändert zu haben.

Die Anzahl der geschalteten SIM-Karten werden nicht mehr durch Prepaid in die Höhe getrieben (was oft in Schubladenkarten endet), sondern durch mehr Umsätze. Inaktive Prepaid-Karten werden regelmäßig in Wellen ausgebucht und beinflußten die Zahlen.

Das Geschäft läuft gut, Handys mit dem Betriebssystem Android überflügeln teilwese das iPhone. Deutschland ist noch einer der wenigen Märkte, wo T-Mobile, pardon Telekom das iPhone exklusiv verkaufen kann und darf. Das hat Kunden hereingebracht, die vor einiger Zeit noch im Brustton der Überzeugung „Telekom? Niemals! “ gerufen haben, um kurz drauf heimlich, still und leise in einem T-Punkt ein iPhone zu erwerben, oft mit Rufnummernportierung von Vodafone, E-Plus oder o2 zu T-Mobile. Diese Kunden sagen sich zu Recht, wenn iPhone, dann aber richtig, denn „freie iPhones“ sind mit Risiken und Nebenwirkungen (flächendeckend EDGE? Funktionieren Zusatzfeatures wie die „Visual Mailbox“, was passiert bei Softwareupdates etc.?) verbunden.

Wie lange das iPhone noch exklusiv bei der Telekom bleiben wird, kann Obermann noch nicht sagen. „Es ist bisher sehr gut gelaufen, es ist lukrativ und strategisch bedeutend. Wir werden weiterhin eng mit Apple zusammenarbeiten. Wir sind einer der letzten Märkte, wo es diese Exklusivität noch gibt. Ich möchte nicht spekulieren.“ Das sind klare Worte. Obermann beantwortet die Frage aus den USA nachträglich von sich aus, beinahe wäre sie wegen der Synchronübersetzung untergegangen, ein Pluspunkt.

Im Festnetz konnte der Rückgang halbiert werden, der bundesweite Ausbau mit Glasfaser bis ins Haus (fttb) oder gar die Wohnung (ftth) wird in Dresden starten, in den nächsten zweieinhalb Jahren sollen 10% der Haushalte erreicht werden. Das klingt wenig, ist aber ein gigantisches Projekt. Langfristig ist es richtig und wichtig. Es bringt Schwung in den Markt, die Lieferanten von Glasfasertechnik und die Montagefirmen bekommen Aufträge, das sichert mittel- bis langfristig Arbeitsplätze. Genauer will sich die Telekom noch dieses Jahr äußern.

Das USA-Geschäft war schon zu Zeiten von Ron Sommer umstritten. Aus deutscher Sicht fragen sich Verbraucher und Wirtschaftsjournalisten, ob es Sinn macht. Aus Konzernsicht macht es Sinn. Man muß nur wissen, daß die USA einwohner- und flächenmäßig unendlich viel größer als die Bundesrepublik sind und ein wirksamer flächendeckender Netzausbau einiges mehr kostet als hierzulande, wo es immer noch – allen Beteuerungen zum Trotz – Funklöcher gibt. 90% der Amerikaner haben ein „Mobile“ (kein „Handy“ 🙂 und Obermann will etwa 8 Mio Endgeräte mit 3G-Technik und mobilem Internet in den USA verkaufen, wo die Umsätze der Vertragskunden zurückgingen, während immer mehr Leute Prepaid entdecken.

Für den Aufbau der 4. Generation (LTE) in den USA könnte die Zusammenarbeit mit dem Finanzinvestor „Harbinger“ von Vorteil sein, der schon Frequenzen hat. Das aber sind Spekulationen und dazu sagt die Telekom erst einmal nichts, bis die Geschichte in trockenen Tüchern ist, das gehört zum geschäftlichen Alltag. Wichtig ist, daß die Kunden am Ende gut versorgt sind.

Prepaid hat weltweit das Problem, daß man immer damit rechnen muß, daß die Karten plötzlich in die Ecke legen, irgendwann werden sie dann aus der Statistik genommen und oft auch abgeschaltet, deswegen sind Obermann Vertragskunden lieber, verständlich. Es sei auch nicht sinnvoll, immer neue Kunden zu gewinnen, sondern man solle sich um die Bestandskunden kümmern. Eine kluge und richtige Ansicht, die sich aber noch nicht bis in den letzten Winkel des Vertriebsweges bis zum Mobilfunkshop an der Ecke herumgesprochen zu haben scheint. Und es ist klar, daß die Zahlungsfähigkeit der Kunden sich unmittelbar auf den „Churn“, darunter versteht die Branche das Kündigen von Kunden, die dann zur Konkurrenz gehen oder das Angebot gar nicht mehr nutzen, auswirkt.

In England arbeiten Orange (=France Telecom) und T-Mobile (=Deutsche Telekom) unter dem Titel „Everything Everywhere“ (=alles und überall) zusammen. Während einige Kommentatoren noch bitter spotten, wer sich sowas ausdenkt, kontert Obermann sachlich, daß das keine persönlichen Geschmäcker seien, sondern aufgrund von Marktforschung genau durchdacht sei. Völlig richtig: Mobilfunk ist heute so selbstverständlich geworden, daß man in jederzeit und überall nutzen möchte und so macht dieser Begriff absolut Sinn. Der Anbieter, der das „immer und überall“ hinbekommt (Stichworte Netzausbau und Flächendeckung) wird am Ende das Rennen machen.

Wer Apple nicht so spannend findet, kauft vielleicht das „Nexus 1“ von Google, das in den USA nur mit Zweijahresverträgen zu haben ist. Wieviele Stück Obermann davon verkauft hat, verrät er mit Rücksicht auf Google nicht. Die Geräte steigern den Datenumsatz und das ist doch erfreulich.

Die Konkurrenz hat Telekom weit hinter sich gelassen. „Früher (=als Vodafone hier noch Mannesmann D2 hieß) war Vodafone uns voraus“ (und Obermann hatte als Chef des Service-Providers „Hutchison“ (heute The Phone House) maßgeblichen Anteil daran), die aktuellen Vodafone-Zahlen kennt Obermann noch nicht, aber man kann sich gut vorstellen, daß sie sicher nicht über den Telekomzahlen liegen.

Im deutschen Festnetz ging das Großhandelsgeschäft um 30% zurück, dafür entwickelt sich das Einzelshandelsgeschäft (mit direkten Kunden) ganz gut. Die 30% sehen dramatisch aus, aber hier findet ein Wandel zu internetbasierenden Anschlüßen (IP) und ein Verdrängungswettbewerb durch das Fernsehkabel statt, worüber man auch telefonieren kann, wenn die Leitungen korrekt verlegt und richtig geerdet sind – oft sind sie das nicht und dann ist Telefonie über TV-Kabel eine Katastrophe.

Zur Mainzer Frequenz-Auktion gibts keinen Kommentar. Nur soviel, wenn alles rum ist, wird es „so schnell wie möglich“ losgehen, noch dieses Jahr mit dem Aufbau, mit Sendestart bereits im nächsten Jahr. Der vom Regulierer vorgeschriebene „Reverse Rollout“ (= erst die Provinz, dann die Ballungsgebiete) zeigt erfreuliche Wirkung, denn „der größte Druck auf einen Ausbau kommt durch die Unzufriedenheit in den ländlichen Regionen.“

Was wird aus dem Personal? „Wir bauen Konzern weiter um, wir haben Neueinstellungen aus eigener Ausbildung – in einige Bereiche auch Reduktion – und wir stellen neue Leute in Produktentwicklung, Vertrieb und Service ein, das sind doch erfreuliche Nachrichten.

Die T-Aktie klettert um die Mittagszeit auf knapp über 9 Euro.

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