Where is the Revolution? – Auf dem Weg zur Datenflat

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„Where’s the Revolution“ von Depeche Mode ist der neue musikalische Claim der Deutschen Telekom für sein StreamOn Angebot. Was dahinter steckt und wohin die Reise gehen könnte, will ich mir mal anschauen.

Video „Where’s the Revolution“ von Depeche Mode auf Youtube

StreamOn Was war das nochmal?

Junge Leute hören gerne Musik oder schauen Filme und Videos. Die brauchen Datenmengen, die bei Angeboten mit 100, 300 oder 500 MB in wenigen Minuten „weg“ sind. Selbst 1,2,3 GB vor Jahren noch als „dicke ausreichend“ können schneller weg sein, als man „gucken“ kann.


Werbespot der Deutschen Telekom für Stream On (Quelle: YouTube)

Was also tun? Mehr Datenvolumen geben. Klar. Aber das erfordert einen massiven Netzausbau, der Geld kostet. kann man einfach mal 10, 20, 30 GB dazu geben? Zu welchem Preis?

Die Telekom dachte sich da was anderes aus. Es müsste ein Angebot sein, das scheinbar kostenfrei daher kommt und einen „Mehrwert“ bietet. Also beispielsweise Musik. Musik soviel mal will, wenn man nur einen bestimmten Tarif bucht. Mit Spotify wurde das ausprobiert. Wenn Du ein kostenpflichtiges Abo bei Spotify buchst, kannst Du deren Musik „ohne Mehrkosten“ hören. Tolle Idee, nicht?

Der Effekt war klar, wer kostenlos Musik hören wollte, musste zu Spotify, andere Angebote waren nicht darunter. Das Netz und schließlich die Aufsichtsbehörden stellten klar: Das verstößt gegen die Netzneutralität.

Netzneutralität heißt, dass alle Dienste und Angebote gleichberechtigt hindurch transportiert und zugänglich gemacht werden. Also die Seite für den tibetanischen Hirtenhund, genauso wie die Seite des Ikebana Häkelclubs in Klein-Posemuckel, wie auch Angebote von YouTube, Apple iTunes und wem auch immer.

Nun machen Dienste wie YouTube, wo pro Minute Inhalt für weitere 72 Stunden hochgeladen werden, mehr Aufwand, als die eben beschriebene Häkelseite. Da wäre es doch nicht mehr als fair, wenn man der Firma Google/Alphabet, die hinter YouTube steckt, etwas mehr berechnen könnte. Im Umkehrschluss würde Google dann erwarten, besser „behandelt“ zu werden, weil sie ja „mehr“ zahlen.

Die „Lösung“ schien schnell gefunden: Solange noch allgemeines Datenvolumen im Mobilfunk „übrig“ ist, darf kostenlos gestreamt werden. Ist das Volumen „alle“, wird auch die Musik „gebremst“.

In den USA spann T-Mobile USA den Faden fort. Unter den Namen „Binge On“ konnten die Kunde in bestimmten Tarifen Musik und Videos „streamen“ solange sie Lust und den richtigen Tarif haben. Zugelassen sind alle Musik und Videoanbieter, die ihre Signale in einem bestimmten Format anliefern und sich angemeldet haben. Kosten soll es beide Seiten nix.

Der Nachteil: Jeder Inhalt-Anbieter muss sich bei jedem Netzbetreiber selbst anmelden, sofern er noch nicht gefragt wurde. Wenn zig Netzbetreiber zig verschiedene Standards verwenden, wird die Sache irgendwann kompliziert. Inhalteanbieter werden ihre beliebtesten Netzbetreiber „auswählen“, die Kunden ihr beliebtestes und am einfachsten zu erreichendes Angebot und damit verändert sich der Markt. Nun sieht man in den USA das Thema Netzneutralität nicht mehr ganz so „eng“, aber T-Mobile USA ist schon wieder einen Schritt weiter und hat die „unlimited“ Datenflatrate eingeführt, deren Grenzen soweit oben liegen, dass es den Normalsterblichen nicht stören sollte.

Der Vorteil von „unlimited“ ist klar: Jeder kann das runterladen oder streamen, was ihn interessiert oder von dem er weiß, dass es existiert und die Netzbetreiber und Inhalteanbieter haben kein Stress mit inkompatiblen Formaten. Ich habe das mal bei Teltarif.de thematisiert.

Für die Mobilfunkanbieter ist jede Form von „unlimited“ natürlich irgendwo ein Alptraum, weil sie nie als reine „Datenpumpstation“ beim Kunden wahrgenommen werden wollten. Aktionen wie Livekonzerte im exklusiven Stream eines bestimmten Anbieters sind solche Zeichen, dass man als Anbieter von „wertvollem“ Content wahrgenommen werden will.

Und immer stellt sich die Frage, wie es weiter geht.

Genauer:

– Werden Vodafone und Telefonica mit „ähnlichen“ Angeboten nachziehen oder gleich zu kreativen Lösungen wie z.B. o2Free oder echten unlimited Flatrates – vielleicht mit gebremster Geschwindigkeit über gehen?

– Wie tief wird sich die Bundesnetzagentur in das StreamOn Angebot „einmischen“ und es möglicherweise ganz oder teilweise untersagen? Frau Zypries hat schon verlauten lassen, dass sie sich das „genauer“ anschauen will.

Trend zu unlimited?

Auf die Dauer wird es auf „unlimited“ hinauslaufen, vermutlich wenn die Preise auf breiter Front angestiegen sind oder wenigstens höhere Preise für „unlimited“ akzeptiert werden.

Solche Anzeichen gibt es heute schon bei Telefonica o2.

Die geben eine bestimmte Menge (z.b. 1 GB mit vollem LTE-Tempo, danach geht es auf 1 MB/s „gebremst“ weiter, aber nicht mehr mit LTE, sondern 3G oder 2G, was halt anliegt. Nun weiß jeder kundige Nutzer, dass 2G technisch maximal rund 100kbps erlaubt , aber bei 3G sind bis zu 42 MB/s denkbar. Theoretisch.

Und da liegt bei o2 der dicke Haken: in der Praxis hängt es entscheidend von der Netzversorgung und Performance vor Ort ab. Wenn ich in einem Nest lebe, wo es außer 2G (GSM), noch 3G (UMTS) und 4G (LTE) nur von D1 gibt und D2 nur 2G (und sonst nix!) und wenn o2 mir nur 2G und ein ganz klein wenig 4G bietet, ist doch klar, wohin ich gehe…

Vodafone versucht es mit 100 GB Geschenken, was regional zur Netzüberlast geführt haben soll, wie man so hört.
Also ist unlimited doch keine Lösung?

And the Winner is…

Die Telekom wird es wahrscheinlich schaffen, mit ihrem StreamOn-Angebot, den ARPU (monatlichen Umsatz des einzelnen Kunden) deutlich zu steigern, was Luft für Netzausbau und Investitionen schafft. Andere Anbieter wie Telefónica-o2 und in gewissen Rahmen auch Vodafone erreichen eher Kundensegmente, die jeden Euro einzeln umdrehen oder schlicht zu „geizig“ sind… und da bleibt halt zu wenig oder gar nix übrig.

Wohin geht die Entwicklung?

Schafft o2 es, höhere Preise „durchzusetzen“ (wobei „o2“ alle Kunden im Netz umfasst) und kann dann aufschließen? (Vodafone wird dann im „Windschatten“ das gleiche tun können)

Sprich, es wird generell und bei allen Anbietern teurer?

Oder sehen wir früher oder später eine weitere Konsolidierung des hiesigen Marktes, an deren Ende nur noch zwei Anbieter (beispielsweise die Deutsche Telekom und ein weiterer Anbieter XY übrig bleiben?

Dann wird es vermutlich auch teurer.

Oder sehen wir am Ende nur noch eine Handvoll Anbieter, die zu Tiefstpreisen Internet und Telefonie „verramschen“, bei wackligem bis Null Service (Kunde hilf Dir selbst oder bleibe auf der Strecke) und einem „Netzausbau“, streng nach dem Motto „Sei doch froh, wenn es funktioniert…“

Was selbst tun?

Intensive Nutzer werden längst einen „größeren“ Tarif gebucht haben. Vor der Unterschrift im Laden oder dem „Ja“ am Telefon genau prüfen, was da angeboten wird und was wirklich möglich ist. Wer bereits einen Telekom Magenta M oder Magenta L im Portfolio hat, wäre ja „blöd“ wenn er die Musik oder Video-Flatrate nicht nehmen würde. Ob eine Höherstufung des bisherigen (günstigeren) Tarifes sich „lohnen“ könnte, sollte man sich genau überlegen. Es gibt durchaus gute Argumente dafür, aber die Gesamtkosten sprechen – je nach eigenem Etat – auch oft dagegen.

Für die Zukunft läuft es auf steigende Datenmenge in den üblichen Tarifen hinaus, die dann für alles mögliche verwendet werden können.

Aktionen wie StreamOn sind meiner Meinung nach nur ein Zwischenschritt dorthin.

Spannend bleibt es auf jeden Fall. (ach schrieb ich das nicht schon?)

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